Kategorie: Reviews

  • Pendant zu den Walzerkönigen?

    Im romantischen Vielklang des 19. Jahrhunderts scheint sich die Spur eines Komponisten zu verlieren, der sich weit vom Habsburgerreich entfernt in die Riege der Wiener Komponisten von Unterhaltungsmusik für einen großen Teil des damaligen Bürgertums einreiht. Zu Frederick Ellard liegen nur spärlich biographische Daten vor. Für die Nachwelt rettete ihn eine Veröffentlichung des ungarischen Fachkollegen Miska Hauser,…

  • Ein Gang durch Beethovens 3. Symphonie: Analyse und Synthese

    Für die Moderation einer musikhistorisch zentralen Symphonie der Wiener Klassik im Übergang zur Moderne der Romantik konnte das Theater Erfurt die neue Leiterin des Kulturhauses Dacheröden gewinnen: Johanna Bastian ist selbst studierte Violinistin und Expertin für Musikvermittlung, einem Bereich, in dem sie sich sowohl in Hamburg und Bremen als auch in Nordrhein-Westfalen vielfache Verdienste erwarb. Als…

  • Danse d’Almée

    Eine besondere Vorliebe zur Erprobung ihrer Kompositionsfertigkeiten hegte die eigentlich gegen den Willen ihrer Eltern am Konservatorium immatrikulierte Pariserin Mélanie Bonis für die Suite, was auch ihrer Produktivität im Orchestertonsatz zugute kam: Außer einer viersätzigen Suite in Walzerform und einer aus Prélude und Danse d’Almée bestehenden Suite orientale, in der die Figur einer Hoftänzerin im Mittelpunkt steht,…

  • Originelle Variationen

    Genau in jener Epoche der Umwälzung, die Napoleon Bonaparte mit seinem Vordringen in den gesamten europäischen Raum verursachte, erprobte sich die begabte junge Genfer Pianistin Caroline Butini, 1806 verheiratete Boissier, an verschiedenen Formen, wie wohl sie sich wähnte, nach dem zeitgenössischen Ideal der bürgerlichen Hausfrau zu leben. Ihre Werke zeigen aufgrund ihrer Selbstständigkeit und Ausnahmestellung…

  • Trend? Fehlanzeige

    Wer geglaubt hat, dass sich der Magen des Publikums ausschließlich von Beethovens Kost ernährt, sieht sich beim Blick in den Neuerscheinungskalender getäuscht. Offensichtlich widmen sich die weltweit aufgesplitteten Klassiklabels nur etwa zu zwanzig Prozent dem Geburtstagskind, seinen Sonnen-, Schatten- und unbekannten Seiten. Ansonsten wird je nach Spezialgebiet munter musiziert und eingespielt. Als innovativer Vorreiter für…

  • Reich an Erfindungskraft: Ein Zeitgenosse Buxtehudes

    In seiner Beschreibung des Niederländischen Adels gibt der Historiker Mattheus Smallegange an, ein namhafter zeitgenössischer Kirchenmusiker, Pieter Bustijn, sei Nachfahre einer Familie aus dem belgischen Liège. Dafür ebenso wie für den Großteil der Werke des seinerzeit bedeutenden Organisten, Cembalisten und Carilloneurs, der sein Amt an der Nieuwe Kerk des seeländischen Middelburg 1681 nach dem Tod seines mutmaßlichen…

  • Unter Barbados‘ Sternenhimmel

    Mit einer gewissen Berechtigung kann sich die Insel Barbados als eines der markanten Zentren klassischer Musikausübung in der mittelamerikanischen Inselwelt, sei es mit, sei es ohne kolonialistischen Beigeschmack bezeichnen.

  • Neuanfang

    Nicht nur mit den bekanntesten Nummern italienischer Opern, auch mit den seltener aus den Medien zu hörenden emotional aufgeladenen wie nachdenklich stimmenden Arien wartete das Theater Erfurt zum Ende der Saison 2019/2020 am Domplatz auf. Das Orchesterspiel am gestrigen Freitagabend fiel dank der neuen Zeltbühne auch akustisch mehr als zufriedenstellend aus, das Publikum ging am…

  • Flamme und Schatten

    Erst kürzlich, anlässlich eines Konzerts des klassisch basierten PLEXUS Ensemble, kam Anne Cawrses 2019 geschriebenes Kammermusikstück Flame and Shadow für Sopran, Violine, Klarinette und Klavier zu gebührenden Ehren, wenn auch die Aufführung selbst nicht vor physisch präsentem Publikum, sondern nur online ermöglicht wurde. Die Idee ebenso wie den Titel und Teile des Gedichts entlieh die…

  • Projektionsfläche Norden

    Wagten sich abenteuerlustige Forscher wie Roald Amundsen, Autor der Nordwestpassage und Knud Rasmussen, Verfasser der Grönlandsaga, ganz bewusst physisch an die Grenzen der nördlichen Welt heran, blieb für viele Komponisten auswärts der Norden oft lediglich eine ferne, durch Kälte, Eis, Schweigen und Leere geprägte Projektionsfläche ihrer Kunst.