• Im Innersten des Rhythmus

    Originalität war nach dem Urteil zeitgenössischer Kollegen nicht die erste Tugend von Johannes Brahms. In puncto flexibler harmonischer und ökonomischer Gestaltung waren dem gebürtigen Hamburger allerdings hohe Professionalität und Individualität kaum abzusprechen. In seiner 3. Symphonie F-Dur von 1883, die großen Teils in Wiesbaden und am Rhein entstanden war, bewies der von Heinz Becker als Experte für…

  • Wenn der erste Eindruck der beste ist

    Eine Zeitlang begleitete ein Wunderkind aus Porto den um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem amerikanischen Kontinent populären kubanischen Geiger José White Lafitte. Bis dahin hatte er als Kammermusiker bereits mit etlichen anderen Instrumentalisten dieses Fachs aufgetreten, die einige Jahre älter waren als er selbst, nämlich mit dem belgischen Komponisten Henri Vieuxtemps und dem polnischen Virtuosen…

  • Von einem ost-westlichen Divan

    In Israels Musikszenen funktioniert die etwas fernere Nachbarschaft zu Spanien (dank der weit zurückliegenden sephardischen Vermittlung?) genauso gut wie jene zum Libanon und überhaupt zur arabischen Welt. Aus diesem Grund kamen im Heizwerk Erfurt ebenso die traditionelle Kurzhalslaute Oud, das in der europäischen Klassik verwurzelte Violoncello und nahöstlich gemischtes Schlagwerk mit getrommeltem, schwirrendem und klingelndem Klangdesign…

  • Hinter den Initialen CC …

    … verbirgt sich keine Ankopierung: Paul Dukas, der Schöpfer des Orchesterscherzos zu Goethes Zauberlehrling, zählte den hier gesuchten Südwesteuropäer zu seinen Schülern in Paris. Trotz eines gewissen Schwerpunktes auf den vokalen Gattungen, unter denen er besonders die Besetzung mit Chor und Orchester bedachte, betätigte sich der in Porto geborene Komponist ebenso in diversen Sparten der symphonischen Musik wie er zeitweise Kammermusikbesetzungen für…

  • An Liamuigas Vulkanbergen

    Im kleinsten Antillenstaat, Saint Kitts and Nevis, dominiert der Karneval die Musikszenen mit diversen Terminen – wäre da nicht die Sängerin und Gitarristin Joan Armatrading, die in der Hafen- und Hauptstadt Basseterre als drittes von sechs Kindern eines Tischlers geboren wurde. Sie wurde nach Antigua geschickt, um bei ihrer Großmutter zu leben und wohnte später mit der Familie…

  • Flugblatt aus Norwegen

    Dank sei Guido Fischer, denn erst kürzlich machte er uns aufmerksam auf eine Einspielung neuerer symphonischer Meisterstücke der für gegenwärtige und zukünftige Tendenzen repräsentativen Komponisten Henrik Hellstenius und Ørjan Matre. Es wurden hiermit gleichzeitig zwei wichtige Anliegen unter Dach und Fach gebracht: Denn einmal lenkte er den Blick auf eine in ganz Europa viel zu selten zur Kenntnis genommene norwegische Neue-Musik-Bewegung,…

  • Musica Soma

    Immer wieder kommt es vor, dass sich Musiker mit einer bemerkenswerten Erfahrung etwa als Instrumentalisten autodidaktisch zu Komponisten weiterentwickeln: An prominenter Stelle für diese Spezies wäre im Frankreich des 19. Jahrhunderts Hector Berlioz zu nennen. Kein Wunder, dass er für manchen zielstrebig und schulmäßig Gebildeten eine ideale Zielscheibe der Kritik abgab. Dementsprechend wurde zu Beginn seine Orchestermusik…

  • Ein Etikettenraub?

    Da Links zur musikarchäologischen Beweisführung fehlen, kann sich Paris vorerst weder für Helenas noch für Aphrodites Apfel entscheiden: Es bleibt einstweilen ungeklärt, ob der appellative Sammelbegriff Romanesca italischen oder iberischen Ursprungs ist, wobei für die Möglichkeit des letzteren die Gattung der Romances als Argument angeführt wurde. Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an taucht der hier und…

  • Hochverärgertes Publikum!

    Man braucht nicht erst an den frenetischen Jubel im Anschluss an einen Aida-Sommerabend in Verona oder an die legendären poly- und atonalen Uraufführungsschocker von Igor Strawinsky und Arnold Schönberg zu erinnern, um die ganze emotionale Bandbreite der Publikumsreaktion zu ermessen. Gewaltbereite Konzertgänger beispielsweise geraten ja beinahe täglich, ohne gleich Schlagzeilen zu generieren, aneinander, sei es, weil…

  • Aufgeholt

    Der auffallend geringe Anteil an Komponistinnen in der Geschichte des dänischen Kulturlebens mag damit zusammenhängen, dass es anders als in Frankreich und Italien seit der frühen Neuzeit keine adligen Gönnerinnen gab, die Frauen nicht nur als Musikerinnen, sondern auch als kreative Köpfe in ihrem Fach hätten fördern können (oder wollen). Wendet man sich gegenwärtigen Szenen zu, entsteht…