Neben Wim Statius Muller ist wohl Paul Shaw einer der populärsten lebenden Pianisten klassischer Provenienz aus der Karibik; der Jamaikaner gewann schon mit sechzehn Jahren den größten Musikwettbewerb der Insel und erhielt nach Studienjahren dort und auf den von Frankreich regierten Inseln auch die Möglichkeit, sich an der Juilliard School zu vervollkommnen. Der Pianist mit afrikanischen Wurzeln, dem international ein besonders einfühlsames Spiel bescheinigt wird, tourt mit vollem Konzertkalender insbesondere durch die USA, wo er mit etlichen Orchestern, etwa den Brooklyn und Rochester Philharmonic zusammengearbeitet hat.

Kendol Bacchus kommt ursprünglich von St. Vincent und den Grenadinen, wo er mit vielerlei Musik in Berührung kam, sowohl mit Klassik als auch Popstilen, Jazz und den Genre, die von den indischen Eingewanderten mitgebracht worden waren. Seine Ausbildung erhielt der Pianist unter anderem in London und in den USA auf einer Hochschule für Gesang, wo er auch Chorleitung studierte, während er gleichzeitig ein Biologiestudium absolvierte. Seine große Vielseitigkeit führte ihn von den westindischen Inseln für viele Jahre nach Südkorea, wo er sein Spiel verfeinerte und sich verschiedenen Künsten widmete.

Wie Paul Shaw stammt auch Orrett Rhoden von Jamaicas Hauptstadt Kingston. Mit zwölf Jahren schon gewann er für sein Klavierspiel einen Pokal und studierte später unter anderem bei Rosalyn Tureck; seine legendäre Aufführung von Tschaikowskys Klavierkonzert im Jahr 1984 mit dem London Symphony Orchestra zog Tourneen in der ganzen Welt nach sich, etwa nach Kanada, Frankreich, Mexiko und Polen. Eine weitere große Persönlichkeit am Klavier ist William Chapman Nyaho. Als US-Amerikaner ghanaischer Herkunft tritt er gerne in der Karibik auf, wo er über die Jahre zahlreiche Konzerte gab; außer in Australien trat er bislang in allen Kontinenten auf. Mit seiner Duo-Partnerin Susanna García nahm er ein erfolgreiches Album mit Transkriptionen für zwei Klaviere von Aaron Copland auf.
Review: Karibisches Klassik-Symposium Puerto Rico am 18.4.2019