• Baldachin am Berg

    Im Jakobszimmer der Churburg oberhalb Schluderns im Vinschgau steht die berühmte Baldachin-Orgel, ein nahezu singuläres Instrument aus der späten Renaissancezeit, das beinahe im Originalzustand erhalten werden konnte.

  • Praktisch erdacht, aber …

    Als schön klingend kann der Ton der Tanzmeistergeige wohl kaum bezeichnet werden, doch hat eine solche, dem pädagogischen Zweck unterworfene Normvariante der Violine ihre praktischen Vorteile: Wie der Name sagt, dient sie dem Spiel in der Tanzstunde, in der Technik unterscheidet sie sich prinzipiell nicht von ihrem Mutterinstrument. Hier sei erwähnt, dass Theodor Storm in seiner…

  • Gestohlene Zeitwerte

    Zeit wird abgezogen und (nicht immer wieder) dazugegeben: Als Möglichkeit im mehrstimmigen Musizieren breitete sich das Tempo rubato, abgeleitet von „rubamento“ wohl schon vor seiner theoretischen Beschreibung durch Ludovico Zacconi im Jahr 1592 aus; Temposchwankungen dieser Art innerhalb eines Stücks wurden  als Spielvorgabe wohl seit Ende des 16. Jahrhunderts gebunden vorgeschrieben.

  • Erfolgreicher Prototyp

    Ein Traum von Thanasis Polykandriotis war es, für Bouzouki und Symphonieorchester zu schreiben. Der lange gehegte Plan wurde Realität, als er 1996 sein erstes Konzert dieser Art im Herod Atticus Odeon von Athen dem Publikum vorstellen durfte. Das „Experiment“ glückte, die Verschmelzung der westeuropäischen, akademisch basierten Tradition mit den Klängen eines folkloristischen Instruments war gelungen, während es…

  • “ … at once became a queen“

    Am 20. November 1884 wies die Feuilleton-Kolumne der Evening News von Sydney auf ein bemerkenswertes Konzert des Vorabends hin. In ihm hatte Alice Charbonnet-Kellermann, die Pianistin und Leiterin einer neu begründeten Musikschule in der Phillip Street, eigene Stücke als auch ein Arrangement von Félicien Davids Desert aus Sicht des Kritikers so virtuos gespielt, dass der Kritiker sich dazu hinreißen…

  • Ausgewanderte Kreative

    Freiwillig oder nicht: Migration auf dem Gebiet des Komponierens ist in der Musik beinahe alltäglich, wenn nicht sogar konstitutives Phänomen. Conlon Nancarrow, der Meister des Walzenklaviers in der Postmoderne, wurde der Mitgliedschaft in einer radikalen Organisation verdächtigt und war deshalb gezwungen, in Mexiko – wenn auch nahe der Grenze zu den USA – einen neuen Hausstand…

  • Ode für Princeton

    Urania ist eine Sammlung von Psalmodien, Anthems und Hymnen, die aller Wahrscheinlichkeit nach 1761 von dem Presbyterianer James Lyon (1735 – 1794) für eine Aufführung in der erst neu erbauten Nassau Hall von Princeton zusammengestellt wurde und neben britischem Repertoire sechs seiner Originalwerke enthält. Lyon kam selbst aus Newark in New Jersey und war damit einer der ersten…

  • Aus der Bücherkiste (von morgen)

    Allzu häufig beschäftigte sich die Popularmusikforschung als Grenzgebiet zwischen Musikwissenschaft und (Europäischer) Ethnologie hierzulande noch nicht systematisch mit den Erscheinungsformen von Reggae und Dancehall. Dieses Verdienst ist nun Benjamin Burkharts Dissertation, die beim Waxmann Verlag erschien, zuzuschreiben.

  • Im Geist des Theaters

    Selbst ihre Kammermusikwerke atmen den Geist des Theaters: Der (Schauspiel-)Bühne galt Helen Gifford ästhetisches Denken Zeit ihres Musikerinnendaseins. Diese Orientierung färbte deutlich auf die intimeren Kammermusikwerke ab. Hier fallen besonders zwei Stücke aus verschiedenen Schaffensperioden der mit Melbourne nicht nur durch ihre Schulzeit und das Konservatoriumsstudium verbundenen späteren Komponistin „ins Ohr“.

  • Querbeet durch die Repertoires

    Ein zentraler Komponist Danzigs im 20. Jahrhundert war Henryk Jabłoński. Als junger Cellist wirkte er im Symphonieorchester der nicht nur wegen ihres Hanse-Seehafens berühmten Ostseestadt mit, bevor der hochbegabte Musiker die Leitung des Chors im Polytechnikum übernahm und in Folge denjenigen der Schiffstechniker dirigierte.