Kategorie: Konzertreviews

  • Tiefengestaffelt

    Anders als gewohnt standen am Donnerstag- und Freitagabend im Großen Haus des Erfurter Theaters die Präferenzen der Publikumsmajorität im Mittelpunkt: Gespielt wurde, wofür die Zuhörer die meisten Stimmen abgegeben hatten: Vielleicht nicht ganz wie erwartet entfiel praktisch die Hälfte auf tschechisches Repertoire der Romantik, hier allerdings die ohnehin meist aufgeführten Evergreens.

  • Was auch immer möglich ist: Grenzüberschreitungen im Elfenreich

    Wald und Stadt, Licht und Schatten, Schwarz und Weiss, Fantasie und Verstand, Gleichheit und Standesprivilegien: Polaritäten sind von Menschen erdacht und behauptet, doch besteht allzeit die Möglichkeit der Mischung und Einebnung des Ungleichen: In Shakespeares Schauspiel A Midsummer Night’s Dream erlaubt der Traum die Aufhebung der Gegensätze, insbesondere zur Konvention gewordener Hierarchien: Die drei zentralen Frauenbilder…

  • Mit Mut zu Neuem

    Bereits Anfang Februar dieses Jahres rückte er mit der Uraufführung seines Orchesterwerks Von Ewigkeit zu Ewigkeit ins Licht der Weimarer Öffentlichkeit: Der 1987 in Sydney geborene und aufgewachsene Alex Vaughan ist evangelischer Christ und nimmt gerne zentrale Aussagen der Bibel zum Anlass auch für rein instrumentale Stücke. Mut zu Neuem bewies am 23. und 24. Mai…

  • Bangen, Erkenntnis und Erlösung

    Tiefgründig Geheimnisvolles, schroff Lärmendes, ländlich Tänzerisches und elysisch Esoterisches verursachen beim Hören von Gustav Mahlers frühen bis mittleren Orchesterwerken immer wieder ein Wechselbad der Gefühle. So auch in der über den langen Zeitraum von nahezu sieben Jahren hinweg komponierten 2. Symphonie c-Moll (mit zahlreichen Nebentonarten).

  • Drei-Länder-Frühjahrsromantik

    Passen Komponisten immer ihre Ideen dem gewählten Stoff an oder ist es nicht öfter auch umgekehrt? Jedenfalls ging der nicht nur in Angelegenheiten des musikalischen Satzes recht unbeschwerte Hector Berlioz sehr frei mit Goethes Drama um, als er einzelne Szenen in seiner Opéra de concert mit dem Titel La Damnation de Faust, uraufgeführt in Paris Ende…

  • Missing Link: in Nordirland

    Kaum später als zur Wende 2018/19 wurde unser notgedrungen fragmentarisches Wissen über die Eigenart von nordirischer Barockmusik in ihren „besten Jahren“ um einen bedeutenden Fund erweitert. Obwohl an den nahen Grenzen die frostig-ungemütlichen Bedingungen eines nahezu alle bedrohenden Brexit ausgefochten werden, werkeln interkulturell aufgestellte Musik(wissenschaftl)er/innen unbeeindruckt weiter an lohnenden Aufgaben …

  • Rummel im Refugium

    Die Orte für den Rückzug aus hektischen Großstadtszenarien sind heute in einem breiteren geographischen Rahmen situiert, doch zu Ende der 1920er Jahre taten es auch die österreichischen Alpen als exotisches Remedium für die Seele, vorzugsweise St. Wolfgang mit dem See, notfalls ebenso der Müggelsee vor der Haustür, vom Zentrum Berlins vergleichsweise nur einen Katzensprung entfernt. Zwischen den nördlichen…

  • 42,2 km Mozart

    Ganz im Zeichen Mozarts standen der Donnerstag- und der Freitagabend der zurückliegenden Woche am Theater Erfurt. Da es sich erklärtermaßen um einen Langstreckenlauf handelte, reichte das Großevent bis in die tiefere Nacht hinein. Im Mittelpunkt stand nicht unbedingt das Wunderkind mit melodieseligen Evergreens, sondern eine facettenreiche Persönlichkeit, die, wie die Komposition des Musikalischen Spaßes als…

  • Im Aufwind: Ballon Familienoper

    Mit einer gewissen Verzögerung kann der Aufwärtstrend zum Musiktheater für Jüngere auch an deutschen Bühnen registriert werden. Ihm folgte etwa die gestrige Premiere von Pierangelo Valtinonis The Wizard of Oz (2016) nach der märchenhaften Erzählung des Amerikaners Lyman Frank Baum am Theater Erfurt, wiederholt zur familienfreundlichen Samstagsnachmittagszeit am 9. Februar 2019. Das von William Wallace Denslow originell…

  • Nicht nur 2002: Rückschritte im Fortschritt

    Ein vielversprechender Trend, der jedenfalls auf dem europäischen Kontinent noch nicht so ganz Fuß fassen konnte, ist die Verbindung zwischen Kunstvideo und Oper. In den Vereinigten Staaten, in Österreich dank seines Ideenpotenzials, ebenso in Griechenland oder Spanien, vor allem aber in Australien ist die pure Video-Oper schon fast Geschichte: Die dort deutlich fester etablierten experimentellen Szenen…