• Re-Torten oder originelle Würfe?

    Was wollen Sie hören? Einen Renaissance-Potter oder einen romantischen Potter? Der anstehende Klassik-Sommer bringt eine mehr oder weniger durchwachsene Mischung aus echter Archivarchäologie und Expeditionsfunden, die Applaus verdienen, nicht allzuviel zum Zweck des Wiederverkaufs Aufgewärmtes und erfreulich wenig hundertste Einspielungen von Werken, die ohnehin die vereinigten Radiosender inklusive der digitalen seit Jahrzehnten auf dem Teller servieren.…

  • Imagination und Kunstwerk

    Zuerst landete er am Birmingham-Southern College in Alabama, dann ergab sich ein weiteres Studium in Floridas Metropole Miami, bevor er an die State University of New York ankam und dort abschloss. Philip Schuessler hatte sich offenbar die besonders sonnigen Seiten der Vereinigten Staaten für seinen Bildungsgang ausgesucht, was aber nicht zu voreiligen Schlüssen verleiten sollte:…

  • An Dänemarks Küsten

    Wenigstens zwei große Klassik-Festivals stehen beim nördlichen Nachbarn in diesem Sommer an: das Internationale Kammermusikfestival in Esbjerg, in der Kirche von Hjerting und den Gotteshäusern von Fanø, vor allem aber das Kopenhagener Opernfestival mit seinen Freiluftaufführungen. Von letzteren werden etliche – dank des regulär stabilen trockenen Sommerwetters – auch tatsächlich stattfinden werden.

  • Für Melodienscanner

    Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich bei verspielten Naturen unter den Tonsetzern die Mode, eine einzige Oper gemeinsam zu gestalten, einem bunten musikalischen Gemüsesalat ähnlich, allerdings en détail planvoller konzipiert. Es wurde mit der italienischen Bezeichnung für die Zahl hundert – demnach Cento (oder Centone) – benannt, war der Idee nach aber nichts Neues, denn…

  • Tympanon, Rankett, Flexaton

    Sieht aus heutiger Perspektive aus wie eine Kreuzung einer Wasserpfeife mit einem Nudelholz – ist aber (funktionell) weder das eine noch das andere: das aus Ensembles längst verschwundene Rankett, dem in der Barockzeit die Ähnlichkeit mit einem Spinnrocken nachgesagt wurde – daher die italienische Bezeichnung „rocchetta“. Wie bei Oboe, Fagott und Englisch Horn handelt es…

  • Zwei Inseln im Schlepptau

    Im Kielwasser von Isla Margarita, der größten Insel des kleinsten Staatsgebiets im Raum der kleinen Antillen „unter dem Winde“ liegen zwei weitere, nämlich Coche und Cubagua, von denen letztere nur sporadisch bewohnt wird und aus der Vogelperspektive einem nach Westen ausgerichteten Fisch mit Schwanzflosse nicht unähnlich sieht. Im Jahr 1909 verleibte sich Venezuela den nordöstlichen…

  • Gel(i)ebtes Saxophon

    Mit Vertigo, einem Duett für Klarinette und Saxophon, später umgeschrieben für zwei Saxophone, startete eine lange Reihe vielversprechender, vor allem kammermusikalischer Kompositionen: Damit trug die in Sydney beheimatete Saxophonistin Katia Beaugeais erst 2005 in gedruckter und veröffentlichter Form zur zeitgemäßen Literatur für „ihr“ Instrument bei. Doch von primärer Bedeutung für die Verbreitung ihrer Stücke war nicht…

  • Skizzen und Sketche(s)

    Der Skizze eignet in der Malerei das Flüchtige des Entwurfs und des ungeplant Hingekritzelten en passant, ästhetisch positiv besetzt durch den ersten Ausdruck einer (genialen) Idee, die der Maler nicht aus seinem Kurzzeitgedächtnis verlieren will und deshalb rasch zu Papier – im Falle des Skulpturschaffenden zu Lehm oder Plastilin – bringt. In der Musik ist es…

  • Nordisch erfrischend

    Insgesamt wird dem nördlichsten Inselstaat Europas gegenüber der bewegten vulkanologischen eine sehr junge Geschichte der Musik nachgesagt, was für die meisten Stile außerhalb der traditionellen Folklore gelten mag. Dass letztere selbst in der progressivsten „avantgardistischen“ Ausrichtung noch ihre Spuren hinterlassen hat, darf angesichts der gerade auch im ländlichen Bereich starken Musikpflege – nicht nur, was Gesang, Fiddle-…

  • Vom Hörsaal in die Konzerthalle

    Zog es auf dem sechsten Kontinent kontinuierlich Musikschaffende und andere Künstler in die kulturell pulsierenden Metropolen der südlichen Landesteile? Bei João Baptista Siqueira scheint dies jedenfalls voll und ganz zuzutreffen.