• Aus dem Rahmen gefallen

    Nicht erst das 5. Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns in F-Dur mit seiner ägyptischen  Einfärbung sorgte – Anfang Mai 1896 – für Überraschung und Begeisterung beim Pariser Publikum. Das Konzert war anlässlich einer Nilreise in Luxor erdacht worden, worauf zuerst eine abfallende arabische Tonleiter und das im zweiten Thema des Eingangssatzes eingebaute nubische Liebeslied deutlich verweisen. In fernöstliche Welten entführt…

  • Würde und Ausgelassenheit

    An der Schwelle zur Barockzeit bezeichnete man nicht nur einen speziellen, sondern nahezu alle Tänze, bei denen nicht gehüpft und gesprungen werden musste, als „niedere Tänze“, basses danses; demnach hat der Begriff nichts mit einer etwaigen Herkunft von Schichten unterhalb des Hofes zu tun – das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Obgleich der ursprünglich so…

  • «En suite» und darüber hinaus

    In der gedanklichen Tiefe der harmonischen Strukturgebung und was den melodischen Einfallsreichtum betrifft, steht Jan Dismas Zelenkas Suite in F-Dur den vier quasi gleichzeitig entstandenen Ouvertüren J.S. Bachs für Orchester – nämlich um 1723 herum – in nichts nach. Dies konnte Samuel Bächli mit dem Philharmonischen Orchester Erfurt am Donnerstagabend erneut verdeutlichen, nachdem seit einem Hype in…

  • Wie klingen wettergegerbte Kassettenbänder?

    Wer hätte gedacht, dass sich die dadaistische Bewegung als Sprachrohr der Sprachlosen nach dem sinnleeren Ersten Weltkrieg gerade heute wieder auf offene transatlantische Ohren trifft? Hans Tammen präsentiert am kommenden Freitag um 19 Uhr im New Yorker Spectrum NYC Wortverdrehkünste neben Dada-Projekten von Repräsentanten der Musikszenen, Louie Terrier und Kevin Ramsay treffen dabei auf Sarah…

  • Aquarium der Ideen

    Auch wenn man Larry Sitsky, dem renommierten Musikwissenschaftler und profunden Kenner Ferruccio Busonis sowie der gesamten Musikszene Australiens folgt, erscheint der 1975 geborene Matthew Shlomowitz als Hai im Goldfischaquarium. Deirdre’s Threat, sein Stück für Violine und Klavier aus dem Jahr 2000, erschien Sitsky aufgrund der speziellen zusätzlichen mikrotonalen Notation und der unkonventionellen Spielanweisungen von „reserviert“…

  • Unter erschwerten Bedingungen

    Sänger von der nicht nur durch Wirbelstürme heftig gebeutelten Gewürzinsel Grenada kommen regelmäßig zum Karneval nach Trinidad und Tobago. Für die Musiker von der bis heute britisch verwalteten „Insel über dem Wind“ ist es bis Port of Spain schließlich „nur“ ein Katzensprung von nicht einmal 160 Seekilometern. Wie andernorts im südöstlichen, nicht weit von der…

  • Neben der Rolle?

    Was wir heute unter Slapstick verstehen, könnte man auch als „chaplinesk“ bezeichnen, denn Charles Spencer Chaplin ist bis zum heutigen Tag Inbegriff dieser Spielform des Komischen, da er mit seinem sehr individualistischen Typus des leidenden und gegen Ungerechtigkeit kämpfenden Tramps weder eine Schule begründet noch Nachahmer gefunden hat, die den Versuch unternommen hätten, sei es…

  • Frisch poliert oder auf den Punkt gebracht?

    Im noch jungen neuen Jahr wartet ein bekannter Musikverlag in Kassel unter dem Motto Haute-contre mit zwei Bänden Tenorarien und Klavierauszug aus Jean-Philippe Rameaus Opernschaffen ebenso auf wie mit einer kritischen Neuedition von Dvořáks Dumky-Trio. Als weniger spektakulär darf hingegen die aktuelle Ausgabe von Beethovens 1. Klavierkonzert bezeichnet werden, als bemerkenswert die von Andreas Friesenhagen vorgelegte Urtextedition von…

  • „Typisch mittlerer Westen“?

    Die Komponistin Ruth Wylie (1916 – 1989), deren Geburtstag sich damit in diesem Jahr am 24. Juni zum 100. Mal jährt, stellte ihren trockenen und daher zündenden Humor gerne in knappen Statements unter Beweis. In einem ihrer Bonmots geht aus der Anerkennung New Yorks als kreativer Künstlerhochburg auch hervor, dass andere Regionen des weitläufigen Landes sich dahinter…

  • Am Anfang waren … Flöte, Tuba und Bratsche

    Kaum ein Komponist hat sich in Brasilien bislang mehr für die musikalische Entwicklung seines Heimatstaates eingesetzt: Bahías aktuelle progressive Klangkulturen sind ohne Jamary Oliveiras spielfreudige Experimente kaum denkbar. Seit dem Ende der 1960er Jahre widmete sich der studierte Flötist, Bratschist und Tubist aus Saúde mit Vorliebe Zwölftonverfahren und so genannter aleatorischer Musik. Dabei deutete die ungewöhnliche Wahl des erlernten Instrumentariums schon auf…