• Christliche Botschaft in karibischer Verpackung

    Footsteps, der Titel des neuen Albums von Wally Warning, könnte eine langsame Gangart andeuten, denn Tochter Ami hat ihren „Lehrmeister“ möglicherweise um Fußlängen überholt – jedenfalls, was das entschiedenere (aber keineswegs lautstarke) Auftreten auf Live-Bühnen angeht. Allerdings wirkte sie auch hier stimmlich bei wenigstens zwei Titeln ganz vorne mit. Die Cover-Innenseite zeigt einen aufgeräumten Musiker, dem man…

  • … und noch ganz anders

    … traten einige Musiker des Philharmonischen Orchesters Erfurt am Freitagabend auf: nahezu unerhört „modern“ zudem für eine ansonsten ganz klassisch ausgerichtete Truppe. Die Spannbreite ließ sich dabei schon am Motto des Programms ermessen: Von der Gabrieli-Canzone bis zur Souljazznummer Skyfall aus dem gleichnamigen James-Bond-Film Nr. 23 von 2012 gelang, mit zwei Schwerpunkten auf Renaissance mit Barock sowie Big-Band-Sound,…

  • Theodore Thomas und die Boston Six

    Als Wiege der Ausübung von US-Kunstmusik vor größerem Publikum gilt Boston, heute eine der wohlhabendsten und auch größten Städte der Welt, die Einwanderer aus Europa (schon seit ihrer Existenz) magisch anzog: 1729 fand das erste öffentliche Konzert dort statt, New York und Philadelphia folgten mit einigen Jahren Verspätung. Aufs Ganze gesehen waren freilich die in…

  • Meeresfantasien

    Neben dem auf deutschen Konzertpodien häufig gespielten Cellokonzert op. 85 von Edward Elgar, das zum 10. Sinfoniekonzert in der Weimarhalle am kommenden Sonntag und Montag auf dem Programm steht und von dem jungen Solisten Andrei Ionita bestritten wird, sind zwei große Orchesterwerke vertreten, die eine frische Meeresbrise an die Ilm tragen: Benjamin Brittens Four Sea Interludes, die…

  • Engelsstimmen über der Tiefe

    Eine Fliesenillustration am U-Bahnhof Deutsche Oper in Berlin verewigt einen französischen Komponisten der Romantik, dem (nicht nur) gelegentlich ein Hang zum Empfindsamen ebenso nachgesagt wurde wie eine leicht schwebende, gesanglich gefällige Melodie- und Orchesterstimmenbehandlung. Charles Gounod (1818 – 1893) verzichtete auf übertriebenes Pathos, die Auslotung der Extreme und suchte nach einer lyrischen Musiksprache, die manchmal Volkstümliches einbezog.

  • Ein König in Thule

    Sagenumwoben war Thule – oder Island? – als die, wie man in der griechischen Antike glaubte, nördlichste Insel der Welt. Allerdings lässt sich Goethes für den Urfaust erdachtes Gedicht Es war ein König in Thule gerade nicht als inhaltlich komplexer Wurf bezeichnen: Ein König trinkt bis zu seinem Tod aus dem goldenen Becher, den er seiner…

  • Mit einem Bein in Europa?

    Einerseits steht der fünfte Kontinent für eine Vielzahl erstaunlich neuartiger Wege, wenn es um die Musikszene im 21. Jahrhundert und hier gerade auf dem Gebiet der Kunstmusik – geht, die neue Medien in Aufführungskonzepte konsequent einbindet, zum anderen sind dort auch Foren für ältere Musik europäischer Provenienz und die so genannte „Sattelzeit“ verankert. Prominent dafür steht etwa das erst…

  • Die Suche nach Erweiterung: Mikrotonalität

    Unterschreitungen des Halbtons im westlichen Notensystem definiert der Begriff „Mikrotöne“ nur unzureichend. Erst Ende des 19. Jahrhunderts suchte man etwa Vierteltöne auch in kompositorische Konzepte einzubeziehen, um den Ton- und Klangvorrat auszuweiten. In der Folge kam es jedoch zu keiner genaueren Bestimmung von Mikrointervallen. Die Teilung der Oktave in 17, 19, 31 oder mehr Teile…

  • Von der lombardischen Mandoline

    Für gewöhnlich wird heute in Konzert und Unterricht die vierchörige neapolitanische Mandoline genutzt, die früher aus Schildpatt oder Kirschholz gearbeitet war und mit Stahlsaiten bespannt ist. Ihre wohl der Lautenstimmung halber weniger gängige, aber früher „geborene“ Schwester ist die in der Regel sechschörige, mit Darmsaiten bespannte Mandoline, die als lombardische, Mailänder oder Barockmandoline bezeichnet wird und überwiegend etwa…

  • Der Marinetubist im Konzertsaal

    Bitte nicht verwechseln: Eleazar de Carvalho, Schöpfer von zwei bedeutenden Opern sowie zahlreichen Orchesterwerken und Kammermusik ist nicht verwandt oder verschwägert mit einem nachnamensgleichen Lissaboner Musikforscher, der dort das Centro de Estudos de Sociología e Estética Musical leitet. Kurios mag es anmuten, dass ersterer, der in São Paulo 1912 geborene spätere Komponist und Dirigent seine Musikerkarriere als…