-
Matinee für La Calisto
„Ein kleines Welttheater mit 8 Figuren ohne Chor und großes Orchester“ – so nennt Samuel Bächli seine Bearbeitung der großen venezianischen Barockoper La Calisto von Fancesco Cavalli. Im Mittelpunkt stehen die Liebeskapriolen des Gottes Jupiter aus der antiken Literatur, die Bächli in seiner Inszenierung ernst, aber zugleich unterhaltsam auf die Studiobühne bringt.
-
Die Farben der Trompete
Moment, war das Rossini oder Beethoven? In Joana Mallwitz‘ Interpretation der rhythmisch hochdifferenzierten 7. Symphonie in A-Dur des letzteren pflanzte sich an diesem Donnerstagabend im Falle der Ecksätze der Eindruck des weit gespannten Stufencrescendo in die Gehörgänge ein – und das war bekanntlich eines der Markenzeichen des Opernmeisters aus Pesaro. Eigentlich ganz unklassisch … Sollte sich Beethoven hier ganz…
-
Virtuose aus Olinda
Den Werdegang des Musikers ** aus dem brasilianischen Bundesstaat Pernambuco kann man getrost mit der Entpuppung eines Schmetterlings vergleichen: War er als Gitarrist zunächst nur Begleiter, entwickelte er sich dank seiner intensiven Beschäftigung mit den in seiner Heimat enkulturierten Formen, die (auch) der Gitarre auf den Leib geschrieben waren, zu einem bedeutenden Solisten, der gleichermaßen Walzer,…
-
Noteneditoriale – und die Entwicklung geht weiter
Um 1960 begann es: Die ersten Musikcodierungssprachen wurden entwickelt. Für die Eingabe kamen drei Möglichkeiten in Gebrauch: entweder über die Tastatur des Computers, über eine mit dem PC verbundene Klaviatur oder durch die Einsetzung der (Noten-)Zeichen mit der Maus. Bei spezieller Musiksoftware kann man mit den Einspielungsdaten ein entsprechendes Notenbild generieren. Nicht erst seit heute gibt…
-
Farandole und Fricassée
Gegenüber der so genannten Flächenform, in der gleiche, echoartige oder ähnliche Motive hintereinander aufgereiht werden, bevorzugte man im Frankreich des 16. Jahrhunderts offenkundig die dreidimensionale Mischform, in der möglichst selbstständige Melodien im Sinne eines cantus firmus gleichzeitig erklingen sollten, das Fricassée.
-
Der Maroni-Fluss: Spender des Lebens … und des Kreativen
Wie in den Nachbarländern Suriname und Brasilien spielen auch an der äußeren Nordostkante Südamerikas seit langem aus Trommel(tanz)rhythmen entstandene Formen eine eminente Rolle. Selten sind echte, auf die ursprünglichen Siedler zurückgehenden Folkloreformationen wie die der Indios von Kalina. Weit vorne rangiert heute dagegen der Aléké, der in seiner jetzigen Ausprägung in den 1950er Jahren aufkam…
-
Böser Wald, gutes Dorf – oder umgekehrt?
Ein Musical in bester Weill-Brecht-Tradition, aber unter den Vorzeichen der Gegenwart: So präsentierte sich gestern die Erfurter Premiere von Thomas Zaufkes und Peter Lunds Grimm! Anders als beim möglichen Vorbild der Dreigroschenoper dominierte jedoch der komische Aspekt, wobei sich das pädagogische Ethos, „die Moral von der Geschicht’“, ebenso wie in den Brecht-Stücken durchgehend bemerkbar macht, nicht…
-
Tanzen im Quadrat
Dass die französische Contredanse mit einer Gegenbewegung der Schritte, wie auf den ersten Blick angenommen werden könnte, nichts zu tun hat, offenbart sich spätestens, wenn man seine Geschichte weiter zurückverfolgt. Vielmehr – und dies ist von Seiten des Kontinents eher ein seltener Rezeptionsfall – wurde der Begriff aus dem englischen Country Dance gebildet, womit im…
-
Als erste Amerikanerin erfolgreich mit Orchesterkonzerten
Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm: Der Gründer des berühmten Bostoner Männerchors Apollo Club, Benjamin Johnson Lang, wurde, was die eine Facette seines Wirkens, nämlich das Komponieren betrifft, von seiner ältesten Tochter beerbt. Margaret Ruthven Lang (1867 – 1972) zeigte besonders im Violinspiel eine besondere Begabung und studierte früh jenseits des Ozeans, bei Ludwig…
-
Cabbages and Kings
Geradezu besessen vom Werk Lewis Carrolls schuf Holly Harrison aus dem Figurenvorrat des fabulösen „Kinderromans“ Alice in Wonderland im Laufe der Jahre ein mit merkwürdigem Humor gewürztes musikalisches Charakterpanoptikum – wobei sie sowohl für Orchester- und Ensemblebesetzungen schrieb als auch Rockelemente (mit Vorliebe) einbezog.