• Reisen zum verborgenen Garten

    Mit dem Paukenschlag einer sehr individuell instrumentierten Orchesterkomposition meldete sich Brian Howard Mitte der 1970er Jahre im öffentlichen Konzertbetrieb erstmals deutlich zu Wort: Il tramonto della luna („Der Monduntergang“) sieht eine Besetzung mit deutlichem Klangübergewicht der tiefen Holz- und Blechbläser sowie der Flöten und des Schlagwerks vor. Der beginnenden Komponisten- und Dirigentenkarriere gingen Studien bei Peter Sculthorpe voran. Seine Teilnahme…

  • Vals de concierto

    Zur karibischen Gesamtregion im Bereich der Großen Antillen – also zusammen mit Jamaika, Kuba und Haiti – gehört der Inselstaat Puerto Rico, in dem gleichermaßen Spanisch wie Englisch gesprochen wird und wo der US-Dollar regiert. Einer der jüngsten Musikstile überhaupt, der Reggaetón, wurde hier geboren und wird durch namhafte Musiker wie Daddy Yankee, Tego Calderón…

  • Die Taktgeber

    Sucht man in Notenblättern etlicher vergangener Jahrhunderte nach probaten Taktgebern für Musiker, so fragt man sich, ob Geräte als Hilfsmittel tatsächlich notwendig waren – lediglich vom Anfängerunterricht abgesehen. Denn schließlich genügt bei der Ausführung schon das Klopfen mit dem Fuß, um bei schwierigerem Notentext „im Takt zu bleiben“. Darüber hinaus bietet ja die Literatur selbst…

  • Schum Davar ist sein Gegenteil

    Mit ihrem Programmtitel Schum Davar spielt die jüdisch-österreichische Schauspielerin, Regisseurin und mehrfache Preisträgerin Sandra Kreisler einmal auf die ursprüngliche Bedeutung Nichts an, was im Hinblick auf den Konzertabend aber mehr ein bescheidenes Achselzucken angesichts tatsächlich gewichtiger Themen verschlüsselt. Auf der anderen Seite galt Schum mit seiner anderen Bedeutung „Knoblauch“ im Mittelalter den jüdischen Gemeinden als…

  • Eine apollinische Wende

    Erfahrungen im Umgang mit Maschinen zur Klangerzeugung und -speicherung hatte Elżbieta Sikora bereits durch ein Studium der Tontechnik in Warschau erworben, bevor sie sich entschied, diese am IRCAM-Institut in Paris mit ihrer ursprünglichen Profession als Pianistin zu verbinden. Aus dieser Fusion entstanden im Anschluss an ein weiteres Kompositionsstudium in Warschau weit mehr elektronisch und auf Tonbandmanipulation basierte…

  • Im Kampf um die Hörer

    Aufmerksamkeit sollte bei einem Überblick auf zu erwartende Neuigkeiten weniger den kommenden Potpourri-Produktionen (auch wenn es sich um bedeutende Interpreten handelt) und den allzu großen Namen der Musik zugewendet werden, sondern dem bislang unerkundeten Terrain und Komponisten, die ein Nischendasein fristen. Denn im November und Dezember werden bei den um ihre Vormachtstellung kämpfenden Labels wiederum wenigstens…

  • Orchestrierung mit Schockpotenzial

    Zum Ende des 19. Jahrhunderts schossen in Brasilien Orchester, Musikvereine, Institute für Militärmusik und vor allem Konservatorien geradezu aus dem Boden, so dass die Komponisten der grupo renovación mit dem Gründungsdatum 1929 ein breites Betätigungsfeld im öffentlichen Musikleben finden konnten. Dazu gehörte auch die Opposition gegen einen vorherrschenden spätromantischen Nationalstil und die „Kavalierstour“ nach Europa,…

  • Superb elegante Klanggemälde

    Nicht nur rhythmisch präzise, von Anfang an mit vollem Einsatz und mit behutsamen Gesten dirigierte Hermes Helfricht, Pianist, Sänger und derzeit Zweiter Kapellmeister am Theater Erfurt, die voller Subtilitäten steckende Partitur einer weiter mustergültigen Carmen-Inszenierung. Dies zeichnete sich vor allem bei den allseits vertrauten „Publikumsschlagern“ ab, die nicht herausposaunt wurden, sondern in denen jedem Detail in der…

  • Erkundung der Blue Mountains

    Ähnlich wie ihre australische Kollegin Peggy Polias beschäftigte sich Josephine Truman im Zuge ihrer ungewöhnlichen Laufbahn als Vokalexpertin, Erzählerin am Instrument, Improvisationskünstlerin und Pianistin mit der alten Elementenlehre, genauer: dem Thema der vier Elemente. Ihre Uraufführung erlebten die Elements anlässlich einer Morgenmeditation in Hobarts Marienkathedrale. Ihre bevorzugte Besetzung mit elektroakustischen Instrumenten führte dazu, dass sie mit dem E-Gitarristen Lennie Marks…

  • Rund um das Fagott

    Als unmittelbarer Vorläufer aller Fagottinstrumente gilt wenigstens hierzulande der Dulzian. Abbildungen aus dem Italien des 16. Jahrhunderts zeigen acht statt sieben Grifflöcher – wie bei den frühesten so bezeichneten Fagotten üblich waren. Der Dulzian taucht erstmals in einer Schrift von Johannes Tinctoris 1486 unter dem Namen dulcina auf und erstaunlicherweise lebt eine Variante der alten Dulzaina aus der…