Kategorie: Wissenswert
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Vorgänger und Kollegen des „amerikanischen Mendelssohn“
Jenseits der im Nordamerika des 19. Jahrhunderts aufkommenden „Monster Concerts“ gab es simultan zu den Vertretern der europäischen spätklassischen Periode durchaus Komponist(inn)en, die nicht nur für symphonische Riesenevents sorgten, sondern verschiedenste Genres pflegten, etwa die Vorgänger des hochprofessionellen Pianisten, Klarinettisten und Dirigenten George Frederick Bristow (1825 – 1898), dessen Name gerne mit dem Etikett eines „amerikanischen Mendelssohn“ versehen…
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Puzzleteile formen ein Ganzes
Orm Finnendahls Versatzstücke für Klavier und Zuspielband aus dem Jahr 2014 beleuchten auf unterschiedliche Weise wie im Experiment das Verhältnis vom Individuum zur Maschine, zur Elektronik und umgekehrt, wobei verschiedene Techniken am Instrument unter Einbezug von Improvisation erprobt werden. Heterogenität bei Potpourris zum Beispiel bezeichnet etwas völlig Anderes: Hier werden Elemente aus unterschiedlichen Entstehungszusammenhängen mehr oder…
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Bildstarke Lyrik in Musik
Man braucht gar nicht zuerst die griechische Nationalhymne zu bemühen, die aus Dionysios Solomos‘ Poem An die Freiheit und seiner Vertonung durch den befreundeten Nikolaos Mantzaros von 1829 bis 1830 hervorging, um an in Musik gesetzte Lyrik – Poiimata – dieses bedeutenden griechischen Autors der Romantik zu erinnern.
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Macaus Klassikszenen: Von Ost bis West
Über die mitgebrachte westliche Kultur der ehemaligen portugiesischen Kolonie hinaus entfaltet Macaus Musikleben dank seines symphonischen Orchesters einen weiten Wirkungsradius am Rande Chinas. Vice versa besuchen wegen vorhandener guter Spielmöglichkeiten europäische Formationen Macau; unter vielen anderen war die renommierte Academy of St.-Martin-in-the-Fields im März 2016 mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 25 C-Dur und Bizets C-Dur-Symphonie dort zu Gast;…
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Kann der einzelne Ton schon Motivkern sein?
Bezeichnete Hugo Riemann das Motiv als ein Melodiebruchstück und „kleinste Einheit von selbstständiger Ausdrucksbedeutung“ in auftaktiger Folge, schränkte er damit seine Erscheinungsform deutlich ein, während andere Bestimmungsversuche weiter gefasst waren. Es ist ja genauso plausibel, wenn sich das Motiv eines Werks der Moderne mitten im Satz versteckt. Heute noch verwendbar ist dagegen Riemanns allgemeinere Benennung eines „musikalisch…
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Piano – bravissimo: Zwischen Jamaika und den Grenadinen
Neben Wim Statius Muller ist wohl Paul Shaw einer der populärsten lebenden Pianisten klassischer Provenienz aus der Karibik; der Jamaikaner gewann schon mit sechzehn Jahren den größten Musikwettbewerb der Insel und erhielt nach Studienjahren dort und auf den von Frankreich regierten Inseln auch die Möglichkeit, sich an der Juilliard School zu vervollkommnen. Der Pianist mit afrikanischen Wurzeln,…
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Im Gleichtakt der Klangwelten
Diachrone Aspekte von Musik müssen dort in den Hintergrund rücken, wo es darum geht, die Fülle gleichzeitig existierender Genres und Formen darzustellen. Eben dieses Konzept passt sehr gut zur Präsentation des „ultimativ Möglichen“ – wie es auf ein nahezu kontinentales Land wie Brasilien zutrifft. Dessen bloße Größe lässt ohnehin vermuten, dass Klangkulturen vorhanden sind, die miteinander…
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Kuriosum „aus Holbergs Zeit“
Natürlich gab es Zupfinstrumente wie die Laute lange vor der Ära Purcells und Pachelbels, doch entstanden gerade in der Zeit zwischen 1660 und 1720 etliche kreative, auch verschnörkelte Varianten, zu verdanken nicht zuletzt des weltoffenen Kulturverständnisses dieser Periode. Der erfahrene Instrumentenbauer Dieter Schossig kennt zahlreiche Bauarten der Laute aus früher Neuzeit, die er gerade für Musiker/innen…
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Verblasste Spuren: Antrieb für die Forschung
Wie die vieler Tonsetzer verlieren sich die Spuren des Renaissancekomponisten Walentyn Gawara-Gutek nahezu im Dunkel der Geschichte – was freilich immer die Hoffnung impliziert, dass seine Werke wiederentdeckt und mehr Gesichertes über sein künstlerisches Leben zum Vorschein kommt.
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Machen Tiere Musik?
Geht man von den heute zur wissenschaftlichen Fachdisziplin geronnenen Human Animal Studies aus, so fallen manchem vielleicht Friedrich von Hauseggers Thesen zum Ursprung von Musik aus dem Jahr 1885 ein: Danach hat sowohl menschliche Musik als auch tierische Lautentäußerung die gemeinsame Wurzel in Stimmungen. Freilich attestiert der Berufsjurist und gleichermaßen seinerzeit professionelle Musiktheoretiker Hausegger nur dem Lebewesen…