Kategorie: Konzertreviews

  • Epochenübergreifende Mandolinkünste

    Bachs für Mandoline arrangiertes Violinkonzert a-Moll stellte wohl nicht gerade eine technische Herausforderung an den Solisten dieses Donnerstagabends dar, wenn man einmal von der Schwierigkeit absieht, dem schnell verklingenden Ton des Zupfinstruments Dauer zu verleihen oder durch ornamentale Auflösung ein der Geige, Oboe oder Flöte gleichwertiges Melos zu erzeugen. Avi Avital, unumstrittener internationaler „Superstar“ der Mandoline…

  • Premiere mit Samttönen

    Premiere mit Samttönen

    Schnapszahl für eine von Satire, lyrischen Stimmungen und Ballett getragenen Musikkomödie: Mit hoher Wahrscheinlichkeit war es kein Zufall, dass 2017 die neue Inszenierung der Lustigen Witwe am Theater Erfurt (fast exakt) 111 Jahre nach ihrer Premiere in der Stadt 1906 und damit ein Jahr nach der Wiener Uraufführung wiederum hier platziert wurde. Und zwar als großer…

  • Destination Oper

    Es kann ein gutes Zeichen sein, wenn der Rezensent im Konzert für Bruchteile von Minuten einnickt. Es bedeutet, dass die Musik das kritische Ohr überwältigt und den Hörer in das Reich der musikalischen Träume entführt hat. So geschehen am Freitag, den 24. November, dem zweiten Abend des 4. Erfurter Sinfoniekonzerts in der Saison 2017/18 mit Beethovens Klavierkonzert…

  • Reaktionen auf Medea: Sympathie oder Abscheu?

    Der leibhaftige Kreon, nicht der mythische Bruder der Jokaste und Gegenspieler Antigones, ist König – nicht unbedingt „Tyrann“ – von Korinth und gibt sich in Euripides‘ Verschränkung beider vorherrschender Mythenkreise bzw. in der Vorlage des Librettos von François-Benoît Hoffman großzügig: Er gewährt Jason und Medea nach ihrer Flucht mit dem Goldenen Vlies aus Kolchis freundlich Asyl. Allerdings ist er…

  • Vom Gipfel eines Bergmassivs

    Zum ersten Mal überhaupt gastierte diesen Freitagabend Dirigent und Tanglewood-Professor Stefan Asbury am Theater Erfurt. Im Gespann mit dem einunddreißigjährigen ukrainischen Violinvirtuosen Valeriy Sokolov und dem perfekten Klangkörper des studioerfahrenen MDR-Sinfonieorchesters bot er seine ganz eigene Deutung von Sergej Prokofjews Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 in g-Moll aus dem Jahr 1935.

  • Die Aufklärung und ihre Antagonisten

    Genau genommen wurde die Idee für Mozarts 1791 uraufgeführte „große Oper“ nicht weit von Erfurt geboren, in dessen Region sie seit dem 30. September 2017, dem Premierentag, sozusagen wieder zurückgefunden hat: Die Grundlage bildet das französisch basierte, zwischen 1786 und 1789 entstandene Märchen Lulu oder Die Zauberflöte von Christoph Martin Wieland, der zum weiteren Kreis der Weimarer…

  • Italien-Spiegelungen

    Haben wir wirklich September? Angesichts des weiteren Abendprogramms in Joana Mallwitz‘ Konzert am Donnerstagabend mit Bachs (mutmaßlichem) Doppelkonzert für Violine und Oboe und Mendelssohns „Italienischer“ Symphonie Nr. 4 konnte man tendenziell Werke hören, die sich mit ihrem frühlingshaften Impetus eher für Ende April oder Anfang Mai eignen. Beinahe dasselbe konnte von Ottorino Respighis bunt-quirligen Feste Romane…

  • Mit jüdischer Seele

    Das Ensemble The String Company steht seit längerem für ebenso oiginelle wie bis ins Detail ausgefeilte Konzerte innerhalb der Klezmer- und Folkszenen. Die fünf Musiker, allen voran Marion Minkus als jiddisch singende Liedkünstlerin mit Soul-Stimme, Reinhard Schwalbe an jazzig angeschrägter Violine, Lev Guzman als Bratschist und Sänger, Gitarrist und Sänger Frank Truckenbrodt sowie Friedemann Seifert am Bass…

  • Verdichtetes Mittelalter

    Verdis 1853 in Rom uraufgeführtes Bühnenwerk Der Troubadour ist auch in Erfurt mit seinem jungen neuen Theater schon seit langem Bestandteil des Stadtrepertoires: Anlässlich der Iga 66 wurde es vor 61 Jahren schon einmal an derselben Stelle, nämlich auf dem Domplatz, aufgeführt. Die historistisch beeinflusste Mittelalter-Mixtur ist geradezu der finale Prototyp aller romantischen Projektionen des…

  • … und noch ganz anders

    … traten einige Musiker des Philharmonischen Orchesters Erfurt am Freitagabend auf: nahezu unerhört „modern“ zudem für eine ansonsten ganz klassisch ausgerichtete Truppe. Die Spannbreite ließ sich dabei schon am Motto des Programms ermessen: Von der Gabrieli-Canzone bis zur Souljazznummer Skyfall aus dem gleichnamigen James-Bond-Film Nr. 23 von 2012 gelang, mit zwei Schwerpunkten auf Renaissance mit Barock sowie Big-Band-Sound,…