Kategorie: Wissenswert

  • Dirigentenpult und Orgelbank

    Eines der ersten englischsprachigen methodischen Handbücher für das Harmonium geht auf Frederic Archer (1838 – 1901), einen emsigen Musiker zwischen Dirigentenpult, Orgelspieltisch und heimischer Schreibstube zurück. Für die weniger angestaubte Hammond Orgel ebenso wie für das Harmonium selbst schrieb er in seiner Eigenschaft als Tonschaffender ein Kompendium mit 70 Solostücken, das beim bekannten New Yorker Musikverleger Schirmer…

  • Erwachen der Vokalpolyphonie

    Im nordportugiesischen, nicht direkt am Meer gelegenen Braga entwickelte sich seit der Renaissancezeit eine eigene Komponistenschule, die allerdings nicht an die weit ausstrahlende in Évora heranreichte. Dennoch brachte die Stadt mit Miguel da Fonseca einen Meister der Vokalpolyphonie hervor, dessen Aktionsraum weitestgehend die Kirche blieb, für die er als Kapellmeister bis nach 1544 arbeitete.

  • Hymne, Tanztheater, Elektroakustik

    Es kommt nicht so selten vor, dass der Ausgangspunkt einer sich etablierenden klassischen Musikkultur außerhalb Europas nicht etwa die Folklore des jeweiligen Landes ist, obwohl diese natürlich ständig interferiert, sondern die Staatshymne. Und es ist kein Alleinstellungsmerkmal Ecuadors, dass es sich dabei um das fast einzige erhaltene Werk seines Urhebers handelt. Die Überlieferungslage in der…

  • Brisbane: Traum von Architektur und Musik

    Zwar verfügt Queensland’s Metropole Brisbane nicht über eine Vielzahl von „Tempeln“ klassischer Musik, stattdessen über umso mehr Orchester, Chöre und Komponierende. Besonders das Ballett und die Oper genießen einen australienweiten Ruf, auch das Queensland Symphony Orchestra und wie auch in anderen Städten des fünften Kontinents kommt eine stattliche Zahl von professionellen Chören hinzu, von denen…

  • Vom trällernden Kellner zum Publikumsmagneten

    Eine wahrhaft abenteuerliche und zudem eine der dauerhaftesten Komponistenkarrieren des 20. Jahrhunderts: Israel Baline wanderte mit seinen Eltern aus dem sibirischen Temun aus, entzog sich im frühen Alter von 14 Jahren deren Obhut und verdingte sich als singender Kellner in einem New Yorker Kaffeehaus. Spätestens hier entwickelte er sein Talent und seinen langen Atem für die Laufbahn…

  • Un abanico cubano

    Die auf Kuba über Jahrhunderte gewachsenen populären und nicht zuletzt akademisch informierten Musikstile spiegeln wie durch ein Prisma betrachtet die wechselnden Moden des europäischen wie afrikanischen Kontinents wider, Sympathie für und Ablehnung von vorübergehend etablierten Präferenzen. So bekam der im 19. Jahrhundert scheinbar unverrückbar beliebte französische Contredanse bald Gegenwind, Tänze spanischen Ursprungs wie Trova, Punto und Son…

  • Klassik im Estilo Antigo: aus Minas Gerais

    Selbst Sohn eines Musikers reihte sich João de Deus de Castro Lobo als Organist bald nach den Umbruchsjahren der Napoleonischen Kriege in die Riege der zahlreichen Organisten ein, die zahlreiche Aufgaben an ihrer jeweiligen Kirche versahen. Castro Lobo, der aus einer der wenigen Wiegen brasilianischer Kunstmusik, nämlich Vila Rica kam, fand er zwischen 1820 und 1824 eine Stellung…

  • Kampf als Tanz

    Bei der Capoeira handelt es sich vorderhand nicht um eine musikalische Form, sondern um eine uralte afrikanische Kampfkunst, für die genaue Bewegungsabläufe vorgegeben werden, welche ebenso nach normativen wie praktischen Regeln ablaufen; ähnlich wie beim Judo sind sie so erdacht, dass physische Verletzungen vermieden werden.

  • Wiedergeborenes Arkadien

    In der letzten Dekade des vergangenen Jahrhunderts erst wurde die stilistisch zwischen Empfindsamkeit und Vorklassik anzusiedelnde Instrumentalmusik einer für die Entwicklung in Italien bedeutenden Cembalistin und Komponistin wiederentdeckt; seither sind auch ihre Opern auf dem Weg zu den Bühnen. Zwei von ihnen, nämlich Ulisse in Campania, gekennzeichnet als „serenata in due atti“ und das „componimento drammatico“…

  • Schubfächer und Etiketten

    Klassifizierte Michael Praetorius im dritten Band seines Syntagma (1619) Musik zunächst nach ihren Klangkörpern, menschlichen Stimmen oder Instrumenten, dann nach „Affektsphären“, also ihrem räumlich bedingten Ausdruck, nach ihrer sozialen Praxis und schließlich nach der Textbasis, so wandelte sich im 18. Jahrhundert die Grundlage der Differenzierungen hin zur Unterscheidung zwischen den Benennungen von Werk(grupp)en und den Stilen oder…