• Physikalisch und javanisch inspiriert

    Phlogistón bedeutet „das Verbrannte“ und meint im 17. Jahrhundert eine Materie, die bei Erwärmung einem Objekt entweicht und bei Erwärmung in sie eindringt. Obwohl eine solche Substanz nicht existiert, ließen sich mit ihr doch die Eigenschaften von Gasen besser verstehen und der Oxidationsvorgang erklären; zudem führte sie zu einer Systematisierung der Stoffgruppen, die Basen und…

  • Karrieren der Musette

    An ihrem liegenden Bass, auch als Bordunquintenbass bezeichnet, ist die französische Musette als einer der im 17. Jahrhundert weit verbreiteten Tänze leicht erkennbar. Ebenso eignet ihr ein wiegender, schwingender Rhythmus, der unmittelbar ihre charakteristische Ausführung vor Augen führt. Dieser wird passend durch die kreisenden Bewegungen der Melodie ergänzt. Besonders markant treten ihre Merkmale in der Besetzung durch die Musette-Sackpfeife oder die…

  • Stradivaris Kniffe

    Eine Forschergruppe um Jean-Philippe Echard, tätig am Musée de la musique in Paris, und Loïc Bertrand von der Firma Ipanema in Gif-sur-Yvette konnten jetzt ein „Geheimnis“ lüften: Antonio Stradivari (1644 – 1737) benutzte zur Generierung des braun leuchtenden Lacks für seine einzigartigen Geigeninstrumente um den Anfang des 18. Jahrhunderts weithin bekannte und leicht zu beschaffende Stoffe. Über eine…

  • Die eigentliche Hymne der Cayman-Inseln

    Auch auf den drei britischen Cayman Islands, die nordwestlich von Jamaica zu verorten sind, war es noch im vorigen Jahrhundert keineswegs selbstverständlich, dass Frauen offiziell und mit Erfolg komponierten. Gerade die „Nationalhymne“ der Inseln geht aber auf eine indigene, klassisch gebildete Musikerin, nämlich auf Leila E. Ross-Shier (1886 – 1968) zurück. Neben God save the queen ist das…

  • Was der Kulturstall zu bieten hat

    Was der Kulturstall zu bieten hat

    Obwohl Gioacchino Rossini – übrigens unter Skrupeln – 1816 (letztlich ungleich erfolgreicher) dem gefeierten Neapolitaner Giovanni Paisiello mit seiner Version des Barbiers von Sevilla die Butter vom Brot zu nehmen trachtete, konnte er es zunächst nicht schaffen, den bereits populären Vorgänger von 1782 zu übertrumpfen. Ebendas hätte ihm in Rom, einer Hochburg gerade dieser Oper, auch niemand verziehen. Rossini respektierte…

  • Chorstimmen, Trompetenklänge und Tastentöne

    Als erster veröffentlichte Gustaf Düben der Ältere vom Generalbass begleitete Lieder in schwedischer Sprache. In seiner immens umfangreichen Sammlung von 1674 mit 1800 (!) Beispielen überwiegen aber noch die Vokalwerke deutscher und italienischer Meister. Bis zu dieser Epoche überwog am Hof tatsächlich noch das Interesse an westeuropäischer Musik aus anderen Ländern – was sich an der großen…

  • Dramatisch, sonst überwiegend heiter

    Einen witzigen Zugriff zeigt der junge Pianist Alexej Gorlatch in der neuen Aufnahme der sonst eher selten und schon gar nicht auf Tonträger vorhandenen Werke Strawinskys für Klavier mit Orchester, wobei er am Schluss als Zugabe noch die umfangreiche Sonate in fis-Moll im Alleingang hinzufügt. Die Abfolge der Werke wurde von Alondra de la Parra, die hier…

  • Für volles Orchester – vom Meister des „magischen Realismus“

    Unter großem Beifall überreichte die brasilianische Kulturministerin Marta Suplicy den begehrten Orden um kulturelle Verdienste für das Land an Marlos Nobre. Der bereits 2005 mit dem begehrten Preis Tomás Luís de Victoria ausgezeichnete Komponist aus Recife bevorzugt das Komponieren für Orchester mit Solisten, daneben entstanden nur verhältnismäßig wenige Werke für Kammerbesetzung, Klavier und Geige allein oder…

  • Island bis zur Avantgarde

    Bedingt auch durch die Dominanz der norwegischen, dann der dänischen Kulturpolitik auf Island konnte sich hier eine idiomatische musikalische Sprache erst spät entfalten. Bis ins 19. Jahrhundert wurde sie von Kirchenmusikern getragen, daneben von Laien. Dementsprechend blieb das Repertoire begrenzt auf Volkslieder, Choräle und Chorstücke. Auch ein akademisches Musikstudium wurde erst viel später ermöglicht. Bis dahin…

  • Melos-Experimente: Katy Abbotts ideenorientiertes Komponieren

    Nicht zuletzt der beinahe wirklich in allen Sparten beschlagene Stuart Greenbaum – seien es geistliche Chorwerke, Kammermusik für Saxophon und Klavier oder schmissige Big-Band-Nummern wie Vodka meets a Martini – dürfte als Hochschullehrer Katy Abbott maßgeblich beeinflusst haben: Die Komponistin genießt in Sydney und ganz Australien einen besonderen Ruf als Darstellerin heimatlicher Aspekte und vor allem der menschlichen Natur …