Kategorie: Reviews

  • Florenz, 1625: Ein Paukenschlag

    Adlige Förderung erlaubte es insbesondere im Italien und Frankreich des 17. Jahrhunderts Frauen, auch als kreative Künstlerinnen an die Öffentlichkeit zu treten. Manchmal geschah dies von Seiten der höchsten Instanz, nämlich der Regierenden selbst, wie es in Florenz 1625 der Fall war: Dank des Auftrags und der Unterstützung von Christine de Medici konnte die Ensembleleiterin,…

  • Konzertant mit sportlicher Note

    Drive mag in popularmusikalischen Zusammenhängen etwas anderes suggerieren: Im Fall von Vito Žurajs gleichnamigem Konzertstück für Schlagzeugtrio und Orchester, das gestern im Theater Erfurt seine Uraufführung erlebte, hat es weniger mit vorantreibenden pulsierenden Rhythmen zu tun, sondern mit Laufbewegung als solcher, die nicht monodirektional nach vorne gerichtet ist, sich vielmehr im Kreis und in räumlichen Gegenrichtungen…

  • Fulgura frango

    Der Blitzeschleuderer Zeus begegnet uns bildhaft dargestellt in Mozarts Symphonie C-Dur KV 41 „mit der Schlussfuge“ erst durch Muzio Clementis Klavierbearbeitung aus dem Jahr 1822. In der Erstausgabe thront er tatsächlich, Donner und Blitz haltend, auf einer Wolke. Die Zuschreibung beruht auf einer Legende (da nur als Tagebucheintrag erwähnt), nach der Mozarts Sohn die Bezeichnung „Jupiter“ von dem…

  • Manhattan Plaza akustisch

    Bald nachdem Pulitzer-Preisträger Leslie Bassett 1970 das Studio für elektronische Musik an der University of Michigan begründet hatte, sollte auch sein Schüler Joseph Ralph Pehrson von dieser, die ganze westliche Musikausbildung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so prägenden Neuerung profitieren. Der selbst aus Detroit gebürtige Klavierstudent qualifizierte sich anschließend unter anderem bei dem bedeutenden, aus…

  • Ritterromantik

    Die Schauplätze der „heroischen“ Oper Ida von Rosenau, uraufgeführt im Jahr 1820 im Schlosstheater des Ballhauses Coburg, liegen nur wenige Kilometer vom Zentrum der Stadt entfernt: Hier handelt es sich um Schloss Rosenau selbst, auf der zur Sommerfrische die Herzogsfamilie weilte und das auch Queen Victoria, vermählt mit Prinz Albert, später nach ihren Besuchen ungern wieder…

  • Ausrufung der Republik

    Im Gedächtnis der meisten Brasilianer ist Francisco Braga verankert, weil er mit seinem Hymnus auf die Fahne als erster den offiziellen musikalischen Beitrag zur 1889 ausgerufenen Republik geliefert hatte. Erst durch das zu diesem Zeitpunkt erlassene Dekret wurde er allerdings zur wirklichen Staatshymne; im Jahr darauf legte er sie anlässlich eines Wettbewerbs, der zu nämlichem Zweck ausgeschrieben war,…

  • Nicaraguanische Inselfeste

    Übersetzt man den Inselnamen der beiden Corn Islands aus dem Spanischen, ist man geneigt zu glauben, hier wäre von altersher Mais als Hauptnahrungsquelle angebaut worden. Dabei spielt im Jahreszyklus der Feste, den eigentlichen Anlässen für den Auftritt vieler Musikformationen, nicht der Mais, sondern eher die Krabbensuppe eine Hauptrolle: Ende August findet das Festival zu den mehrtägigen Unabhängigkeitsfeiern…

  • Stoffe, aus denen die Träume sind

    Das Wandern von Melodien durch ein vielfältiges Spektrum der Harmonien und über Tonleitern hinweg macht Sergej Rachmaninoffs Orchesterwerke und ganz besonders die Klavierkonzerte zum Stoff, aus dem die Träume (des Publikums) sind. Von dieser Besonderheit zeugte auch das Spiel der georgischen Pianistin Tamar Beraia am Abend des 26. April mit dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 d-Moll im Theater Erfurt.

  • Spätromantisch verspielt und von tänzerischer Eleganz

    Glücklicherweise wurde die tasmanische Komponistin „Kitty“ Katharine Parker im Hinblick auf ein größeres Publikum dem Vergessen entrissen, als die Sopransängerin Jane Edwards mit dem australischen Pianist und Multikünstler Ian Munro daran gingen, eine charakteristische Auswahl ihrer Lieder und Klavierstücke auf Tonträger vorzulegen, die 2004 realisiert wurde. Darauf enthalten sind auch ein spätromantisch-verspieltes Nocturne , das ein wenig…

  • Absolut unalltäglich

    Nur scheinbar unscheinbar: Abseits von den großen Sälen ging es im Festsaal des Kultur-Hauses Dacheröden anlässlich einer 11-Uhr-Matinee der Orchesterakademie des Theaters Erfurt ganz und gar unkonventionell zu: Drei ausgewählte Kammermusikwerke des 20. Jahrhunderts, die ziemlich selten zu hören sind, füllten den eher überschaubaren Raum. Die junge nachrückende Avantgarde des Theaters stellte dabei insbesondere der dritte Konzertteil, Luciano Berios knifflige…