Kategorie: Reviews

  • Das allererste …konzert und seine frühen Kinder

    Vielleicht war der Barockdichter und -komponist Johann Beer (1655 – 1700) der erste Kreative in der Musikgeschichte, der für das hier gefragte Instrument zusammen mit einem ähnlichen ein Doppelkonzert schrieb, das ungefähr auf 1680 zu datieren ist, da es nur in einer späteren Abschrift vorliegt. Die beiden Blasinstrumente kommen hier nur sparsam zum Einsatz und weisen…

  • Variety – highly recommanded

    Aus zwei Erdteilen und hinsichtlich ihrer Entwürfe doch (seelen-)verwandt: Die beiden, um die es geht, zeigen wenig Interesse an Tonsätzen, in denen sich nach festen Regeln aus einem ent- oder verborgenen Motiv Themen entwickeln, vielmehr setzen sie auf sukzessive Varianz entlang am Faden eines bestimmten Programms oder einer Idee. So treten Wiedererkennungseffekte selten ein, die Einsätze zu…

  • Pathos heißt Leidenschaft

    Die Begeisterung für ein musikalisches Werk muss nicht mit Gefühlsüberschwang, Getöse und Tastendonner einhergehen. Dieser Einsicht scheint auch die Pianistin des Freitagabends im Theater Erfurt gefolgt zu sein: Anders als es mancher Hörer von älteren Einspielungen gewohnt sein mag, entfaltete sich Jieni Wans Leidenschaft für Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll op. 16 aus der Substanz und…

  • Konklusion der Exklusiven: Südkorea und Europa

    Die Donaueschinger Uraufführung von Sori für Orchester machte die koreanische Komponistin Younghi Pagh-Paan Anfang der 1980er Jahre schlagartig weltbekannt. In Deutschland, wo sie nach ihrem Anfangsstudium der Musiktheorie und Komposition in Seoul dann bei Klaus Huber und Brian Ferneyhough die Fertigkeiten im Tonsatz und bei Edith Picht-Axenfeld im Fach Klavier perfektionierte, war ihre Ausrichtung fast ein Alleinstellungsmerkmal: Sie ergründete fortan…

  • Intuitive Musik – professionell gemacht

    Improvisationsmusiker Jerzy Kornowicz, neben anderen bedeutenden Künstlern wie dem Sampler Krzysztof Kittel und Trompeter Ryszard Latecki Mitstreiter des vor 17 Jahren begründeten Ensembles The Mud Cavaliers, war schon immer ein Komponist der Praxis. Die Band widmet sich in Verbindung mit Free-Jazz-Stilen intuitiver Musik, die sich aus ungewöhnlichen Aktionen „in Feld, Wald und Stadt“ und spontaner Kreativität speist und der…

  • Giselle: Spiegel des Balletts

    Das verträumte Mädchen Giselle wird immer wieder von seiner gebieterischen verstorbenen Mutter heimgesucht. Beistand findet sie nur bei einem alten vertrauten Freund, Albrecht, dessen Anwesenheit sie glücklich macht. Allerdings weiß ihr Bruder Hilarion, dass Albrecht, der mit Bathilde liiert ist, ihre liebenden Gefühle nicht erwidert. Im weiten Akt wird Hilarion wie Orest von den Erinyen…

  • Offene Kryptogramme

    Morgen ist es soweit: Das Label Solo Luminus entlässt unter dem Motto AEQUA, drei der neuesten Werke der Isländerin Anna Thorvaldsdottir aus musikpädagogischer Familie, via Distributoren in den akustischen Äther. Wiederum handelt es sich bei den ersten beiden um hochindividuelle Kompositionen für eine größere Formation, deren akribisch ausgearbeitete Faktur durch fein nuancierte und eigentümliche Klangereignisse auf lyrischer…

  • Aus dem Herzen des „schwarzen“ Kontinents

    Nicht alleine war Afrika evolutionsgeschichtlich die Wiege der heutigen Menschheit, seine Mitte hat auch ein Musikinstrument „geboren“, das ausschließlich und in keiner Variante außerhalb des „schwarzen“ Kontinents zu finden ist. Grundlage des Zupfinstruments ist entweder Eisen oder Rotang, eine endemische flexible Holzart.

  • Umerzählung in Noten

    Von göttlicher Herkunft soll Aktaion nach Diodor gewesen sein.  Den Sohn der Autonoë und des Aristaios, letzterer Spross aus der Verbindung Apollons mit der Nymphe Kyrene, bildet der Kentaur Chiron, ein Wesen halb Stier, halb Mensch (und daher zu einem Leben in der Wildnis verbannt) zum geschickten Jäger aus. Artemis, die für seinen Berufszweig zuständige Göttin, verwandelt…

  • Über die Stille hinaus

    Lässt sich noch weniger hören als die Absenz von Geräuschen und Klängen, wie lässt sich stummer Raumschall manipulieren, hat ein „Vakuum“ akustische Gestalt? Menschliche Stimme und traditionelle Instrumente stoßen im Pianissimo ab einem bestimmten Punkt an ihre Grenzen, deshalb scheint die Veränderung durch die besondere Beschaffenheit des umgebenden Raums und seine Eigenschaften reizvoll, um andere Höreindrücke zu gewinnen.…