• Zu Suomis Mittsommer

    Die Tatsache, dass in Skandinavien folkloristische Musik bereits seit dem 16. Jahrhundert notiert wurde, vermittelt einen Eindruck vom Alter gerade weltlicher Lied- und Instrumentalkunst im nordeuropäischen Archipel. Die Erforschung und fortgeführte Praxis der „Runen“ im finnisch-samischen Raum führt zurück auf eine nicht-tonale, in erster Linie in pentatonischen Tonleitern ausgeführte Vokalkunst, die sich häufig auf die…

  • Antigua – ein halbes Millennium Klassik

    Der Name Guatemalas basiert mit großer Sicherheit auf dem toltekischen Wort für „Land der Bäume“; nur durch einen relativ schmalen Streifen im Osten ist es an die Inselwelt der Karibik angeschlossen. Außer im benachbarten Belize sind vor allem hier Elemente afroamerikanischer Kultur auf Schritt und Tritt vorzufinden. Besonders aus der religiösen Praxis kennt man Frage-Antwort-Gesänge, pentatonische Melodien und eine polyrhythmische…

  • Cello allround

    Das Konzert für Violoncello und Blasorchester von Friedrich Gulda stand in mehrfacher Hinsicht im Zentrum des gestrigen elften und letzten Symphoniekonzerts der Spielzeit 2015/16 am Theater Erfurt. Joana Mallwitz stand für die pfiffige Programmkonstellation aus Werken Bernsteins, Guldas und Strawinskys nicht nur höchstpersönlich am Pult, sondern gab dem Publikum auch eine komprimierte Vorstellung von ihren…

  • Lautenspiel und Liedmuster

    Lassen sich Verbindungslinien von der maurischen Zeit Portugals zur Praxis des Fado, wie ihn zum Beispiel Misia heute repräsentiert, ziehen? Oder gibt es konkrete Anhaltspunkte dafür, dass das so genannte Maqam-Prinzip, ein bestimmter Spielmodus der klassischen arabischen Musik, einst im Südwesten Europas Fuß fasste? Leider verliert sich die Historie der Musikpflege vor der Gründung des Königreichs Portugal dort…

  • Naturklangstudien, Enharmonik, Bitonalität

    Hinter etlichen KomponistInnen ihrer Zeit stand Phyllis Campbell wohl nur deshalb zurück, weil sie wegen ihrer theosophischen Anhängerschaft vom Publikum und der Presse „außerhalb“ nicht so recht wahrgenommen wurde. Die Verwendung des von Skrjabin eingeführten „mystischen“ Akkords im Zusammenhang mit der kosmischen Idee und Ästhetik ihres Zirkels und die Neigung zu einer nicht von Quintverwandtschaften abhängigen Mischung…

  • Was auf keiner Speisekarte steht

    Auf ein Wort zum Thema Gastronomie oder Kultur bei knappen Kassen in Privathaushalten: In bestimmten Schwellenländern verzichtet man lieber auf das eine oder andere Mittagessen, um sich ein Eintrittsticket ins Stadion leisten zu können. Wie wäre es, wenn ähnliches auch einmal von einem Konzert gesagt werden könnte? Handelt es sich um eine Benefizveranstaltung im prosperierenden D-Land, ist der eine…

  • Schwirrender Mikrokosmos

    Dass Otto Jonas Lindblad neben Jacob Axel Josephson und Johan August Söderman als „der“ prominente Komponist von Klavierkammermusik in Schweden gilt, verdeckt eine leicht zu übersehende Tatsache: Alle drei förderten vor allem mehr und weniger in persönlicher Absicht die nationalromantische Bewegung. Diese Ausrichtung fand in zahlreichen folkloristisch gefärbten Liedern sowie Chor- und Musiktheaterwerken mit häufig patriotischer Couleur ihren…

  • Sammlung verschiedener Dinge

    Die eher unterschätzte Liedform der Frottola gilt als Vorläuferin des Madrigals und verarbeitet in ihren Texten diverse Themen rund um die Liebe, weshalb die Abstammung vom mittellateinischen frocta mit der Bedeutung „Auswahl verschiedener Dinge“ als ziemlich sicher behauptet werden kann. Ihrerseits folgt sie jedenfalls der literarischen Stellung nach auf die Ballata, einer im Mittelalter gängigen Untergattung des Lieds. Sie…

  • Tendenz zum Parallelkunstwerk

    Am 14. April fiel der Startschuss in den deutschen Kinos, Sektkorken und Popcorn knallten zur Erstaufführung. Und gleichzeitig war John Debneys Soundtrack zum „neugeborenen“ 3D – Jungle Book von Jon Favreau auf Tonträger verfügbar. Das Bemerkenswerte hierbei ist, dass die Abfolge der vokalen und rein instrumentalen Stücke zwar in etwa dem Nummernschema der alten Zeichentrickversion von 1967 folgt,…

  • R(h)eine Magie

    Als sich um die Jahre des Hambacher Fests und der Proteste gegen die Fürstenstaaten studierende Literaten mit romantischem Lebensgefühl dem Rhein zuwandten, teilte bald auch Felix Mendelssohn-Bartholdy ihre Neigung: Er wählte den großen mitteleuropäischen Strom zur Befahrung für seine Hochzeitsreise. Die Mischung aus vermuteten Gefahren, die mit Strudeln, unberechenbarer Strömung und Felsen zusammenhingen, der außerordentlichen Vielzahl von…