Kategorie: Reviews
-
Te Ahua, Te Atarangi: Bild vom Morgenhimmel
Die Komponistin Gillian Whitehead hatte lange eine Ausnahmestellung inne. Mit einer Maori-Familie im Hintergrund und unter wenigen weiblichen Fachkollegen war es um 1971 eine kleine Sensation, dass sie für ihr Streichquartett Te Ahua, Te Atarangi (1970) den 1. Preis beim neuseeländischen Kammermusikwettbewerb erhielt. Gerade auf diesem Gebiet ließ sie zahlreiche weitere Werke folgen: One (1979) besetzte sie…
-
Mme. Dumont und M. Farrenc
Genau genommen müsste man sie auch unter ihrem Mädchennamen Jeanne-Louise Dumont zur Kenntnis nehmen: Frankreichs bedeutendste Komponistin der Frühromantik, Louise Farrenc (1804 – 1875), führte wie ihre Musik schreibenden Zeitgenossinnen ein Schaffensdasein am Rand, auch wenn im Zuge der französischen Revolution einsetzende Emanzipationsbewegungen im Land westlich des Rheins wenigstens ideell zu greifen begannen und Frauen…
-
Pentatonicophilia
Wahlaustralier Julian Yu kam nach seinem Studium in Peking und Tokyo und mehreren Jahren akademischen Unterrichts als Dozent am Pekinger Musikkonservatorium Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Säkulums an die Griffith University von Queensland.
-
Brioschis Rezeptur
Nach allem, was wir über die frühen Jahre einer im klassischen Sinn mustergültigen Symphonie für orchestrale Besetzung wissen, darf hier eine Annahme gewagt werden. Wie bekannt schufen die Komponisten der Opera buffa, allen voran Giovanni Battista Pergolesi, die Voraussetzungen: Der konzertante Stil wird in der ein Musikdrama einleitenden Sinfonia an den Rand gedrängt, die Streicher treten…
-
Ein „schriller“ Feierabendjob
Wie verschieden kompositorische Experimente in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausfallen konnten, zeigte eindrucksvoll die Pianistin Dika Newlin unter anderem durch ihre einigermaßen unkonventionelle nebenberufliche „Mutation“ zur Punkrock-Sängerin. Die Schönberg-Schülerin, die später eine Biographie über ihren Lehrer schreiben sollte, ging in den 1950er Jahren nach Studienjahren an der Columbia University, nach Maryland, dann an die…
-
Drei Säkula
Auf manche Hörer/innen mag die Kammer- und Konzertmusik des Veronesers und Münchner Leiters der Hofkapelle Evaristo Felice Dall’Abaco ein wenig sperrig und verrätselt spätbarock wirken, anders naturgemäß die Musik seines Sohns Giuseppe Clemente (1710 – 1805). Eine interessante Entdeckung sind die bisher selten aufgeführten Cello-Sonaten des in Brüssel geborenen und am Ende seines Lebens in…
-
Denk-„Raum für Entwicklung“
Kurz vor der Jahrtausendwende liegen Roxanne Della-Boscas vorerst produktivste Jahre als angehende Komponistin. Die ebenso als Pianistin ausgebildete und vielfach aktive Musikerin studierte an der University of Western Australia ebenso wie am Konservatorium zu Sydney und promovierte auf der Basis ihrer Selbstbeobachtung 2013 als Musikschaffende zu einem interdisziplinären Thema in Verbindung mit den Neurowissenschaften: Welche…
-
Beethovens ferner Zeitgenosse – aufschreckend modern
Diese Chance hätten sicher die meisten Komponist(inn)en seit dem Aufstieg der westlichen Kunstmusik gerne genutzt: in ärmlichen Verhältnissen geboren in die Obhut eines wohlhabenden Oheims zu kommen und dessen Firmenerbe anzutreten. Vielleicht hätten sich aber nicht alle vom kompletten Verlust dieses Vermögens wieder aufgerappelt wie der 1781 im böhmischen Dorf Schönbüchel zur Welt gekommene Anton Philipp Heinrich, der…
