• Grüße aus Kingston

    Friedlich ging es auf der südlich von Kuba gelegenen drittgrößten Insel der Antillen selten zu: Die Urbevölkerung der Arawaks wurde zuerst von den Spaniern, die im Gefolge von Christoph Kolumbus erschienen, bedroht. Später sollten die Indigenen ihre Insel mit Leib und Leben gegen die Briten verteidigen, während sich die Besatzer selbst aus dem Staub machten.…

  • Das Bitterernste und seine komische Seite

    Die Figur des Don Giovanni erschien Philipp Kochheim bei aller Blässe ihrer Charakterisierung durch Lorenzo Da Ponte als Katalysator für Entfremdungsprozesse in den Mikroebenen der Gesellschaft, die so ins Bewusstsein des Zuhörers rücken. Nimmt man die Kleidertauschszene mit seinem Diener Leporello hinzu, kommt ein weiteres Element hinzu: Gezeigt wird die personifizierte Irritation der Verhältnisse in ihrem…

  • Kammermusik als Experimentierfeld

    Mit dem Amalia-Quartett, das dieses Jahr schon wegen seiner Barber- und Mozartinterpretationen von sich reden machte, kommt am kommenden Sonntag um 11 Uhr im Foyer des Weimarer Nationaltheaters eine seit mehreren Spielzeiten bewährte Formation wieder auf die Bühne. Diesmal handelt es sich um ein Schostakowitsch-Revival, das die Kammermusik „als Experimentierfeld“ des vor 40 Jahren verstorbenen Komponisten…

  • Raum für Kontemplation

    Threefold heißt ein Kleeblatt aus drei Stücken für drei Klarinetten aus der Schublade von Christine McCombe, das seinen Weg ins Studio und auf eine Platte mit Werken anderer australischer KomponistInnen fand, von Elena Kats-Chernin und Michelle Madder ebenso wie von Ross Edwards, Harold Allen und Don Banks – wobei der Titel der CD Tilting at infinity…

  • Kann Musik überhaupt ihr letztes Geheimnis verraten?

    Da die Musik als abstrakteste aller Künste gilt, scheint der Versuch, die sie vertretenden Musen Euterpe und Erato erhaschen zu wollen, von vorneherein aussichtslos. Natürlich hat dies auch mit ihrer Flüchtigkeit in der Zeit zu tun – ein Kriterium, das allerdings auch auf andere „Kunstfertigkeiten“ wie Sprechen, Schauspiel und den Film zutrifft. In der Ethoslehre von Perikles‘…

  • Nah am wahren Tanz des Sonnenkönigs

    Vor gut fünfzehn Jahren nahmen sich Reinhard Goebel und seine Musica Antiqua Köln zusammen mit dem Regisseur Gérard Corbiau der passenden Klang(um)gebung für die mystische tänzerische Selbstinszenierung Ludwig XIV. als Mittelpunkt der Welt an. Die einschmeichelnd sanfte Musik vom einstigen Geigenwunder Jacques Cordier, von dem begnadeten „Amphion gleichen“ Sänger und Lieddichter Michel Lambert, seinem Schwiegersohn Jean-Baptiste Lully…

  • Aus einem Guß? Neoklassizistische mit indianischer Musik

    Durch seine Initiative lebte das majestätische alte Teatro Municipal von Rio de Janeiro erneut auf: Als Präsident der Stiftung, die dem gesamten Theaterspektrum der riesigen Metropole an der Copa Cabana gewidmet war, sorgte sich Edino Krieger nicht nur um dessen Wiedereröffnung mit  aktuellem Programm, sondern engagierte sich dank des von ihm ins Leben gerufenen Projekts Pro-Memus…

  • Der zweite Paganini

    Paganini war der Fixstern seiner frühen Laufbahn, aber nicht nur das: Nach einigen Jahren als Konzertmeister, anschließend als Kapellmeister am Lemberger Theater ging Karol Józef Lipiński nach Italien, nur zu dem Zweck, den bekanntesten europäischen Geiger seiner Zeit selbst zu hören – und freundete sich mit diesem in Mailand an, woraus gemeinsame Konzerte hervorgingen. Dabei kann Lipiński selbst als…

  • Ein unterschätzter Symphoniker

    In seinem Violinkonzert G-Dur op. 46 von 1904 sind Notenwertbeschleuniger eingebaut, ebenso wie im 2. und 4. Satz seiner 2. Symphonie A-Dur op. 7 Havet („Die See“) aus demselben Jahr: Der Kopenhagener Hakon Børresen (1876 – 1954), der väterlicherseits norwegische Wurzeln hatte, gilt zwar als Spätromantiker in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, doch lassen sich hier und…

  • Polonaise live in Weimar

    Ihren ersten Platz in der polnischen Tanzkultur bestreitet die Polonaise, die nicht nur zum offiziellen Konzert- und Festbetrieb, sondern auch zum besonders festlichen Rahmen einer jeden Abiturfeier gehört. Seit dem 16. Jahrhundert ist der populäre Schreittanz im Tanzlied bezeugt und findet sich in Lautentabulaturen ebenso wie in europäisch ausgerichteten Sammelwerken, etwa in Valentin Haußmanns Kompendium um 1600. Nach Michał Ogińskis Les…