Kategorie: Reviews
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La Varsovienne
Im Zuge der nachnapoleonischen Besinnung auf einheimisches Kulturgut in beinahe allen Ländern Europas entwickelte sich auf den Warschauer Tanzböden um 1850 auch die Pflege einer lokalen Mazurka-Variante: Die im langsamen Dreivierteltakt gespielte und getanzte Varsovienne bediente sich aus verschiedenen Richtungen, nahm insbesondere die Durchgänge des Walzers und Eigenschaften der Polka auf (auch wenn letztere ja geradtaktig angelegt ist).
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John Antes, ein Epigone „Vater Haydns“?
Er gab sich sozusagen mit dem berühmten „Vater der Klassik“ in künstlerischer Hinsicht die Türklinke in die Hand: Der in Montgomery County im Bundesstaat Pennsylvania 1740 geborene Sänger, Instrumentenmacher und Komponist John Antes pflegte einen Stil, der demjenigen vor- und frühklassischen Haydns sehr ähnelte. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass sich ihre Wege jemals gekreuzt hätten.
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In wolkiger Form
Luftig und wolkig wirkt dem Korpusaussehen nach ein altes Cister-Instrument, dessen Bedeutung als Zupfinstrument sich ausschließlich auf die Zeit der Renaissancepolyphonie und des Früh- und Hochbarock zentriert. Aus diesem Grund dürfte das Orpheoreon oder Orpharion heute nur noch eine Angelegenheit von Experten für Kastenhalslauten sein. Einer von wenigen dieser Zunft ist aktuell Dieter Schossig, der…
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Venedig und Paris
Nicht nur eine Mode unserer Zeit ist es, wenn für Aufführungen von Musik des 17. Jahrhunderts harmonische Füllstimmen hinzugenommen werden – wiedergegeben durch historisch adäquate Instrumente wie Theorbe, Erzlaute, Chitarrone oder Viola da gamba, außerdem durch Holzbläser. Beliebt waren vor und um 1700 insbesondere solchermaßen ergänzte Konzerte mit Liedern, akkompagniert vom Basso continuo. In der Nähe der…
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Aktionsräume der Musik
Nehmen auch die Oratorien und weitere geistliche Kompositionen den größten Teil von Sylvie Bodorovás Werk bis heute ein, so umfasst ihre häufig an Programmen orientierte Musik doch einen viel größeren Aktionsraum, der von Sololiteratur für Gitarre, Violine, Klarinette, Fagott und Flöte über mehr formal bestimmte Kammermusik für mehrere Instrumente bis hin zu Symphonien mit ungewöhnlicher Satzstruktur reichte. Ebenso breit…
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Quetschkom(-)Moden
Am 6. Mai 1829 ließ sich der Wiener Cyrill Demian auf der Basis von Häckels acht Jahre älterer Handaeoline das erste Akkordeon patentieren, dessen klangliche Vorläufer noch dem Harmonium ähnlich waren; was er damals noch nicht ahnte, war, dass das Handzuginstrument mit den sensationell neuen voreingestellten Akkorden auf der Seite der linken Hand vor allem…
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Vor der Tür: Feliz natal
Nur zum Teil alpenländisch geprägtes Liedrepertoire jenseits der Steiermark hält Einzug in ganz Europa. So verzauberte in den vergangenen sieben Jahren immer wieder das ungewöhnliche, auf Chormusik spezialisierte Ingenium Ensemble aus Ljubljana sein Publikum.
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Glückwünsche eines Beglückwünschten
Dass „das“ Geburtstagskind des Jahres auch Gelegenheits- und Gebrauchsmusik komponierte, ist für manche(n) vielleicht eine Überraschung. Zumal zum Zweck der Ehrung vorgebrachte Gratulationsständchen mussten in der nachrevolutionären Ära Napeoleons in der Abkehr vom Adel und den Huldigungen an bürgerliche Prominente doch eher als provinzielle Relikte der Zopfzeit erscheinen.
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Corrido, Zócalo und E-Experimente
Ihre Kompositionen klingen allenfalls aufgrund der heimatlichen Enkulturation nach indigener Musik, doch beabsichtigte Gabriela Ortiz nie, in einem spezifisch „mexikanischen“ Stil zu komponieren. Wichtiger ist die Entwicklung eines neuen Ideen durch die Selbsterprobung am Klavier, das zu diesem Zweck für sie essentiell ist. Eine ebenso große Rolle spielt neben der noch nicht so lange zurückliegenden…