• Aus einem Heurigengarten

    Insbesondere mit einer Posse, die seine Fähigkeit über sich selbst zu schmunzeln zeigte, gewann der Leiter einer buntgewürfelten Truppe aus professionellen Musikern und Sängern unter dem Motto Wien bleibt Wien, am Sonntagnachmittag das gesamte Publikum in Erfurts Alter Oper für sich.

  • Limitierte Ménage à trois

    Inwiefern sich Form und Gestalt unterscheiden, war in einem Zeitalter des rasanten naturwissenschaftlichen Fortschritts eine eher müßige Frage. Aus diesem Grund musste der Aristotelismus des Mittelalters, der noch weit in die Neuzeit hineinwirkte, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts den meisten Zeitgenossen (sicher nicht zu Unrecht) als überholte Denkschule erscheinen. So kann zu Recht die Hauptfigur…

  • Mexikanische Mixturen

    Die Halbinsel Yucatán mit ihrer Metropole Cancún schließt an ihrer Ostküste zu einer bunten Inselwelt auf, wodurch auch Mexiko seinen Teil an der karibischen See beansprucht. Für zehn Jahre konnte der selbstbewusste Nordwestteil Mexikos als separate „Republik“ sogar eine gewisse Autonomie beanspruchen, bis er wieder an das Mutterland zurückfiel. Anschließende Versuche, sich wieder zu verselbstständigen, scheiterten…

  • Einen Jux will er sich machen

    Eher um einen makabren „Scherz“ im Sinne einer Katzenmusik als um einen gelungenen Spaß mag es sich bei bei der Attacke in der 1704 datierten Lustigen Feld-Music von Johann Philipp Krieger (Nomen als Omen?) gehandelt haben und ähnliches kann von mancher der spanischen Batallas gesagt werden; auf der anderen Seite verschwammen gerade im Weltgefühl der Barockzeit Tragik und Inferno gerne mit…

  • Zum Tee bei Massenet

    Jules Massenet gehörte zu den wenigen männlichen Musikpädagogen seiner Zeit, die Frauen auf dem Weg zu Komponistinnen dezidiert unterstützten. Als die in Paris inskribierte Konservatoriumsstudentin Mon Schjelderup im Dezember 1893 einmal auf Besuch bei ihm weilte, forderte er sie auf, ausführlich von jenem Orchesterstück zu berichten, das sie im Herbst desselben Jahres am Theater von…

  • Von der Setzmaschine an die Gitarre

    Wie viele andere Künstler ließ Rio de Janeiro auch den Tischlerssohn Patápio Silva (1880 – 1907) nicht mehr los. Dort fand der Nachkomme einer Familie aus dem Bundesstaat Pernambuco durch Gitarrenstunden bei João Elias zu den sentimentalen städtischen Modinhas, die er in Zukunft mit großer Könnerschaft zu begleiten verstand. Das Auskommen sicherte ihm freilich eine Stellung als verbeamteter…

  • Schwestern im Geist

    An einer von Puccini und Beethoven geprägten Klassik-Öffentlichkeit dürfte selbst in Mitteleuropa der Name von Fernande Decruck (1896 – 1954) eher vorbeigegangen sein – was allerdings bedeutungslos ist. Denn die in Paris nach ihrem Orgel- und Kompositionsstudium prämierte Pianistin und Hochschuldozentin am Konservatorium von Toulouse fand bald Beachtung auch in den Kreisen der namhafteren kreativen Kolleg(inn)en. Dass die hochbegabte Musikerin sich…

  • Provozierter Schönklang

    Einmal als Neoromantiker etikettiert sollte man einen in Philadelphia aufgewachsenen und in New York zum Geiger und Pianisten ausgebildeten Komponisten gegen allzu klischeehafte Zuschreibungen verteidigen: Aaron Jay Kernis‘ Traditionshaftung mag dadurch bedingt gewesen sein, dass er seiner Neigung zu Streichinstrumenten folgend besonders das romantische Symphonieorchester mit seinem aufwändigen Streicherapparat favorisiert als auch Kammermusik für sein Instrument und dessen…

  • Ausweichmanöver

    Mag sein, dass in und um Beethovens Ära hastig nach dem Notenpapier gegriffen wurde, wenn für die eine oder andere Klavierkomposition wenig Zeit blieb, da andere Verpflichtungen warten: Die Verniedlichungsvariante oder kleine Schwester der Sonate galt vorwiegend seit der Wiener Klassik als einfach zu spielendes Stück für zwischendurch, sicher auch geeignet im Unterricht mit „falschen Anfängern“.…

  • Teichrosenwalzer und Trickfilmmusik

    Zu rund fünfhundert Filmen und Fernsehshows schrieb der Pianist aus Warschau symphonische und genregerechte Filmmusik und damit von 1966 bis 1991 auch deren Geschichte. Spätestens 1968 katapultierte er sich nämlich mit der Vertonung des Streifens Hrabina Cosel („Gräfin Cosel“) in das öffentliche Kulturleben. Ursprünglich war er durch Privatunterricht zur Musik gekommen, bevor der später in Polen…