Kategorie: Konzertreviews

  • Silvesterlaune vor Weihnachten

    Nicht alleine, dass die Kontrabässe sich in Adrian Müllers Inszenierung der beiden vergangenen symphonischen Abende am Theater Erfurt plötzlich hinter den ersten Geigen und der Harfe wiederfinden mussten (was sich raumklanglich als vollkommen sinnvoll erwies) – auf dem Plan stand auch komplett alljahrstaugliches, fast ausnahmslos selten im Saal gehörtes Repertoire. Dirigent und Programmteam vermieden geschickt jegliche Anspielung auf…

  • Pathos heißt Leidenschaft

    Die Begeisterung für ein musikalisches Werk muss nicht mit Gefühlsüberschwang, Getöse und Tastendonner einhergehen. Dieser Einsicht scheint auch die Pianistin des Freitagabends im Theater Erfurt gefolgt zu sein: Anders als es mancher Hörer von älteren Einspielungen gewohnt sein mag, entfaltete sich Jieni Wans Leidenschaft für Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll op. 16 aus der Substanz und…

  • Giselle: Spiegel des Balletts

    Das verträumte Mädchen Giselle wird immer wieder von seiner gebieterischen verstorbenen Mutter heimgesucht. Beistand findet sie nur bei einem alten vertrauten Freund, Albrecht, dessen Anwesenheit sie glücklich macht. Allerdings weiß ihr Bruder Hilarion, dass Albrecht, der mit Bathilde liiert ist, ihre liebenden Gefühle nicht erwidert. Im weiten Akt wird Hilarion wie Orest von den Erinyen…

  • Hoffnung, Verrückung und Erlösung

    Im Mittelpunkt des Konzerts am gestrigen Donnerstagabend standen Peter Maxwell Davies‘ Eight Songs for a Mad King, sicher nicht widerstandslos uraufgeführt Anno 1969. Extreme an den Rändern und den Spitzen der Gesellschaft, Inhalte wie die Tiraden eines verrückt gewordenen Königs zum Beispiel muss aber eine pluralistische Kulturlandschaft schon aushalten – sie tat es bereits im Falle von Shakespeares skurril-grotesken…

  • Unruhestifter im Hotel

    Als Regisseur beinahe zum Greifen nah stellte sich Regisseur Hendrik Müller nach dem Schlusstableau der gestrigen Erfurter Theaterpremiere von Fra Diavolo oder Das Gasthaus zu Terracina, situiert in den Abruzzen und uraufgeführt 1830 in Paris, dem Publikum vor.

  • Katalyse statt Analyse oder: Zauberer am Pult

    Sergej Rachmaninoffs Bonmot, im Programmheft des Theaters Erfurt von Ruth Hardt zitiert, Musik sollte „der Ausdruck der komplexen Persönlichkeit eines Komponisten“ und kein Ergebis theoretischer Konzeption sein, fand im offiziellen Antrittskonzert von Generalmusikdirektor Myron Michailidis an diesem Donnerstag- und Freitagabend lebhafte Bestätigung. Gleich einem Zauberer leitete der neue Chefdirigent und mehrfache Preisträger durch die nicht nur…

  • Paukenschlag zur neuen Brügger Saison

    Brüssels Philharmonisches Orchester geht mit seinem Chefdirigenten Stéphane Denève noch vor dem Kalenderherbstbeginn in eine neue Spieletappe, die vierzig Auftritte wiederum in den akustisch besten Sälen Belgiens und auf Nordamerikatournee umfassen wird. Den Anfang bestimmte am Samstagabend ein Programm der frühen Moderne und der Gegenwart: Neben Ralph Vaughan Williams‘ sonst eher selten gespieltem symphonischem Chorwerk Serenade…

  • Angeordnete Räumung

    Carmen ist nicht gleich Carmen: Vielmehr verfolgte Guy Montavon mit seiner Erfurter Neuinszenierung der Bizet-Oper zwei Ziele und mithin die Bewusstmachung weltweit anzutreffender Missstände, erstens (drastisch) greifbar in der erst vor einem Jahr von Behörden angeordneten Räumung der Frankfurter Gutleut-Brache mit Gebrauchtautos, in der Roma und Sinti lebten – und in eine viel zu kleine…

  • Dvořáks Programme

    Symphonische Dichtungen auf der Basis tschechischer Sagen, einige Stücke Kammermusik und die Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“: Dort, wo es um vorwiegend außermusikalische Programme oder aus folkloristischer Gebrauchsmusik Entstandenes wie die Slawischen Tänze und seine Böhmische Suite ging, wurde Antonín Dvořák konkret und vertiefte sich, auch um lyrische Stimmungen zu erzeugen, ins Detail.

  • Improvisationen und Monumente

    Jean-Luc Thellin, ehemaliger Student von Anne Froidebise am Königlichen Belgischen Konservatorium Brüssel, spielt in seinen Orgelkonzerten, die ihn des Öfteren weit(er) von Frankreich wegführen, gerne Improvisationen, deren Tradition im Falle dieses Instruments in den Melodien des Kirchenchorals begründet ist.