• Wildkatzensprünge von Kuba

    … entfernt liegen die Turks- und Caicosinseln mitsamt der Mouchoir Bank verträumt im grünblau schillernden Meer. Bei Ripsaw Music handelt es sich um den Exporthit dieser Eilande, vor allem aus deren nördlichen und mittleren Regionen bekannt. Mit dem Ripsaw-Stil ist aber nicht das rhythmische Kratzen auf der Säge, das klanglich dem dominikanischen und haitianischen Güiro ähnelt,…

  • Eine Berufung wie jede andere?

    Kürzlich stand es in Musikforen wieder auf der Tagesordnung, obwohl es sich in diesem Land schon um ein arg strapaziertes Thema handelt: Woran liegt es, dass es immer noch so wenigen Nachwuchsmusikerinnen mit dem persönlichen und organisatorischen Talent zur „Führungskraft“ gelingt sich durchzusetzen, wenn es darum geht, ein Orchester zu leiten? In der Mehrzahl der Fälle landen…

  • Das Fagott mit der Saxophonstimme

    Er gehört gewiss zu den ausdrucks- und wandlungsstärksten Holzbläsern unserer Zeit: Der Leiter des Barockensembles L’Onda Harmonica, das er selbst vor drei Jahren begründete, wuchs in Bolzano alias Bozen notwendigerweise in einer zweisprachigen, bikulturellen Umgebung auf; aus diesem Grund bewegt er sich wie selbstverständlich sowohl im deutschen wie im italienischen und im internationalen Sprachraum: Selbst…

  • Wien und der ferne Osten

    Mit Ironie fein gespickte Sprechszenen und in seligem Dur ausschwingende Ball(ett)nummern kontrastieren im Land des Lächelns mit gefühlsinnigen Duetten wie Soloarien eher tragischen Zuschnitts. Insofern handelt es sich in Wirklichkeit um eine Mischform des Musiktheaters, nicht etwa um die in allen Programmen so ausgewiesene typische Wiener Operette. Dem hohen Anspruch des Librettos und damit auch der Partitur wurde Guy Montavons…

  • Morgendämmerung der nordamerikanischen Klassik

    Es begann mit den Siedlern: Das erste in der Neuen Welt genutzte musikalische Werk war das Psalmbuch von Henry Ainsworth; gedruckt wurde es 1612 in den Niederlanden. Als das erste auf amerikanischem Boden geschriebene musikalische Werk gilt das in Massachusetts entstandene Bay Psalm Book aus dem Jahr 1640. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts basierte die Kompositionskunst…

  • Von Perlen und einem Traum im Grünen

    Zunächst bildet Ursula Andkjær Olsens Interpretation des Volkslieds The Green Groves den lyrischen Ausgangspunkt für Peter Bruuns Version in rein instrumentaler Musik. Doch ging es dem studierten Philosophen und Kompositionsschüler von Per Nørgård aus Aarhus laut Trine Boje Mortensen nicht um eine Vertonung des Gedichts in der Folge seiner Verse, sondern darum, den Eindruck von der dramatischen märchenhaften Begebenheit und…

  • Grenzenlose Poesie

    Dass der Konzertgitarrist David Malone vor gut zehn Jahren den poetischen Zyklus Four Leunig Pieces und die Italien-Hommage Di Primavera für Gitarre und Marimba auf seiner CD Fretsongs einspielte, beruhte nicht nur auf einer Wahl passender Werke für sein Instrument. Maria Grenfell, die in Neuseeland aufwuchs, in Großbritannien und den USA studierte und sich in Australien niederließ, hatte dem Musiker ihre…

  • Der Cellist aus Akureyri

    Idealerweise an einem Sonntag jährt sich nun zum 75. Mal der Geburtstag eines munter weiterschaffenden Komponisten aus dem äußersten Nordwesten Europas. Erst oder schon (je nach Perspektive) agierte der prominente Konzertcellist Haflidi Hallgrímsson im Alter von 42 Jahren überwiegend kreativ. Neben seinem Faible für das einmal sonor schnarrende, dann wieder melodiös tönende Saiteninstrument beweist er in seinem Konzert Poemi (1984) eine…

  • Fensterblicke auf Mittelamerika

    Die südwestkaribische Landbrücke Costa Rica machte in Sachen klassischer Musik von sich reden, als eine vier(!)jährige Violinistin nicht nur erstmals solistisch vor dem Jugendorchester des Landes spielte, sondern gleichzeitig dirigierte. Ana Gabriela Castro-Rosabal stand dabei, um die Musiker überhaupt vor sich sehen zu können, auf einem hölzernen Podest, das ihr Vater Enrique gebaut hatte. Im…

  • Manchmal mit Perücke

    Weltweit gesehen handelt es sich tatsächlich um ein seltenes Phänomen, in Deutschland ist es wie manch andere Merkwürdigkeit möglich geworden: Hinter den durch Dezentralisierung entstandenen Bundesländern schimmern die alten territorialen Grenzlinien mehr oder minder despotisch geführter Fürstenstaaten hervor. Im Zeichen der historisch informierten Aufführungspraxis und manch luftiger Sonnenkönigsnostalgie finden sich auf dem Boden dieser etwas…