Kategorie: Reviews

  • Opus clavicembalisticum muliebre

    Zu einer Zeit, in der die europäische „middle class“ infolge der Verselbstständigung des Bürgertums zunächst in den Städten deutlich anwuchs, erweiterte sich auch der kreativ-künstlerische Wirkungskreis der Frauen – zumindest im privaten Bereich und bei solchen, deren Ehemänner prosperierenden Geschäften nachgingen oder aus wohlhabend(er)en adligen Familien kamen. In der Regel bedeutete dies für die Töchter auch…

  • Quer (und mit langem Atem) durchs Repertoire

    Symphonic Bands, unter dem alternativen Namen Concert Bands bekannt, erfreuten sich im Lauf der letzten beiden Jahrhunderte insbesondere in Nordamerika großer Popularität; gemeint sind genau festgelegte Zusammenstellungen von Holz- und Blechblasinstrumenten in Verbindung mit Stabspiel und anderem Schlagwerk, wie sie von den Marching Bands anlässlich etwa von Festprozessionen verwendet wurden und werden.

  • Flammbares Relikt

    Halb Detektivgeschichte, halb Krimi-Thriller präsentiert sich der Stoff des Romans Der Name der Rose fast vierzig Jahre nach seinem Erscheinen in anderer, so nicht überall erwarteter, aber spektakulärer Form – nämlich als Musical. Dem norwegischen Duo Øystein Wiik und Gisle Kverndokk gelang, wie zur Premiere gestern Abend zu hören und zu sehen war, eine originelle und bewegte…

  • Wettbewerb der Stahlpfannen

    Einmal abgesehen davon, dass ein fast hypertrophes Angebot an Steel-Pan-Events (nicht nur) jeden Sommer und nahezu an jedem Abend die Insel Barbados, etwa das namhafte Calabash Cafe, beherrscht, bleibt der zentrale Stützpunkt für die jährlichen Wettbewerbe um den besten Auftritt der Steel Drummer doch Trinidad, wo das Instrument in den 1930er Jahren recht eigentlich erfunden wurde.

  • Gedankenschwer oder -verspielt

    An den Rand Europas wurde im Zweiten Weltkrieg und zur Zeit der sowjetischen Satellitenstaaten auch die Musik Mieczysław Weinbergs verdrängt; die mangelnde Beachtung seines Werks damals, das derzeit eine Renaissance erfährt, hat analog hierzu mit der kulturpolitischen Ausklammerung seiner ästhetischen Ausrichtung zu tun; Negierung und Diktat machten ihm in ähnlicher Weise das künstlerische Dasein schwer wie seinem…

  • Ein Miniaturakkordeon?

    Sie sieht im Vergleich zum voluminösen Akkordeon recht putzig aus und nahm dem Aussehen und Repertoire nach auf den britischen Inseln und in Zentraleuropa unterschiedliche Wege – was aber keineswegs als Plädoyer für einen Brexit herhalten sollte: Anders als ihre große Schwester verfügt die Concertina oder Konzertina auf der Seite der Bässe jedoch nicht über…

  • Griechisch klassisch

    Die nicht gerade kurzlebige Hoheit des Byzantinismus über die Kultur brachte es in Griechenland mit sich, dass die Kunstmusik, wie sie sich in der Sattelzeit zu entwickeln begann (und sich später emanzipierte), zu einem großen Teil auf Kirchenmusik baute, während sie zum anderen Teil auf nicht notierter Folklore fußte. Die frühe Phase der Orientierung an…

  • Markt der Möglichkeiten – und genutzter Chancen

    Ein Musterbeispiel für einen gut und pluralistisch funktionierenden internationalen Markt, der von Hegemonien nur leicht getrübt erscheint, ist derjenige der Tonträger: Sei es auf CD, Vinyl oder qualitativ (noch) hochwertige(re)n digitalen Medien im Internet, hier lassen sich auch die runderen Geburtstage namhafter oder noch im Schatten anderer stehender Komponist/inn/en an neuen Aufnahmen verfolgen – etwa…

  • Komet der Virtuosität und der Tonkunst: Clara Schumann

    Statt Robert Schumann steht dieses Jahr seine Frau Clara Wieck ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit, deren Produktivität als Komponistin zu Lebzeiten nicht anders als diejenige der meisten hochtalentierten Frauen, durch häufig zugemutete Verbannung in den häuslichen Bereich, leiden musste. Mit der Geringschätzung weiblicher Tonkunst zu ihren Lebzeiten, die etwa in der fehlenden Symphonik zum Ausdruck kommt, ging freilich der faktische…

  • Der Bananenbaum

    Sklavenaufstände auf Santo Domingo und die daraus resultierenden Unsicherheiten und Gefahren, die nicht zuletzt vom Establishment selbst ausgingen, zwangen die Großeltern des späteren Komponisten Louis Moreau Gottschalk von mütterlicher Seite zur Auswanderung in den Südosten der USA, und hier gerade in dessen Hochburg „schwarzer“ Musik, nach New Orleans. Dorthin hatte es seinen Vater, einen Anfang der…