• Von Maoris und Lilburns Nachfolge

    Die Blechblasbewegung ist ein Sonderphänomen der europäischen Besiedlung Neuseelands seit dem 19. Jahrhundert. Sie hat ihre Wurzeln in den Militärkapellen der britischen Truppen, die hier stationiert waren. Mittlerweile nehmen aber viele Komponisten mit klassischer „weißer“ Ausbildung Bezug auf die Musik der Maori, die den anderen und ursprünglichen Teil der neuseeländischen Gesellschaft ausmachen, oder lassen sich…

  • Rumba & Co. in der Symphonie?

    Mögen viele Standardtänze aus dem 20. Jahrhundert tief in die Geschichte afrikanischer und indianischer Stammesriten hinabreichen, so sind sie in ihrer heutigen Form doch jünger als manche(r) annehmen möchte. Der schwarz-kubanische Rumba beispielsweise kam erst etwa 1914 in New York auf, seine Varianten Mambo und Cha-Cha-Cha erst etliche Jahre später. Kuba war letztlich auch die Wiege des Salsa, lange, nachdem Ende…

  • Zwischen Zirkus, Vaudeville und Oper

    Zu ihren ohnehin bedeutenden Verdiensten für die Musik in Australien kommt, dass die Komponistin mit ungarischen Wurzeln vor sieben Jahren mit Musique Art die erste und einzige boulevardläufige Zeitschrift für den klassischen Sektor begründete. Damit nicht genug stiftete Chloe Charody durch ReachOut ein ebenso singuläres Bildungsprogramm, das Menschen in entlegenen Regionen des fünften Kontinents mit Kunstmusik vertraut machen soll. Diese…

  • Echos, Perspektivwechsel, Avantgarde

    Genau genommen relativiert sich der Neuigkeitswert eines Forschungsbeitrags, wenn man bedenkt, dass manche Fachartikel bis zu zwei Jahre bei den Redaktionen in der Warteschleife schlummern, bis sie ans Tageslicht der Öffentlichkeit kommen. Allerdings ist es in Wissenschaftsredaktionen üblich, dass dem inhaltlich zu 100% selbstverantwortlichen Autor eine Aktualisierung eines nicht mehr ganz so aktuellen Aufsatzes nahegelegt wird. Natürlich…

  • Shakespeares Sonne und Midoris Melos

    Mit Fingerspitzengefühl und Geschick setzt das Theater Erfurt auch für die kommende Saison 2016/2017 nicht wie manch anderes Haus auf Motti oder eine breitere Spartendiversifizierung, sondern auf Abwechslung und Publikumsmagneten. Lediglich das Thema „Liebe“ schwebt nun verbindend über dem Gesamtprogramm: Das Shakespeare-Jahr geht mit vier Versionen von Romeo und Julia in die Verlängerung. Los geht es am 15. Oktober…

  • Nur für die Tastenkunst?

    Angesichts der unüberschaubaren Menge an Wieder- und Neuentdeckungen barocker KomponistInnen seit den Anfangsjahren der Alte-Musik-Bewegung kann schon so manches Jubiläum unbeachtet an einem vorübergehen. Manchmal lohnt es sich aber nur en passant einen Blick in einen Prominentenkalender geworfen zu haben. Zum 400. Mal jährt sich nämlich heute der Geburtstag eines Stuttgarter Kapellmeistersohns, dessen Kindheit vom Dreißigjährigen…

  • Palo de Mayo: der Maibaum in Nicaragua

    Auf der anderen Seite der zum Pazifik hinneigenden nicaraguanischen Hauptstadt Managua liegt in nordöstlicher Richtung das Zentrum Puerto Cabezas. Landeinwärts befindet sich im südlichen Teil, der Región Autónoma del Atlántico Sur, die Metropole Bluefields. Die beiden Städte im ansonsten dünner besiedelten westkaribischen Gebiet leben, wenn es um Musikkulturen geht, von der weit verbreiteten Traditon des Palo de Mayo: US-amerikanische…

  • Alle Hörer im Fokus – mittels 180°-Drehung

    Beinahe bekannter als das große Symphonieorchester des Bundesstaats Ohio ist sein nächtliches Pendant: Das Cincinnati Pops Orchestra wurde 1977 gegründet und sah seither zahlreiche international bekannte Gäste: neben Ella Fitzgerald auch Frederica von Stade und Dave Brubeck. Es dürfte sich um eine der wenigen großen Formationen handeln, die infolge von bislang mehr als hundert in…

  • Die Geschicke der Barkarole

    Seit der historisch grundlegenden Studie über das venezianische Gondellied von Herbert Schneider in der Sammelstudie L’opera tra Venezia e Parigi aus dem Jahr 1988 hat sich die Musikforschung der Barkarole nur stiefmütterlich angenommen. Dies verwundert ein wenig, wenn man sich die andauernd lange hohe Popularität dieser sowohl vokalen als auch instrumental genutzten Gattung im 6/8-Takt vor Augen hält:…

  • Dem Geburtstag zuliebe?

    Nicht eben planlos scheint die nach bemerkenswerten Schubert- und Chopinrecitals erfolgte Neuausrichtung der russischen Pianistin Olga Scheps in diesem Jahr: In Kürze, am 17. Mai nämlich, jährt sich Erik Saties Geburtstag zum 150. Mal – Grund genug für zahlreiche Sonderkonzerte und Ausstellungen europaweit, denn der Jubilar gilt vielen bis heute als exzentrische Ausnahmeerscheinung sowohl im Leben…