Nur zum Teil alpenländisch geprägtes Liedrepertoire jenseits der Steiermark hält Einzug in ganz Europa. So verzauberte in den vergangenen sieben Jahren immer wieder das ungewöhnliche, auf Chormusik spezialisierte Ingenium Ensemble aus Ljubljana sein Publikum.

Im Anlauf zum Heiligen Abend führt das Gesangssextett in seinen Konzerten gerne Advents- und Weihnachtsliedgut slowenischer Komponisten auf, die sie damit aus einem häufig als kleine Enklave wahrgenommenen Land heraustragen und populär machen möchten. 2014 und 2018 erschienen zwei Alben der Formation Ingenium Ensemble, die hohe Chorkunst mit Renaissance- und Barockliedern aus Slowenien und bekannte Beispiele dieser Epochen aus Gesamteuropa demonstrieren.

Christa Schyboll beschreibt einen amüsanten Weihnachtsbrauch aus Portugal, wo das zentrale kirchliche Fest des Jahres feierlich, gleichzeitig schlicht und mit Feinsinn begangen wird. Jeder zum Anlass gebackene Königskuchen, bolo rei, muss eine Saubohne enthalten. Wer sie in einem abgeschnittenen Stück abbekommt, ist verpflichtet, für die Runde den nächsten zu besorgen. Traditionelle Instrumente kommen beim Rundgang einer musizierenden Gruppe durch die Straßen in Dorf und Stadt zum Einsatz: Die Lieder werden bevorzugt von Gitarre, Akkordeon, Querflöte oder Mandoline begleitet. Ein berühmtes Weihnachtslied ist Andorinha Gloriosa, („Ruhmreiche Schwalbe“), das unter anderem vom Calmus Ensemble eingespielt wurde.

Als exzellent kann eine Darbietung alter norwegischer Weihnachtslieder des Ensembles Hirundo Maris mit dem Renaissance-Harfenisten Petter Udland Johannsen und der gleichermaßen Harfe spielenden Sopranistin und Alte-Musik-Expertin Arianna Savall bezeichnet werden, die sowohl nordwesteuropäische Gesänge erklingen lässt wie Mitt hjerte alltid vanker oder Kling no, klokka, sondern auch iberisches, irisches und deutschsprachiges Liedgut. Unter dem Osloer, Stavanger oder Tromsøer Weihnachtsbaum werden eben nicht nur Glade Jul, Deilig er den himmel blå oder Du grønne glitrende tre gesungen.