-
Die vielen Gesichter der leichteren Muse
Schafften es die bedeutendsten Komponisten der Operette in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vergessen zu machen, dass sich das Genre wesentlich aus den Gesängen zur Wiener Posse und zum Volkstheater nährte? Mit seinen Wurzeln im Stegreiftheater der Commedia dell’Arte und in der englischen Ballad Opera hatte es die Operette gerade in Franz Lehárs Jahren nicht leicht, sich im…
-
Christmas in Sydney – naturgemäß ohne Schnee
Mit einem massierten Aufgebot an Sängern, Orchestermusikern und der Royal Australian Navy Band unter Leitung von Leut David Coit erwartet die Stadthalle Sydney dieses Jahr seine festlich gestimmten Gäste zum Heiligen Abend. Dabei kommt neben der Sopranistin Jenny Bell auch die Harfenistin Karen Hickmott zum Einsatz, den glanzvollen Hintergrund bilden vier lokale Chöre einschließlich der Sänger des Orange-Konservatoriums…
-
Mit Abwechslungseffekt: Violinsonaten und ein schlafender Odysseus
In mehrfacher Hinsicht normabweichend erscheinen heute die Violinsonaten der bekanntesten Cembalistin und Komponistin des französischen Barock: Nicht alleine, dass sie aus vier bis neun Sätzen bestehen, sie enden noch dazu in der überwiegenden Zahl auf einem langsamen Satz wie Aria oder Adagio, während die Ecksätze der meisten in- und ausländischen Kollegen die schnelle Gangart vorlegen. Starre Muster…
-
Mendelssohns Gestik nachgespürt
Ein reines Programm aus deutschsprachigen Landen mag zwar manchem Konzertbesucher nicht gerade abwechslungsreich erscheinen, doch wurden dabei gestern am Theater Erfurt konträre Akzente gesetzt: die genial ausgeklügelte Zitat- und Allusionsküche Mahlers im zweiten Teil gegen vor allem für den Solopianisten „undankbare“, da technisch komplexe Orchesterwerke von Mozart und Mendelssohn. Eben das 1. Klavierkonzert in g-Moll op.…
-
Ein Fossil der Barockzeit?
Ein Brummbass, wie er auch von der historisch weit zurückreichenden Sackpfeife erzeugt wird, zeichnet verschiedene – daher so benannte – Borduninstrumente aus, darunter die Drehleier. Bordun bezeichnet einfach einen tiefen ausgehaltenen Ton als Begleitung zur Melodiestimme. Dabei handelt es sich um den Grundton einer Tonart oder die reine Quinte zu diesem, wobei auch beide zusammen gespielt werden können. Ein…
-
Keines Schattens Traum: ein unvergessener Saxophonist
In der heute dank entdeckter atlantischer Ölfelder wirtschaftlich florierenden Großstadt Macaé wurde 1851 der spätere Flötist und Saxophonist Viriato Figueira da Silva geboren. Nach Studien bei Joaquim da Silva Callado am Konservatorium von Rio de Janeiro „tingelte“ er als Flötist durch das Land, bis in den Norden hinauf. Eines seiner Engagements führte ihn mit dem Orchester des…
-
Fields finnoschwedisches Pendant
Stand er nur im Schatten seines eher geheimnisumwitterten Komponistenkollegen John Field? Dass er auch in den späteren Annalen der Musikhistorie anders als der sieben Jahre jüngere Pianist europaweit kaum genannt wurde, liegt wohl eher daran, dass er nicht wie dieser (mit dem Nocturne für das Klavier) eine eigene Gattung schuf, die sich einen überaus erfolgreichen Weg…
-
Pi ti wai kru
Animistische Vorstellungen in Verbindung mit dem Buddhismus prägten die klassische Musik zwischen Burma und Kambodscha. Dabei spielt der Dank an die Götter insbesondere für die Gabe des musischen Wissen eine große Rolle in der traditionellen Zeremonie Pi ti wai kru. Zu den klassischen „höfischen“ Genres in Aufführungen gehören Tempeltänze ebenso wie die lakhon genannten Tanzdramen. Fon…
-
Symphonischer Santa Claus im Anmarsch
Der Komponist, von dem hier die Rede ist, gilt als erster Amerikaner, der für großes Symphonieorchester schrieb und eine europäischen Maßstäben äquivalente Oper aus der Taufe hob. William Henry Fry (1813 – 1864), der aus Philadelphia stammte, zeigte jedoch wenig Interesse, die althergebrachten Genres jenseits des Atlantiks einfach zu kopieren, obwohl er eine Zeit lang von dort…