Improvisationsmusiker Jerzy Kornowicz, neben anderen bedeutenden Künstlern wie dem Sampler Krzysztof Kittel und Trompeter Ryszard Latecki Mitstreiter des vor 17 Jahren begründeten Ensembles The Mud Cavaliers, war schon immer ein Komponist der Praxis. Die Band widmet sich in Verbindung mit Free-Jazz-Stilen intuitiver Musik, die sich aus ungewöhnlichen Aktionen „in Feld, Wald und Stadt“ und spontaner Kreativität speist und der sich hierzulande vor allem Markus Stockhausen bedient. Für die Realisation besonderer visueller und akustischer Arrangements haben die sechs Musiker zwei weitere Experten an Bord geholt.

Um sein Studium an der Musikhochschule Warschau mit Tadeusz Baird und Marian Borkowski zu ergänzen und zu erweitern, ging Jerzy Kornowicz, Jahrgang 1959, einst ans Königliche Konservatorium Den Haag, wo er in der namhaften Komponistenschmiede von Louis Andriessen ausgebildet wurde. Der jetzige Präsident des Polnischen Komponistenverbandes, im Amt seit 2003, lehrte selbst an der Marie-Curie-Universität in seiner Geburtsstadt Lublin und gastiert an manchen polnischen wie ausländischen Hochschulen.
Sein öffentlichkeitsorientierter Sinn als Komponist ließ ihn überwiegend für Theater, Film und Rundfunk arbeiten. Für die Mitgestaltung des Warschauer Herbsts arbeitete er mit dem Polnischen Rundfunk als Auftraggeber zusammen, über die Grenzen Polens hinaus mit dem niederländischen Orchester De Ereprijs, dem Joachim-Quartett und der Prager Philharmonie.

Bemerkenswert ist zudem, dass Kornowiczs Stücke – sie reichen von Solorepertoire für die Violine bis zum großen Orchester mit elektroakustischer Ausstattung – von epochemachenden Musikern wie der preisgekrönten Cembalistin Elżbieta Chojnacka, dem Dirigenten und Filmmusikkomponisten Jerzy Maksimiuk und dem polnischen Geiger Krzysztof Bakowski gespielt wurden. Engagements führten ihn weit durch die westliche Hemisphäre, nach Paris, Lille, Middelburg, Cheltenham, Bukarest, Kiew, Minsk, aber auch nach Tokio.
Hörprobe: Gulfoss für Kammerorchester und Elektronik
Ausgewählte Werke von Jerzy Kornowicz:
Interakcje (1982) für sechs Perkussionisten
Pisane w Polsce (1984) für Tonband
Relacja (1990) für Altflöte und elektronisches Echo
Mała Pavana (1993) für Violine und Klavier
Metanoja („Methan“, 1998) für Cembalo und Tonband
Cztery strumienie (2003) für Streicher
Sceny z bezkresu („Szenerien der Unendlichkeit“, 2006) für Instrumental- und Vokalensemble sowie Liveelektronik