Bald nachdem Pulitzer-Preisträger Leslie Bassett 1970 das Studio für elektronische Musik an der University of Michigan begründet hatte, sollte auch sein Schüler Joseph Ralph Pehrson von dieser, die ganze westliche Musikausbildung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so prägenden Neuerung profitieren. Der selbst aus Detroit gebürtige Klavierstudent qualifizierte sich anschließend unter anderem bei dem bedeutenden, aus russisch-jüdischer Einwandererfamilie stammenden Opern- und Symphonienkomponisten Elie Siegmeister in New York weiter.

Zusammen mit Patrick Hardish gründete Joseph Pehrson 1983 in New York das Unternehmen Composers Concordance, das auch in die Tonträgerproduktion einstieg; diese Sparte leitet er seither. Anfang der 1990er Jahre wirkte er für eine Zeit als „composer in residence“ an der University of Akron im Bundesstaat Ohio. Als maßgeblicher Musikjournalist schreibt er innerhalb des New York Composer Circle für verschiedene Fachzeitschriften und -zeitungen. Mit seinem eigenen Werk steht Pehrson für eine der inividuellen Strömungen in der amerikanischen Gegenwartsmusik ein, bezieht aber auch seit den Jahren als Studierender des Fachs Komposition elektronische Musik in sein Schaffen ein.

In diesem Genre war er mit wenigstens elf wichtigen Beiträgen seit 1974 kreativ; besonders seit 1997 beschäftigten ihn Kompositionen auf diesem Feld wieder intensiver, woraus Unheard (2000), Beepy (2001) und microproj (2007) hervorgingen. Einige Stücke sind auf der CD Electronical von 2007 greifbar.

Gegenüber Orchesterwerken wie Regions (1973), Manhattan Plaza Orchestral Painting (1988) und Chromakkordion (1995) und Indie (2012) nimmt seine Kammermusik, die eine gewisse Vorliebe für Horn, Trompete und Gitarre ohne „Berührungsängsten“ mit Pop-Instrumentarium erkennen lässt, einen umfangreicheren Platz ein: Hier trat er insbesondere mit programmmusikalischen, auf ein bestimmtes Thema fixierten Kompositionen in unterschiedlichen Besetzungen hervor. Nach dem auf Lukretius‘ gleichnamige Schrift bezogenen De rerum natura aus der Anfangszeit entstand 1987 das Concertino for Horn & Eight Instruments, seit 2000 neben anderen die Stücke Blackjinn, Liberations, Windjammer, Prodendurance, Good Time, Night Crawler, Parkside Meter von 2010 mit einer aparten Mischung aus Baritonstimme, Horn, E-Gitarre, Bass-Gitarre und Synthesizer sowie seiner Fantasy for Brass (2012).
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