Kategorie: News

  • Rokokomusik in Estland – eine Leerstelle?

    Staatliche Unabhängigkeit ist das eine – die beiden nördlicheren baltischen Länder erreichten sie erst 1991. Künstlerische Souveränität dagegen lässt sich, auch wenn sie sich vorübergehend „im Untergrund“ behaupten muss, leichter erringen. In der Folklore dominierten lange die sicherlich ins frühe Mittelalter zurückgehenden Runenlieder, neuzeitlich abgelöst durch moderne Gesänge in endgereimter Strophenform.

  • Innovation der Avantgarde: gedacht, getan

    Maßgeblich verantwortlich für eine nicht nur kleine Revolution in der Musik waren am Mannheimer Hof des frühen 18. Jahrhunderts jene Musiker und Komponisten böhmisch-mährischer Herkunft, allen voran sicherlich Carl Stamitz – man denke beispielsweise an die „Rakete“ (welche noch Rossini gerne starten ließ). In den letzten Jahren des Säkulums der Aufklärung versuchte sich Beethoven an der Dekonstruktion der…

  • Entfremdet oder zuhause: in Europa

    Inmitten unseres Kontinents, an Münchens Hochschule für Musik und Theater lehrt die in Athen ausgebildete Pianistin und Dirigentin Konstantía Gourzi Komposition. Ihre Schaffensbiographie spiegelt Fremde (als Heimat), Entfremdung und Vertrautheit gleichermaßen; als Künstlerin spannt sie ein Trapez zwischen Orten in Europa ebenso wie zwischen Existenzen von Menschen, die dort, teils ihrer Herkunft entfremdet, leben. Unter anderem dokumentiert…

  • Neues wird gewagt

    Experimente und Innovationen tun der europäischen Bühnenlandschaft gut – und so macht das ohnehin modern und zukunftsweisend aufgestellte Erfurter Theater mit seinem regen Opern-, Konzert- und Musicalbetrieb einen weiteren Schritt nach vorn. Mila van Daag und Markus Weckesser stellten am Freitag ihr Konzept vor, das für die Studio-Bühne eine Revolution bedeutet: Die bislang frontal und…

  • (Be)rauschend und volltönig: das Cymbalom

    Vom griechischen κύμβαλον abgeleitet machte das Zimbalon insbesondere im südost(mittel)europäischen Raum Karriere; aus diesem Grund sind etwa die rumänischen, russischen und polnischen Begriffe der Ursprungsbezeichnung ziemlich ähnlich. Eigentlich handelt es sich um ein geklöppeltes Hackbrett, wie es seit langem in den Ensembles von Zigeunerfamilien üblich war. Im Land, das ihm den Namen gab, gehörte zu…

  • Günstiger Wind für Klassik: Frühling in der Luft

    In den Vereinigten Staaten leistet sich eine gut aufgestellte Privatwirtschaft (danach die öffentliche Hand) nicht nur Windkraftanlagenbau, es gibt auch viele kleinere und größere Ensembles, die ihrem Hörerpublikum mit Holzblasinstrumenten Wind machen. Aber nicht nur mit diesen: Dirigent Adam Brennans Great Lakes Wind Symphony – ansässig im Bundesstaat Pennsylvania – beschäftigt im gemäßigten Umfang zusätzlich Blechbläser,…

  • Bangen, Erkenntnis und Erlösung

    Tiefgründig Geheimnisvolles, schroff Lärmendes, ländlich Tänzerisches und elysisch Esoterisches verursachen beim Hören von Gustav Mahlers frühen bis mittleren Orchesterwerken immer wieder ein Wechselbad der Gefühle. So auch in der über den langen Zeitraum von nahezu sieben Jahren hinweg komponierten 2. Symphonie c-Moll (mit zahlreichen Nebentonarten).

  • Pasillos de Panama

    Schon als Musiker an Gitarre, Saxophon und Klarinette war José Luis Rodríguez Vélez (1915 – 1984) außerordentlich vielseitig, hinzu kam später seine Zusammenarbeit mit dem Orquesta El Patio, das er selbst gegründet hatte und zahlreiche Auftritte als Chorleiter. Er komponierte darüber hinaus Tanzbares jeglicher Couleur, das in Panama, jenem Land der Größe Bayerns am Südwestrand der…

  • Finnischer Meister der Instrumentation

    Seine Klarinettenkonzerte hätten neben Vater und Sohn Baermann vielleicht sogar Carl Maria von Weber erblassen lassen: Nicht nur in kontrapunktischer Hinsicht, ebenso in puncto Spielvirtuosität und Melodienreichtum konnten die Werke des Finnen Bernhard Henrik Crusell (1775 – 1838) den Zeitgenossen und Erben der Wiener Klassik vollkommen die Stirn bieten.

  • Salterio-Noten: Im Entdeckungsmodus

    So dunkel kann selbst das Mittelalter nicht „getönt“ haben, wenn es ein Instrument mit so viel Klangmagie wie das (in der Antike verwurzelte) Psalterium hervorbrachte, das zunächst übrigens zu den Lauten gerechnet wurde. Die italienische Bauart des Salterio taucht urkundlich erstmals 1723 auf, obwohl es zuvor und – bis heute folkloristisch etwa im Alpenraum –…