Kategorie: Reviews
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Im Wechselbad des 20. Jahrhunderts
An der Grenze der Ukraine zur Republik Moldau, inmitten der vom Fluss Dnister geprägten Großlandschaft Podolien liegt die Stadt Mohyliw-Podilskyj, die unter anderem den russischen Physiker Jewgeni Sawoiski, in deren Getto unter tausend anderen Gefangenen auch der jüdisch-deutsche Schriftsteller Edgard Hilsenrath überlebte; seine Erlebnisse dort verarbeitete dieser in seinem zunächst in den USA erschienenen Roman Night.…
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Eine bahnbrechende Erfindung
Nicht gerade täglich ist das Musiktheater Ort der künstlerischen Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlich-technischen Themen. Insofern ist Stewart Copelands Electric Saint, gestern zum wiederholten Male nach der englischsprachigen Weimarer Uraufführung am 5. September und noch zweimal in diesem Jahr am DNT zu sehen, ein solcher Ausnahmefall: Das Drama über den Kampf Nikola Teslas um die Durchsetzung des von ihm…
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Auf dem Prüfstand: Puccinis Version von „Manon Lescaut“
Reduktion auf das scheinbar Wesentliche: Das Stichwort geistert seit mehr als 15 Jahren durch den Blätterwald des öffentlichen Diskurses. Auch der italienische Verismo, prominent vertreten durch Verdi und Puccini, tendierte in besonderem Maße dazu, Stoffe der Weltliteratur stark auf eine bestimmte Lesart zu verkürzen, wenn auch nicht ihrem Sinngehalt zu entfremden.
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Baldachin am Berg
Im Jakobszimmer der Churburg oberhalb Schluderns im Vinschgau steht die berühmte Baldachin-Orgel, ein nahezu singuläres Instrument aus der späten Renaissancezeit, das beinahe im Originalzustand erhalten werden konnte.
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Gestohlene Zeitwerte
Zeit wird abgezogen und (nicht immer wieder) dazugegeben: Als Möglichkeit im mehrstimmigen Musizieren breitete sich das Tempo rubato, abgeleitet von „rubamento“ wohl schon vor seiner theoretischen Beschreibung durch Ludovico Zacconi im Jahr 1592 aus; Temposchwankungen dieser Art innerhalb eines Stücks wurden als Spielvorgabe wohl seit Ende des 16. Jahrhunderts gebunden vorgeschrieben.
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Erfolgreicher Prototyp
Ein Traum von Thanasis Polykandriotis war es, für Bouzouki und Symphonieorchester zu schreiben. Der lange gehegte Plan wurde Realität, als er 1996 sein erstes Konzert dieser Art im Herod Atticus Odeon von Athen dem Publikum vorstellen durfte. Das „Experiment“ glückte, die Verschmelzung der westeuropäischen, akademisch basierten Tradition mit den Klängen eines folkloristischen Instruments war gelungen, während es…
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Aus der Bücherkiste (von morgen)
Allzu häufig beschäftigte sich die Popularmusikforschung als Grenzgebiet zwischen Musikwissenschaft und (Europäischer) Ethnologie hierzulande noch nicht systematisch mit den Erscheinungsformen von Reggae und Dancehall. Dieses Verdienst ist nun Benjamin Burkharts Dissertation, die beim Waxmann Verlag erschien, zuzuschreiben.
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Von der weiblichen Hälfte eines raren Duos
Auch wenn man in Fragen der Besetzung bei Kammermusik in der Vorklassik ebenso wie um 1700 gerne unkompliziert war und je nach MusikerInnenpräsenz das eine oder andere Instrument statt des vom Komponisten intendierten verwendete, so musste das Duo Francesca und Ludwig August Lebrun doch ein seltenes konzertantes (Hör-)Bild abgegeben haben.