Geradezu besessen vom Werk Lewis Carrolls schuf Holly Harrison aus dem Figurenvorrat des fabulösen „Kinderromans“ Alice in Wonderland im Laufe der Jahre ein mit merkwürdigem Humor gewürztes musikalisches Charakterpanoptikum – wobei sie sowohl für Orchester- und Ensemblebesetzungen schrieb als auch Rockelemente (mit Vorliebe) einbezog.

Harrisons Aufmerksamkeit galt bislang den Erzählungen von Hummer und Schildkrötensuppe, Kohlköpfen und Königen, oder klangbildgesättigten Titeln wie dem Frosch-Stomp (2015), der Zwitschertrommel (2014), Vibe Rant – dessen Benennung selbstverständlich auf das Vibraphon als teilnehmendes Instrument rekurriert – und einem gutgelaunten Brake Dance (2016).

Die im Westen von Sydney ansässige Künstlerin scheute trotz ihres partikularen Interesses an Alice‘ fantastischer Wunderwelt keinerlei akademische Karriere: Sie promovierte im Fach Creative Arts bei Bruce Crossman und John Encarnacao und lehrt derzeit selbst Komposition an der MLC-Akademie in Sydneys Stadtteil Burwood ebenso wie sie Lehraufträge an Universität von West-Sydney wahrnimmt. Ihre eigene musikpraktische Expertise liegt in der Perkussion, deren Part sie im Rock-Duo zusammen mit dem E-Gitarristen Joey Tabua vertritt. Die erste Aufnahme des kleinen Ensembles soll 2018 die Studios verlassen.

Als Ausführende debütierte Holly Harrison bereits auf einer CD des Labels Wirripang, wobei sie sich mit der Pianistin Antonietta Loffredo Stücken anderer KomponistInnen unter dem Sammelmotto Childhood in music widmete. Sie arbeitete erst vor kurzem mit dem Ensemble Offspring zusammen sowie im Five Elements Project des Enigma-Quartetts. Anlässlich der Aufführung ihres Concertino für Fagott und Streichquartett, das sie dem britischen Autor Matthew Kneale widmete, gewann sie erst im frisch vergangenen Jahr das Freedman Klassik-Stipendium. Anlässlich eines Kammermusikwettbewerbs trat sie mit einem ganz und gar Carrolls Roman zu verdankendem Stück mit dem Titel Red Queen, White Queen, Alice and All hervor.
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