Kategorie: Reviews

  • Auf Tournee: Eine Hoffnung geht in Erfüllung

    Weltmusik-Alben mit direktem Bezug auf den Bruch durch die Pandemie und auf den Verlust größerer Geselligkeiten im weiteren Freundeskreis sind noch ziemlich rar, aber manch singuläres Ensemble mag sie zum Anlass einer ziemlich angstfreien Reise durch Europa genommen haben, so etwa das in Amsterdam angesiedelte KAMA Kollektiv mit seiner neuen und wiederum eigenwilligen Kompilation von Liedern und Instrumentalstücken.

  • Verspieltes Klavier und zaubernde Geige

    So romantisch, expressiv und gleichzeitig verspielt dürften heutige Hörer dänische Klaviermusik aus der Zeit der Wiener Klassik und über diese hinaus kaum jemals wahrgenommen haben: Mit Friedrich Kuhlau (1786 – 1832) spricht hier kein Komponist zweiter Garde im Schatten Beethovens zu uns, auch wenn er diesen im Norden eigentlich bekannt gemacht hat.

  • Vorhang auf für L’Arpeggiata

    In biographischen Nachschlagewerken taucht der Name der in Sachen Alte Musik progressiven Musikerin und Ensembleleiterin kaum auf: Christina Pluhar, die Grazer Expertin für Kammermusik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts – auch gerne in größerer Formation – bestimmte maßgeblich die Entwicklung der historischen Aufführungspraxis seit Ende des letzten Jahrhunderts.

  • La Varsovienne

    Im Zuge der nachnapoleonischen Besinnung auf einheimisches Kulturgut in beinahe allen Ländern Europas entwickelte sich auf den Warschauer Tanzböden um 1850 auch die Pflege einer lokalen Mazurka-Variante: Die im langsamen Dreivierteltakt gespielte und getanzte Varsovienne bediente sich aus verschiedenen Richtungen, nahm insbesondere die Durchgänge des Walzers und Eigenschaften der Polka auf (auch wenn letztere ja geradtaktig angelegt ist).

  • John Antes, ein Epigone „Vater Haydns“?

    Er gab sich sozusagen mit dem berühmten „Vater der Klassik“ in künstlerischer Hinsicht die Türklinke in die Hand: Der in Montgomery County im Bundesstaat Pennsylvania 1740 geborene Sänger, Instrumentenmacher und Komponist John Antes pflegte einen Stil, der demjenigen vor- und frühklassischen Haydns sehr ähnelte. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass sich ihre Wege jemals gekreuzt hätten.

  • Estampas coloniales

    Die Vereinbarkeit einer geradlinigen klassischen Ausbildung und entsprechenden kompositorischen Praxis mit Folklore und Jazz stellte auf Kuba an der Schwelle zum 20. Jahrhundert den Normalfall einer kreativen Musikerkarriere dar. Insofern war auch der während Lebzeiten schon allseits beliebte Pianist Eliseo Grenet Sánchez keine Ausnahme. Zu seinem Repertoire gehören „querbeet“ die populären, ebenso jedoch akademisch begründeten Zarzuelas,…

  • In wolkiger Form

    Luftig und wolkig wirkt dem Korpusaussehen nach ein altes Cister-Instrument, dessen Bedeutung als Zupfinstrument sich ausschließlich auf die Zeit der Renaissancepolyphonie und des Früh- und Hochbarock zentriert. Aus diesem Grund dürfte das Orpheoreon oder Orpharion heute nur noch eine Angelegenheit von Experten für Kastenhalslauten sein. Einer von wenigen dieser Zunft ist aktuell Dieter Schossig, der…

  • Venedig und Paris

    Nicht nur eine Mode unserer Zeit ist es, wenn für Aufführungen von Musik des 17. Jahrhunderts harmonische Füllstimmen hinzugenommen werden – wiedergegeben durch historisch adäquate Instrumente wie Theorbe, Erzlaute, Chitarrone oder Viola da gamba, außerdem durch Holzbläser. Beliebt waren vor und um 1700 insbesondere solchermaßen ergänzte Konzerte mit Liedern, akkompagniert vom Basso continuo. In der Nähe der…

  • Aktionsräume der Musik

    Nehmen auch die Oratorien und weitere geistliche Kompositionen den größten Teil von Sylvie Bodorovás Werk bis heute ein, so umfasst ihre häufig an Programmen orientierte Musik doch einen viel größeren Aktionsraum, der von Sololiteratur für Gitarre, Violine, Klarinette, Fagott und Flöte über mehr formal bestimmte Kammermusik für mehrere Instrumente bis hin zu Symphonien mit ungewöhnlicher Satzstruktur reichte. Ebenso breit…

  • Quetschkom(-)Moden

    Am 6. Mai 1829 ließ sich der Wiener Cyrill Demian auf der Basis von Häckels acht Jahre älterer Handaeoline das erste Akkordeon patentieren, dessen klangliche Vorläufer noch dem Harmonium ähnlich waren; was er damals noch nicht ahnte, war, dass das Handzuginstrument mit den sensationell neuen voreingestellten Akkorden auf der Seite der linken Hand vor allem…