Kategorie: Reviews
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Baldachin am Berg
Im Jakobszimmer der Churburg oberhalb Schluderns im Vinschgau steht die berühmte Baldachin-Orgel, ein nahezu singuläres Instrument aus der späten Renaissancezeit, das beinahe im Originalzustand erhalten werden konnte.
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Gestohlene Zeitwerte
Zeit wird abgezogen und (nicht immer wieder) dazugegeben: Als Möglichkeit im mehrstimmigen Musizieren breitete sich das Tempo rubato, abgeleitet von „rubamento“ wohl schon vor seiner theoretischen Beschreibung durch Ludovico Zacconi im Jahr 1592 aus; Temposchwankungen dieser Art innerhalb eines Stücks wurden als Spielvorgabe wohl seit Ende des 16. Jahrhunderts gebunden vorgeschrieben.
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Erfolgreicher Prototyp
Ein Traum von Thanasis Polykandriotis war es, für Bouzouki und Symphonieorchester zu schreiben. Der lange gehegte Plan wurde Realität, als er 1996 sein erstes Konzert dieser Art im Herod Atticus Odeon von Athen dem Publikum vorstellen durfte. Das „Experiment“ glückte, die Verschmelzung der westeuropäischen, akademisch basierten Tradition mit den Klängen eines folkloristischen Instruments war gelungen, während es…
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Aus der Bücherkiste (von morgen)
Allzu häufig beschäftigte sich die Popularmusikforschung als Grenzgebiet zwischen Musikwissenschaft und (Europäischer) Ethnologie hierzulande noch nicht systematisch mit den Erscheinungsformen von Reggae und Dancehall. Dieses Verdienst ist nun Benjamin Burkharts Dissertation, die beim Waxmann Verlag erschien, zuzuschreiben.
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Von der weiblichen Hälfte eines raren Duos
Auch wenn man in Fragen der Besetzung bei Kammermusik in der Vorklassik ebenso wie um 1700 gerne unkompliziert war und je nach MusikerInnenpräsenz das eine oder andere Instrument statt des vom Komponisten intendierten verwendete, so musste das Duo Francesca und Ludwig August Lebrun doch ein seltenes konzertantes (Hör-)Bild abgegeben haben.
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Auf Tournee: Eine Hoffnung geht in Erfüllung
Weltmusik-Alben mit direktem Bezug auf den Bruch durch die Pandemie und auf den Verlust größerer Geselligkeiten im weiteren Freundeskreis sind noch ziemlich rar, aber manch singuläres Ensemble mag sie zum Anlass einer ziemlich angstfreien Reise durch Europa genommen haben, so etwa das in Amsterdam angesiedelte KAMA Kollektiv mit seiner neuen und wiederum eigenwilligen Kompilation von Liedern und Instrumentalstücken.
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Verspieltes Klavier und zaubernde Geige
So romantisch, expressiv und gleichzeitig verspielt dürften heutige Hörer dänische Klaviermusik aus der Zeit der Wiener Klassik und über diese hinaus kaum jemals wahrgenommen haben: Mit Friedrich Kuhlau (1786 – 1832) spricht hier kein Komponist zweiter Garde im Schatten Beethovens zu uns, auch wenn er diesen im Norden eigentlich bekannt gemacht hat.
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Vorhang auf für L’Arpeggiata
In biographischen Nachschlagewerken taucht der Name der in Sachen Alte Musik progressiven Musikerin und Ensembleleiterin kaum auf: Christina Pluhar, die Grazer Expertin für Kammermusik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts – auch gerne in größerer Formation – bestimmte maßgeblich die Entwicklung der historischen Aufführungspraxis seit Ende des letzten Jahrhunderts.