• Taljaard’s Tales

    Seine Chormusik basiert zum größten Teil auf Versen in Afrikaans, doch liegt mit Thula Sthandwa für zwei verschieden gemischte Besetzungen auch ein Beitrag in der historisch indigenen Landessprache vor: Hannes Taljaard aus Siloam im südafrikanischen Bundesstaat Venda macht in den durch niederländischen Einfluss in seiner Heimat „sesshaft“ gewordene europäischen Genres gerne afrikanische, aber auch arabische…

  • Carriacou: „Große Trommel“ und kleine Quadrille

    Die Region der Grenadinen innerhalb der Gruppe der Antillen „über dem Winde“ verfügt über etliche nahezu unbewohnte Miniatureilande. Der geographischen Zersplitterung zum Trotz gibt es dort ein Zentrum, nämlich die von etwa achttausend Menschen bevölkerte Insel Carriacou, die mit Hillsborough eine eigene Hauptstadt aufweisen kann.

  • Hoffnung, Verrückung und Erlösung

    Im Mittelpunkt des Konzerts am gestrigen Donnerstagabend standen Peter Maxwell Davies‘ Eight Songs for a Mad King, sicher nicht widerstandslos uraufgeführt Anno 1969. Extreme an den Rändern und den Spitzen der Gesellschaft, Inhalte wie die Tiraden eines verrückt gewordenen Königs zum Beispiel muss aber eine pluralistische Kulturlandschaft schon aushalten – sie tat es bereits im Falle von Shakespeares skurril-grotesken…

  • Nahe dem Gefrierpunkt

    Abgesehen von einigen mehr als nur ungemütlichen Aspekten der nordischen Zonen Russlands, man denke an „Archipel GULAG“, finden Kreative klassischer Couleur auch hier ihre Mus(s)e. So arbeitete etwa der gefeierte, aus der Südostukraine stammende Komponist Yuri Kunets, den sowohl traditioneller Jazz als auch die romantische russische und ältere Musik Mitteleuropas prägte, zehn Jahre lang als Orchesterleiter in…

  • Klangerzeuger – made in USA

    Das Schrubben auf dem Waschbrett mit der Absicht rhythmischer Grundierung ist wohl nur das banalste Beispiel für originäre Musik vom amerikanischen Kontinent. Hingegen dürfte der Waschwannenbass, insbesondere unter dem deutschen Begriff, nicht überall ein Begriff sein. Das einfache stangenförmige Zupfinstrument erinnert ein wenig an das im 17. Jahrhundert von der Bildfläche verschwundene Trumscheit, allerdings läuft es…

  • Vorzugsweise freie Formen

    Hängt es möglicherweise mit der historischen Kongruenz von Haus- und Kammermusik zusammen, dass ein namhafter australischer Musikwissenschaftler, Larry Sitsky, Komponisten in Bausch und Bogen als Pragmatiker bezeichnet, die für (unmittelbar) verfügbares Instrumentarium schreiben, nach passenden Gelegenheiten, die sich nicht vorrangig nach Kalender- oder Kirchenjahr richten, sondern mehr nach persönlichen Bezugnahmen und den Umständen vor Ort: Wo nur Orgel, Chor…

  • Gesungene Worte – für jeden Kalendertag

    Rekordverdächtige Leistungen wollten vielleicht gerade in der Renaissance aufgestellt werden, denn begabte Künstler, Naturwissenschaftler oder Schriftsteller wie Leonardo da Vinci suchten in ihrem neuhumanistischen Verständnis, nach dem der Mensch nicht länger nur ein Staubkorn in Gottes Schöpfung sei, sondern wegen seiner spezifischen Fähigkeiten als Allrounder verschiedenste Wissensgebiete im theoretischen wie im praktischen Sinn bedienen sollte,…

  • Unruhestifter im Hotel

    Als Regisseur beinahe zum Greifen nah stellte sich Regisseur Hendrik Müller nach dem Schlusstableau der gestrigen Erfurter Theaterpremiere von Fra Diavolo oder Das Gasthaus zu Terracina, situiert in den Abruzzen und uraufgeführt 1830 in Paris, dem Publikum vor.

  • Rondeau rund um die Republik

    Anlässlich der diesjährigen Barockkonzerte vom 11. bis 14. Oktober im urig-nostalgischen Städtchen Neuburg an der Donau entfesseln zwei duettierende Cembalosolistinnen zum Abschluss am bayerischen Wahlsonntag ein wahrhaftig prasselndes Feuerwerk aus der Repertoirekiste der Alten Musik:

  • Gegen den Strich zu bürsten?

    Auch Interpretationsmoden kommen und gehen. Wurde früher die (vermeintliche) „Eigenart“ eines Werks überbetont, frisiert frau/man heute gerne gegen den Strich, bei süffigen sanglichen Melodien wird der Sopran zurückgeschraubt, bei bombastischer Akkordik das Fortissimo minimiert und polyphone Strukturen hörbar gemacht, im Falle ohrenfällig schwerfälliger Diktion das Tempo beschleunigt. Vielleicht sollten öfter einmal die anderen Seiten einer Komposition…