Ihre Kompositionen klingen allenfalls aufgrund der heimatlichen Enkulturation nach indigener Musik, doch beabsichtigte Gabriela Ortiz nie, in einem spezifisch „mexikanischen“ Stil zu komponieren. Wichtiger ist die Entwicklung eines neuen Ideen durch die Selbsterprobung am Klavier, das zu diesem Zweck für sie essentiell ist. Eine ebenso große Rolle spielt neben der noch nicht so lange zurückliegenden Beschäftigung mit dem Jazz ihre Verwurzelung in der neuspanischen Folklore, daneben auch in der Rezeption afro-kubanischer, afrikanischer und rocknaher Stile sowie elektroakustischer, auch experimenteller Musik.

Bereits Ortiz‘ Eltern wirkten in Mexico City in einer seinerzeit bekannten Folkloreformation mit, die Mutter legte der Gitarre spielenden und singenden Heranwachsenden aber eine regelrechte klassische Ausbildung ans Herz. Es fiel ihr mehr oder weniger zu, Melodien selbst zu erfinden; der Professionalisierung halber studierte sie zunächst in Paris und setzte dann an der Londoner Guildhall School zunächst bei Robert Saxton, dessen sehr persönliche Ausdrucksweise als Komponist sie deutlich beeinflusste, ihre Studien fort; nach weiteren Lehrjahren an der Londoner Universität unter anderem bei dem Gitarristen Simon Emmerson nahm sie eine Stellung als Dozentin an der Staatlichen Musikhochschule Mexico Citys an, die eine Abteilung der Universidad Autónoma darstellt.

Ein zwischenzeitlicher Ausflug als Hochschullehrerin an die Indiana University in Bloomington eröffnete ihr weitere Möglichkeiten in der Entwicklung als Komponistin außerhalb Mexikos. Der unproblematischen Amalgamierung verschiedener Stile in ihrem Werk entspricht die Ausrichtung an individuellen Programmen, während sich Gabriela Ortiz weniger an formalen Kriterien orientierte und demgemäß traditionelle, formal verbindliche Genres (ausgenommen hergebrachten mexikanischen Tänzen wie den vielgestaltigen Corrido und auswärtigen lateinamerikanischen) eher selten zuarbeitete.

Dies ergab eine sich weiterhin fortsetzende sehr persönliche Ausrichtung an Inhalten; beispielhaft hierfür mögen Kompositionen wie El Trompo für Vibraphon und Tonband (1994), Zocalo-Bastilla für Violine, Schlagwerk und Orchester (1996). 100 Watts für Klarinette, Fagott und Klavier sowie Corporea für größeres Kammerensemble (2015), ein Auftragswerk der San Francisco Contemporary Music Players, stehen mögen. Für ihr gleichermaßen von Folklore wie Jazz und Klassik beeinflusstes Werk und ihre Verdienste für lateinamerikanische Musik wurde Gabriela Ortiz mehrfach ausgezeichnet. Ihre bislang singuläre Oper Unicamente La Verdad, für die Ruben Ortiz das Libretto verfasste, wurde 2010 aus der Taufe gehoben.
Zócalo Tropical für Flöte, Schlagzeug und Orchester