Kategorie: Wissenswert

  • Apolinary Szelutos Symphonien und Suiten

    Einer der produktivsten Symphonienkomponisten des 20. Jahrhunderts war sicher Apolinary Szeluto: Der Schüler von Zygmunt Noskowski brachte es auf  die Zahl von 27, was angesichts des Umfangs einer einzigen schon beachtlich ist. Gleichzeitig mutet es bei der Pflege eines so traditionellen Genres wie der Symphonie zunächst denkwürdig an, dass er nach 1945 als Richter und Funktionär der Polnischen Sozialistischen Partei wirkte. Verständlich wird es aber,…

  • Vor und nach der Kolonisation

    Von den Ciboneys und Taino Arauak, also amero-indischen Völkern, die sowohl die Großen Antillen als auch die Caribs einst besiedelten, sind wenig genug Spuren in der karibischen Musik erhalten; um 1570 waren diese Stämme durch das Vordringen der europäischen Kolonisatoren praktisch ausgerottet. Bei einem areito genannten Ritual – überliefert aus dem späten 16. Jahrhundert –…

  • Mozartkugeln für Flöte: Werke von Anna Zawadzka-Gołosz

    Seit 2005 leitet sie das Institut für Komposition, Dirigieren und Musiktheorie an der Krakauer Musikakademie, ist aber als Komponistin in der westeuropäischen Öffentlichkeit trotz ihres vielfachen Engagements bisher noch ein Geheimtipp: Anna Zawadzka-Gołosz. Die Hochschuldozentin hatte ursprünglich selbst in Krakau bei Prof. Krystyny Moszumánskiej ein Studium der Musiktheorie aufgenommen und sich dann an der Essener Folkwang-Hochschule…

  • Ignácio Parreiras Neves

    Vermutlich wurde ein bedeutender brasilianischer Komponist der Vorklassik, Ignácio Parreiras Neves, um 1730 in Vila Rica, dem heutigen Ouro Preto im Bundesstaat Minas Gerais geboren und starb dort um 1793. Wie viele, die später die Gelegenheit hatten, selbst Musik zu schreiben, wirkte er zunächst als Chorknabe in einer geistlichen Bruderschaft. Am 16. April 1752 trat…

  • Vom Ausprobieren zum Partiturlesen

    Musikpädagogisch noch immer als Pioniertat zu werten: die Vorstellung der Instrumentengruppen im Theater Erfurt. Am Samstag, den 15. März, geht es diesmal den Tasteninstrumenten (behutsam) an den Kragen: Kinder und Jugendliche, die bekanntlich vom Fach Musik im Schulunterricht nicht eben verwöhnt sind, können hier auf Entdeckungsreise gehen und Clavichord, Cembalo, Hammerklavier, Flügel & Co. selbst…

  • Rechtsanwalt, Philosoph, Komödiendichter, Librettist, Sprachenlehrer – alle Typen in einer Person

    Im Hinblick auf seine Wohnorte und Umzüge ähnelt das Leben des vielseitigen erfolgreichen Komödienschreibers Carlo Goldoni (25.2.1707 – 6.2.1793) demjenigen Gioacchino Rossinis, der sich zum Ende seiner Karriere ebenso für lange Zeit in Paris niederlassen sollte. Die musikgeschichtliche Bedeutung des 1707 in Venedig geborenen Juristen und Philosophen liegt weniger in seinen immerhin 80 Libretti, die er…

  • Imitate in der Musik vom Zitat bis zur frechen Parodie

    Bekanntlich sind die Übergänge zwischen Zitaten und Allusionen oder Anspielungen in der Musik(nachahmungs)geschichte fließend. Will man die allerdings sehr deutlichen Zitationen von volksmusikalischem Liedgut in Mahlers 1. Sinfonie D-Dur nun dem allgemeinen Einfluss bestimmter Melodien oder deren Symbolhaftigkeit auf sein Werk zuschreiben oder als ausschließlich bewusst eingesetztes Erinnerungsmotiv mit dem bloßen Ziel der augenzwinkernden Ironisierung verstehen? Im…

  • Vor Chopin europaweit populär: Marianne Wołowskas Kompositionen

    21 Jahre früher als Frédéric Chopin erblickte Marianne Agata Wołowska (1789 – 1831) in Warschau das Licht der Welt, studierte bei Józef Elsner und gastierte mit 32 Jahren als Pianistin in zahlreichen europäischen Metropolen, die Auftritte coram publico machten sie weltweit berühmt. Ihre 120 selbstgeschaffenen Klavierstücke, besonders das so genannte Album, in das sich Prominente wie Beethoven, Rossini, Liszt oder…

  • Welcher Marcos Coelho Neto war es wirklich?

    Wir schreiben das Jahr 1763: Die Zahl der Komponisten afrikanischer Herkunft in Latein- und Mittelamerika kann nur schwer geschätzt werden, vor allem, wenn man bedenkt, dass dunkelhäutige, von Sklaven abstammende Künstler ihres gesellschaftlich unfreien Status‘ wegen auch keine weitgehende Bekanntheit erlangen konnten. Klassikhörern ist – wegen seiner Violinkonzerte – aus dem 18. Jahrhundert allenfalls noch der…

  • Terradelles‘ Rückkehr zur Bühne

    Manchmal scheint es nur eine Kehrtwendung um 180 Grad zu sein: Gerade aus dem Blickfeld des gegenwärtig praktizierten Fachnischendenkens mutet es jedenfalls erstaunlich an, wenn sich im Jahr 1745 ein römischer Kirchenkapellmeister zum Dienst am King’s Theatre in London abberufen ließ. Hier lag es aber an der vorhergehenden Bühnenpraxis. Fünfzig Jahre früher wäre ein solcher „Quereinstieg“ wohl noch leichter gewesen, denn in der…