Kategorie: Reviews

  • Vor der Klassik – nach der Moderne

    Glücklicherweise haben weltweite Krisen den „guten Humor“ der Musikindustrie bislang nicht spürbar unterdrücken können – und das Frühjahrshoch wirkt sich hoffentlich bis weit ins Jahr hinein aus, was die Produktivität der Labels angeht. Interessante Neu- oder Wiederentdeckungen sind auch dabei, etwa die Miniaturen-Suite im Schlepptau mit einem Klavierkonzert von Dimitris Papadimitriou, einem in Athen ausgebildeten…

  • Das Findelkind Novecento

    Das Findelkind Novecento

    Im Falle der aktuellen Erfurter Dramatisierung des Monologs Novecento von Alessandro Baricco für die Bühne wäre es wohl korrekter, von einem Schauspiel mit Puppe statt von einem Puppenspiel zu sprechen, auch wenn der durch die Puppe verkörperte Charakter natürlich im Mittelpunkt der fiktiven erinnerten Ereignisse steht. Diese wurde zur Premiere am 28. April brillant geleistet von…

  • Urheber des klassischen Chorkonzerts

    Nicht nur der heute namhafteste ukrainische Hofkomponist des 18. Jahrhunderts, Dmitri Bortnjanskij, hatte einen starken Bezug zu Italien. Noch mehr gilt dies für den wenigstens sechs Jahre älteren, in Hluchiw im Herrschaftsgebiet der Kosaken-Hetmanen geborenen späteren Sänger Maxym Sosontowytsch Beresowskyj.

  • Elektrisierend, hypnotisierend: von Bach bis Reich

    Motivbruchstücke auf Takte anzulegen und auch längere Motive in sich repetierende rhythmische Einheiten aufzuteilen ist nichts Neues: J.S. Bach hat es, meist mit seinem Idol Vivaldi im Hintergrund, zur Genüge getan und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts taten es die Protagonisten der Minimal-Music-Bewegung auf andere Weise. Es war wohl doch ein Markenzeichen der…

  • Kontraste: zwischen Mozart und Moderne

    Das letzte von den vier Klavierkonzerten, die Mozart bei seinen Versuchen, sich in Salzburg zu etablieren und einen Namen zu machen, steht in der für den Komponisten nicht eben seltenen Tonart Es-Dur (KV 271) und wurde später womöglich fälschlich „Jeunehomme“-Konzert genannt, da zwei Biographen darin den (Mädchen?-)Namen der Pariser Pianistin erkennen wollten, die als erste…

  • Friedensschlüsse in Musik

    Momentan zeigt die weltweit angespannte Lage keine deutlichen Besserungszeichen auf, doch folgen auf Kriegszeiten meist Epochen des Friedens, wiederkehrende Auseinandersetzungen zwischen Nationen nicht ausgeschlossen. Der schlechten Beispiele, die auch bewusst im Sinne eigener Strategien genutzt werden, sind (mehr als) genug und so gab es auch von Seiten der Künste immer schon warnende, begleitende, miterleidende und…

  • Digitalität – von Spiel bis Unterwerfung

    Schillers Bonmot, wonach der Mensch sich als solcher zu erkennen gebe, wenn er spielt, gilt im Falle der Nutzung digitaler Möglichkeiten nur mehr bedingt, denn digitale Medien können auch vereinnahmen, unterwerfen oder beherrschen, je bis zu welchem Grad wir uns darauf einlassen. Aber die Grenzen können verschwimmen und es steht manchmal in Frage, ob wir…

  • Anpassung an die Macht – ein Künstlerdilemma?

    Anpassung an die Macht – ein Künstlerdilemma?

    Zum zweiten Mal nach dem Start vor einer Woche ging an diesem Samstagabend der Vorhang auf für Offenbachs Opéra fantastique Hoffmanns Erzählungen, basierend auf dem Schauspiel von Jules Barbier und Michel Carré, die den universellen Künstler selbst in die Handlung einbezogen hatten, mitten im 19. Jahrhundert gewiss ein einigermaßen gewagtes dramaturgisches Unterfangen …

  • Kammergesänge mit Dramatik und Witz

    Wenn es um die Vorarbeiten zu einer neuen Operninszenierung geht, stehen allzu selten die emsigen Arbeiten hinter den Kulissen im Vordergrund. Ihnen ist es jedoch zu verdanken, dass eine ebenso tiefengestaffelte wie latent symbolträchtige Bühnenillusion erzeugt wird. Dazu bedarf es in der Regel einer eigenen Crew, die dem Sängerpersonal an Zahl nicht nachsteht. Für die…

  • Thrill und Ironie

    Dem amerikanischen Musical-Komponisten Stephen Sondheim gelingt es sowohl dramaturgisch als auch musikalisch, in seinem Sweeney Todd die Waage zwischen Thrill und Ironie zu halten. Gerade dort, wo die an sich realistisch eingefädelte Handlung ins Absurde umkippen will, mehren sich die spaßigen Allusionen der Dialoge angesichts des blanken Horrors.