• Widerhall in Klangstrukturen

    „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, heißt es in einem schon vor 1233 beim Dichter Freidank belegten Sprichwort. Wenn man bei der ersten Bedeutung bleibt, stimmt dies aber nur im Falle von älteren Waldkulturen, denn Junganpflanzungen von Bäumen schlucken den Schall. In einer Landschaft mit hohen Felswänden und Höhlen funktioniert der Ruf…

  • Figurationen des Fremden

    Man braucht gar nicht von der Faszination des Exotischen in der Begegnung mit ganz anderen Kulturen, wie sie in einem eher plakativen Sinn The Indian Queen und die Ballettoper Les Indes Galantes vorführen, auszugehen. Bereits in der Substanz der melodischen Sequenz, etwa in der Aufeinanderfolge mehrerer Halbtonschritte in eine Richtung, liegt eine „Verfremdung“ vor. Ebenso gilt dies natürlich…

  • AYO – Das Konzert zum Jubiläum

    Heute abend um 19 Uhr ist es so weit: Für das Konzert zum sechzigjährigen Bestehen des Australischen Jugendsymphonieorchesters von Mary Vallentine öffnet die Sydney Town Hall, ein ornamental gestalteter Repräsentationsbau aus den 1880er Jahren, ihre Tore. Auf dem Programm steht an erster Stelle Sun Music III (1967) von Peter Sculthorpe, der von vielen als wichtigster australischer…

  • Karneval dominikanisch

    Eine der noch mehr farbenfrohen als närrischen Hochburgen in diesen Tagen ist Santo Domingo, die Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Um den 27. Februar jeden Jahres finden die „offiziellen“ Umzüge statt, doch beginnt das lustige Treiben schon etliche Wochen früher, je nach lokaler Initiative.

  • Mehr Objektivität dank Digitalität

    Einmal eröffnet natürlich das Internet durch Suchen in Datenbanken streambarer Audio-Files Dirigenten, Musikforschenden und -journalisten in Zukunft unschätzbare Arbeitserleichterungen, denn vergleichende Vorgehensweisen werden bequem am Schreibtisch oder in mobilen Situationen möglich sein, ohne dass für eine grundlegende Analyse noch die physisch existente Mediathek bemüht werden müsste. Zum zweiten schaffen „künstlich-intelligent“ programmierte Maschinen die Aufbereitung und eine objektivere Positionierung…

  • Wohin geht die Tonkonserve?

    Hören eigentlich hierzulande, europa- oder weltweit mehr Menschen online-gestreamte Klassik mit deutlicher Tendenz zur audiovisuellen Konzertwiedergabe, offline MP3 oder die physisch greifbare CD, wenn nicht sogar die noch konventionellere Vinylversion? Bei edierten Neuaufnahmen bleibt überwiegend nur die Wahl zwischen CD und MP3-Format. Dabei bleibt die .wav-Datei, wie sie von der CD repräsentiert wird, wenigstens bislang im privaten Bereich (gegenüber audioindustrieller Weiterentwicklung) der unangefochtene Sieger,…

  • Im Dunkel der Geschichte?

    Als bedeutender byzantinischer Musiktheoretiker des 15. Jahrhunderts galt Manuel Chrysaphes, der als Kantor an der Hagia Sophia fungierte, auf heutigem serbischem Boden und auf Kreta lebte. Auch als Komponist leistete er Bedeutendes, doch erwarb sich im kommenden Säkulum Frangiskos Leontaridis die eigentlichen Lorbeeren eines parallel zur hochpolyphonen westlichen Renaissancemusik entstehenden nachbyzantinischen Stils im (noch lange)…

  • Konzentration kreativer Kräfte

    Bei einem Blick auf die Landkarte Kanadas gelangt man zu einer trivialen Einsicht, konnte es nämlich schon vorher ahnen: Die Produktion klassischer Werke seit dem 19. Jahrhundert und Neuer Musik im Anschluss an elektroakustische Experimente sowie diverse Avantgarde-Strömungen im 20.  mit Fortsetzung konzentriert sich in den südöstlich gelegenen Städten, die einmal zu den ultimativen Ballungsräumen…

  • Time Pieces – jazzgetränkte Kammerstücke

    In Chicago und damit in einer der größten polnischen Gemeinden der USA aufgewachsen debütierte der Pianist Robert Muczynski (1929 – 2010) mit Ende 20, aber mit eigenem Programm in der New Yorker Carnegie Hall. Seine Klavier- und Kammermusik gehört heute zum international etablierten Repertoire. Da seine Lehrer nicht durchgehend zum Kreis der bekannteren emigrierten polnischen Musiker gehörten und er…

  • Hercules: Mythos und Melos

    Zur Darstellung mythologischer Inhalte muss ein Regisseur nicht zwingend ein großes Farbspektakel inszenieren, doch kommt es, wie das Erfurter Theater heute Nachmittag zeigte, auch auf die Hell-Dunkel-Kontraste an, gerade wenn der Stoff ins Abgründig- Tragische kippt. Dies ist bei GF Händels Oratorium Hercules – uraufgeführt in London 1745 – nämlich wie bei Dutzenden von Realisationen antikisierender Musikdramen…