Kategorie: Reviews

  • Gewürze aus dem Schmelztiegel

    Die achtköpfige Formation Loxandra, deren Stil an einem speziellen Platz im breiten Spektrum der World Music verortet werden kann, ist seit längerem ein Begriff im Mutterland Griechenland. Aber erst mit seinem am 20. April erscheinenden Album In transition emanzipiert sich die Band endgültig von der reinen Pflege vorhandenen Liedguts; es sind etliche Stücke auf der aktuellen CD, die…

  • Für Rätsellöser

    Das Zisterzienserkloster zu O* in einer Stadt Nordpolens beherbergte eine wertvolle Tabulatursammlung, die wohl um 1619 entstand und 329 Vokal- und Instrumentalstücke enthält, die dem „neudeutschen Stil“ zugeschrieben werden. Vermutlich haben drei Komponisten dazu beigetragen, unter anderem auch der hier gesuchte. Der um 1520 in eine Musikerfamilie hineingeborene Organist (der Vater wirkte als Lautenist) stammte…

  • Wunderwerk der Evolution und der Kunst: Die Hände einer Pianistin

    Sie wurde als eine der ersten Frauen in die Pariser Société des compositeurs aufgenommen und stand nun spätestens auf Augenhöhe mit den männlichen Kollegen. Die Rede ist von einer Schülerin Henri Herz‘, Marie Jaëll (1846 – 1925), die somit nicht das Schicksal ihrer gleichermaßen begabten Kolleginnen in Deutschland, etwa Clara Schumanns, vor allem aber Fanny Mendelssohn-Hensels, teilen…

  • Dauerhaft britisch verstärkt

    Erst kürzlich hieß es, das seit 1981 existierende Auryn Quartett wolle sich von der (Welt-)Bühne verabschieden. Und tatsächlich reicht laut Website der aktuelle Konzertkalender des gefragten Ensembles, das sich einst beim Amadeus Quartett in Köln das homogene Spiel unter Teamleitung der ersten Geige abschaute, zunächst nur bis Juni 2018. Mit innereuropäischen Reisen verbunden ist neben den…

  • Die dritte Notenzeile

    Die großpolnische Stadt Wągrowiec, mit etlichen malerischen Aussichten an der Kleinen Warthe und nördlich der Metropole Posen gelegen, wird in ihrem Zentrum durch ein altes Zisterzienserkloster überragt. Es entstand zwischen 1380 und 1396, als das ehemalige, seit längerem bestehende Klosterbetrieb von Łekno, 1215 in Oliva bezeugt, dorthin umgesiedelt wurde. In ihm wirkte um die Wende zum 17. Jahrhundert…

  • Unterwegs in Illinois

    In den Vereinigten Staaten gibt es nicht zuletzt dank der historisch gewachsenen kirchlichen Musikszene(n) ein reichhaltiges Repertoire an Stilen, das die jüngeren Komponisten heute ebenso nutzen wie ihre Vorgänger. Ein Beispiel dafür bietet der Hochschuldozent und Komponist Christopher Teichler.

  • 1651: Weltliches vom Götterhimmel

    Hier kommt jeder Dirigent, Regisseur oder Arrangeur in Verlegenheit: Wie soll man Opernpartituren aus der Zeit zwischen Jacopo Peri und Alessandro Scarlatti (letzteren ausgenommen) so einrichten, dass ein vielstimmiges Orchester barocken Ausmaßes ihn vollklingend spielen kann?

  • Ha(r)fenrenaissance?

    Ganz einfach hat man es nicht, geht man Spuren originaler Harfenmusik aus dem skandinavischen Raum nach. Immerhin gibt es aber das vierköpfige Ensemble Svanevit aus Schweden, das sich vom Repertoire der keltischen Harfe in ihrer Frühzeit inspirieren ließ. Tatsächlich gehen die ältesten bekannten europäischen Harfen auf den irisch-schottischen Raum zurück. Um 1500 dominierte noch die…

  • Molto espressivo ma moderato

    Überraschung ist garantiert, wenn man das Booklet der aktuellen Einspielung des ORF Radio-Symphonieorchesters aufschlägt und sofort konfrontiert wird mit zwei gutgelaunten hochrangigen Künstlern nebeneinander auf einem Foto von 1948, die außer ihrer synchronen Lebenszeit in Russland nichts miteinander gemein hatten, vielmehr „unfreiwillige“ Antipoden darstellten: Gemeint sind Dmitry Kabalevsky und Mieczyslaw Weinberg, der von der Musikkritik gerne…

  • Die Farben der Trompete

    Moment, war das Rossini oder Beethoven? In Joana Mallwitz‘ Interpretation der rhythmisch hochdifferenzierten 7. Symphonie in A-Dur des letzteren pflanzte sich an diesem Donnerstagabend im Falle der Ecksätze der Eindruck des weit gespannten Stufencrescendo in die Gehörgänge ein – und das war bekanntlich eines der Markenzeichen des Opernmeisters aus Pesaro. Eigentlich ganz unklassisch … Sollte sich Beethoven hier ganz…