• War die Bucina ein Vorläufer der Posaune?

    Ist es naheliegend, einen Zusammenhang zwischen einer militärischen Signaltrompete, die die Römer seit der Antike gebrauchten, und einem Blasinstrument von Hirten über die Art des Signals herzustellen, wie dies der namhafte klassische Philologe Günther Wille tat? Das Auftauchen der Bezeichnung buccina oder buccinum in verschiedenen Quellen, etwa in einer späten Aussage von Isidor von Sevilla…

  • Für Frieden und Freiheit

    Selbst in der erst 1975 aufgegebenen Provinz Angola aufgewachsen engagierte sich Luís Cilía gegen den Krieg um die Kolonien und wirkte in Portugal selbst im Sinne eines Freiheitskämpfers, der Gewaltlosigkeit predigte. Er war einer der wenigen Musiker aus der afrikanischen Kolonie gewesen sein, die eine professionelle kunstmusikalische Ausbildung erfuhr.

  • Hellenen über dem Ozean

    Arbeitsame Begabungen kommen auch ohne Netzwerke aus: Eines Tages fand sich ein Geiger aus der nordwestgriechischen Provinz Epiros im Symphonieorchester von Indianapolis wieder, so geschehen etwa Dinos Constantinides.

  • Aus dem schottischen Hochland

    Von schottischen Höhen in die Tanzsäle der Biedermeierzeit: Die vermutlich lange Vorgeschichte zur Entstehung der Écossaise umfasst den langen Zeitraum mittelalterlicher gälischer Popularmusik, in dem Gesang und Tanz zu den Klängen des Dudelsacks Hand in Hand gingen. Ursprünglich handelte es sich um einen eher gemächlichen Schreittanz zahlreicher Teilnehmender in Kolonnenanordnung.

  • Thrill und Ironie

    Dem amerikanischen Musical-Komponisten Stephen Sondheim gelingt es sowohl dramaturgisch als auch musikalisch, in seinem Sweeney Todd die Waage zwischen Thrill und Ironie zu halten. Gerade dort, wo die an sich realistisch eingefädelte Handlung ins Absurde umkippen will, mehren sich die spaßigen Allusionen der Dialoge angesichts des blanken Horrors.

  • Im Wechselbad des 20. Jahrhunderts

    An der Grenze der Ukraine zur Republik Moldau, inmitten der vom Fluss Dnister geprägten Großlandschaft Podolien liegt die Stadt Mohyliw-Podilskyj, die unter anderem den russischen Physiker Jewgeni Sawoiski, in deren Getto unter tausend anderen Gefangenen auch der jüdisch-deutsche Schriftsteller Edgard Hilsenrath überlebte; seine Erlebnisse dort verarbeitete dieser in seinem zunächst in den USA erschienenen Roman Night.…

  • Blätterwald bringt Verborgenes zu Gehör

    Angesichts der weitgreifenden Digitalisierung der Medien und der künftigen Rohstoffsituation scheint es eher vermessen, auf gedruckte Neuerscheinungen aufmerksam zu machen – zu rechtfertigen allenfalls durch den Hinweis auf die eBooks, die zu einigen der Titel vorliegen oder im Sinne einer durchgreifenden Modernisierung öffentlicher Bibliotheken noch kommen werden.

  • Eine bahnbrechende Erfindung

    Nicht gerade täglich ist das Musiktheater Ort der künstlerischen Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlich-technischen Themen. Insofern ist Stewart Copelands Electric Saint, gestern zum wiederholten Male nach der englischsprachigen Weimarer Uraufführung am 5. September und noch zweimal in diesem Jahr am DNT zu sehen, ein solcher Ausnahmefall: Das Drama über den Kampf Nikola Teslas um die Durchsetzung des von ihm…

  • Tänze und Lieder aus Arnhem Land

    Noch einige Zeit vor dem Tasmanier Peter Sculthorpe erkundete die in Sydney aufgewachsene spätere Hochschullehrerin Mirrie Solomon die Klangkunst der Aborigines, auch wenn sie nach eigenen Worten diese in ihrem Werk nicht imitierte, sondern das spezifische Melos und besondere Merkmale der indigenen Musik auf der Basis erlernter europäischer Traditionen integrierte. Bekanntlich ging auch Sculthorpe von Genres westlicher…

  • Auf dem Prüfstand: Puccinis Version von „Manon Lescaut“

    Reduktion auf das scheinbar Wesentliche: Das Stichwort geistert seit mehr als 15 Jahren durch den Blätterwald des öffentlichen Diskurses. Auch der italienische Verismo, prominent vertreten durch Verdi und Puccini, tendierte in besonderem Maße dazu, Stoffe der Weltliteratur stark auf eine bestimmte Lesart zu verkürzen, wenn auch nicht ihrem Sinngehalt zu entfremden.