• Die Kirchenmusik und ihre Konzer-Tanten

    Ein Trend schon vor mehr als 150 Jahren: Geistliche Musik tummelt sich heute gerne auch außerhalb der Dome, Klöster und Wallfahrtskirchen in weltlichen Konzertsälen. Für diese wurde sie gelegentlich auch geschrieben, wenn Komponisten andere akustische Voraussetzungen intendierten, etwa einen hallärmeren, konzentrierteren Klang. Und schließlich gab es auch eine Verschiebung innerhalb der Sphären: Weltliche Kantaten und Oratorien entstanden, die ihrem…

  • Elektroakustik und Oper – Zwei Welten?

    Der aus Rio de Janeiro gebürtige Violinist und Dirigent Jorge Antunes preschte mit einer Mode der Nachkriegszeit, der elektronischen Musik, für sein Land nach vorne und war damit der erste Brasilianer, der die Möglichkeiten der modernen Studiogeräte konsequent einsetzte. Ihre spezielle brasilianische Ausprägung setzte sich mit der Bezeichnung Música Cromofônica landesweit durch. In Europa schenkten…

  • Galant nicht nur am Hof

    Mit ihrer Debut-CD Au bal galant aus diesem Jahr haben die auf Alte Musik  spezialisierten Musiker der Formation Les Matelots in dreifacher Hinsicht einen Volltreffer gelandet: Das hier in opulentem Umfang dargebotene und vielfältige Repertoire ist praktisch unbekannt, nur von den wenigsten der Stücke war bisher durch Tonträger überhaupt Kenntnis zu erlangen. Zudem werden die Beispiele nach bestem Wissen über…

  • Markante Anfänge

    Geht man von den Signalwirkungen der skandinavischen Luren oder der Hörner, die zur Jagd blasen, aus, so liegt es nahe, dass sie als Muster für Satzeinleitungen in der Kunstmusik gedient haben könnten. Vollends bestätigt sich dieser Eindruck des Fanfarenmotivs am Anfang gerade eines größeren Werks, wenn wir an den Beginn von populären „Dauerbrennern“ wie Monteverdis L’Orfeo, Janáčeks…

  • Spielarten der Courante

    Ihre Blütezeit feierte die mit einem Auftakt versehene geschwinde Courante in Frankreich schon ab 1600 und rückte dort bald zum wichtigsten Tanz überhaupt auf. Dies zumindest erwähnt Marin Mersennes auch musikpraktisch angelegtes Handbuch Harmonie universelle von 1636. Die ursprüngliche, etwas rumpelige Derbheit verlor sie in ihren leichtfüßigeren Versionen am Hof Ludwig XIV. rasch. Nach der Ouvertüre…

  • Musik über Grenzen hinweg

    Der schwierigen Lage Griechenlands zum Trotz, die noch durch die Flüchtlingswelle verschärft wird, äußert sich der mittlerweile 90jährige griechische Dirigent und Komponist weiter zu politischen und wirtschaftlichen Fragen. Er kämpfte einst für die Freiheit von der Diktatur und bekam den Hass der Mächtigen zu spüren ebenso wie er es später, als er sich in der…

  • Playing for Columbia

    Nachdem das Internationale Musikfest im kolumbianischen Cartagena wiederum für großes Aufsehen und zahlreiche Zuhörer gesorgt hat, ist weiter viel Bewegung in den heimischen klassischen „Szenen“. Werke von Komponisten wie Antonio Murga und seiner Kollegin Jacqueline Nova, die bereits im Alter von 40 Jahren in Bogotá an einer schweren Krankheit starb, gelangen regelmäßig zur Aufführung. Stücke für Klavier…

  • Blechbläserfanfaren neben dem Kutschwagen

    Auch zum 15. Bestehen des pompös und mit zahlreichen Etiketten und Orden bespickten Barockfests in Gotha sprach das Bürgertum nebst Stadthonoratioren und sogar Hamburger Kaufleuten als Gästen aristokratisch gewandet bei Herzog Friedrich III. vor. Am Samstag entfaltete sich wieder ein in allen Spektralfarben schillernder Blumenstrauß (mit abschließendem Feuerwerk) vor dem edlen Publikum. Nachdem am Samstag,…

  • Einsteins Traum in Musik

    An Cindy McTees prägnanten Charakterstücken, dem California Counterpoint etwa, den Ballets for Band, Finish Line oder Fanfare zeigt sich, dass die aus dem Bundesstaat Washington stammende Komponistin, die übrigens seit vier Jahren mit dem Dirigenten Leonard Slatkin verheiratet ist, ästhetisch „(n)irgendwo“ zwischen Leonard Bernstein und Elliott Carter anzusiedeln ist. Aus den europäischen Studienjahren bei Krzysztof Penderecki…

  • Profilzeichnungen am Flügel

    Vor dem geistigen Auge des Zuhörers entsteht das individuelle Profil einer Komposition und seines Urhebers in deutlichen Umrissen – wenn er nämlich Marc-André Hamelins Interpretationen folgt. Dabei versteht es der Pianist, gleich ob er Godowsky, Busoni oder Beethoven spielt, die verborgen liegenden Wesenszüge des jeweiligen Werks an die Oberfläche zu heben. Konträr zu einer nur vorlagengetreuen und…