Kategorie: Reviews
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Pentatonicophilia
Wahlaustralier Julian Yu kam nach seinem Studium in Peking und Tokyo und mehreren Jahren akademischen Unterrichts als Dozent am Pekinger Musikkonservatorium Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Säkulums an die Griffith University von Queensland.
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Brioschis Rezeptur
Nach allem, was wir über die frühen Jahre einer im klassischen Sinn mustergültigen Symphonie für orchestrale Besetzung wissen, darf hier eine Annahme gewagt werden. Wie bekannt schufen die Komponisten der Opera buffa, allen voran Giovanni Battista Pergolesi, die Voraussetzungen: Der konzertante Stil wird in der ein Musikdrama einleitenden Sinfonia an den Rand gedrängt, die Streicher treten…
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Ein „schriller“ Feierabendjob
Wie verschieden kompositorische Experimente in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausfallen konnten, zeigte eindrucksvoll die Pianistin Dika Newlin unter anderem durch ihre einigermaßen unkonventionelle nebenberufliche „Mutation“ zur Punkrock-Sängerin. Die Schönberg-Schülerin, die später eine Biographie über ihren Lehrer schreiben sollte, ging in den 1950er Jahren nach Studienjahren an der Columbia University, nach Maryland, dann an die…
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Drei Säkula
Auf manche Hörer/innen mag die Kammer- und Konzertmusik des Veronesers und Münchner Leiters der Hofkapelle Evaristo Felice Dall’Abaco ein wenig sperrig und verrätselt spätbarock wirken, anders naturgemäß die Musik seines Sohns Giuseppe Clemente (1710 – 1805). Eine interessante Entdeckung sind die bisher selten aufgeführten Cello-Sonaten des in Brüssel geborenen und am Ende seines Lebens in…
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Denk-„Raum für Entwicklung“
Kurz vor der Jahrtausendwende liegen Roxanne Della-Boscas vorerst produktivste Jahre als angehende Komponistin. Die ebenso als Pianistin ausgebildete und vielfach aktive Musikerin studierte an der University of Western Australia ebenso wie am Konservatorium zu Sydney und promovierte auf der Basis ihrer Selbstbeobachtung 2013 als Musikschaffende zu einem interdisziplinären Thema in Verbindung mit den Neurowissenschaften: Welche…
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Beethovens ferner Zeitgenosse – aufschreckend modern
Diese Chance hätten sicher die meisten Komponist(inn)en seit dem Aufstieg der westlichen Kunstmusik gerne genutzt: in ärmlichen Verhältnissen geboren in die Obhut eines wohlhabenden Oheims zu kommen und dessen Firmenerbe anzutreten. Vielleicht hätten sich aber nicht alle vom kompletten Verlust dieses Vermögens wieder aufgerappelt wie der 1781 im böhmischen Dorf Schönbüchel zur Welt gekommene Anton Philipp Heinrich, der…
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Durch den Spiegel: Ein vielfach gebrochenes Prisma
Er gehört der zweiten Generation der Begründer einer der zahlreichen europäischen elektroakustischen Schulen in Warschau an und schließt sich in den ersten Kompositionsjahren an seinen namhaften Lehrer Włodzimierz Kotoński an: Paweł Szymański nahm wie dieser an den Darmstädter Ferienkursen, dem in Europa zentralen Forum für zeitgenössische Musik teil, zwischen 1978 und 1982 gar dreimal und machte 2007…
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Was (in der Kunst) die Wirklichkeit entlarvt
Die häufig als Gesamtmotto von Puschkins Märchen vom Zaren Saltan verstandene Sentenz Denn in Märchen wird zur Weisheit, was der Wahrheit scheinbar spottet lässt sich natürlich vortrefflich auf die dargestellte, von den Untertanen keineswegs als gerecht wahrgenommene Zarenzeit anwenden: Der sei es erfahrene oder erdachte Despotismus und die Intrige am Hof bilden schließlich die handlungsstiftende Folie der…
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Sternenfunkeln: Natur aus Tönen
Wie simultan erlebend erfasst der Konzertbesucher das phosphoreszierende Sternenflimmern und -gefunkel in dem ausgedehnten Stück Verlängerung der Nächte für 21 Streicher, das bei einem zentralen baltischen Wettbewerb als bestes Kammermusikwerk ausgezeichnet wurde. Die Komponistin ist die 1982 in Vilnius geborene Justė Janulytė; sie studierte bei Bronius Kutavičius und Osvaldas Balakauskas an der Litauischen Akademie für Musik…
