Wie simultan erlebend erfasst der Konzertbesucher das phosphoreszierende Sternenflimmern und -gefunkel in dem ausgedehnten Stück Verlängerung der Nächte für 21 Streicher, das bei einem zentralen baltischen Wettbewerb als bestes Kammermusikwerk ausgezeichnet wurde. Die Komponistin ist die 1982 in Vilnius geborene Justė Janulytė; sie studierte bei Bronius Kutavičius und Osvaldas Balakauskas an der Litauischen Akademie für Musik und Theater, in Mailand am Konservatorium Giuseppe Verdi mit Alessandro Solbiati und sich in Meisterklassen, bei Luca Francesconi und Helena Tulve perfektionierte.

Dabei waren die von Justė Janulytės bevorzugten Themen, die an Naturbeobachtung und symbolhaften Gegenständen haften, schon früher angelegt; so schrieb sie 2006 Silence of the Falling Snow, 2012 Observation of Clouds. Die Manifestationen ihrer Ideen schlüpfen sozusagen nach und nach, wie sich der Schmetterling aus der Raupe entpuppt.

Für das 2008 entstandene Orchesterwerk Textile wurde sie ebenso prämiert wie 2010 für Sandglasses. An einen unwesentlich früher von Else Marie Pade komponierten Zyklus erinnern dem Motiv nach ihre Aquarelle aus dem Jahr 2009. Janulytės eindrückliche Umsetzung des Sicht- und Fühlbaren in mal kristallinen Tönen, mal polyphonem Feuerwerk gelangte bereits vielerorts in Europa, Nordamerika und Australien zur Aufführung.