• Einfach fagöttlich

    Noch mit dem Kammermusikarrangement der Carmen-Suite von Georges Bizet in den Gehörgängen erinnert sich der Hörer dankbar an den einzigartigen Ton des Fagotts über dem Klavier: klagend, gleichzeitig brummend, ironisch schräg, auch mal der Klezmer-Klarinette ähnlich und klanglich einige Nuancen klarer und geschliffener als die meisten Holzbläserverwandten im Orchester. Längst hat das unnachahmliche Instrument auch über dem…

  • Improvisationskunst: Trio Giannouli

    Ihre Ausrichtung hin auf neomediale und verschiedene Künste verbindende, prinzipiell performativ ausgerichtete Formate lässt an Trends in der australischen Gegenwartsmusik denken: Die Griechin Tania Giannouli, Jahrgang 1977, bewegt sich als klassisch und auch in den theoretischen Fächern ausgebildete Pianistin zwischen progressiver Video Sound Art und teils komplett improvisierten Aufführungen, letztere auch auf elektroakustischer Basis. Schrieben…

  • Elegisch und pastoral bis munter

    Ianua – Die Tür zu einem neuen Jahr mit zahlreichen Konzerten führte Anhänger des manchmal melancholisch näselnden, ebenso aber heiter sprudelnden oder bukolisch quakenden und seltener auch jazzaffinen Tons der Oboe am 9. Januar zunächst nach Basel, wo das Capricornus Consort Basel in der Peterskirche der Stadt mit der exzellenten Oboistin Katharina Arfken, Professorin an der Schola…

  • Primat(en) der Unterhaltung

    Jede/r kann noch mit dem Blick aufs Heute bestätigen, was der österreichische Philosoph Robert Pfaller vor wenigen Jahren festgehalten hat: In den öffentlichen Unterhaltungsmedien vom Buch in jedwedem Format über das Internet bis zum Fernsehen dominiert der tragische Diskurs in einer Größenordnung von um die achtzig Prozent. Aber warum werden eigentlich so viele Krimis und Thriller produziert? Ausgehend…

  • Eine singuläre Stimme: aus Europas Südwesten

    Berta Cándida Alves de Sousa (1906 – 1997) kann als eine der ganz wenigen erfolgreich Kunstmusik komponierenden Frauen Portugals im 20. Jahrhundert gelten. Sie schuf solistische Klavierstücke ebenso wie Kammermusik für zwei oder drei Instrumente, in der Regel für Cello und Klavier, Orchesterwerke, geistliche Vokal- und Chormusik, später ein paar bedeutende Werke für die Bühne, darunter…

  • Brücken und Identitäten

    Wissenschaftlerinnen der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien aus verschiedenen Sonderfachgebieten und zwei männliche Teamkollegen führten bis 2018 die ausgedehnte Ringvorlesung „Transkulturalität_mdw“ durch. Sie resultierte in dem Sammelband Transkulturelle Erkundungen. Wissenschaftlich-künstlerische Perspektiven, der vergangenen November im Haus Böhlau erschien.

  • Caribe vestrum – unter kubanischer Flagge

    Vor ziemlich genau elf Monaten erschien das für Aufsehen sorgende Album Caribe nostrum. Gemeinsam mit ihrem gleichnamigen Quintett stellte Jenny Peña Campo dem internationalen Publikum neun nicht allzu bekannte Stücke vor, mit denen sich Nichtinsulaner in die lebendigen Szenen zeitgenössischer kubanischer Kunstmusik und traditioneller Liedpraxis hineinversetzen konnten. Die Dramaturgin, Schauspielerin und Sprecherin Johanna Wokalek inszenierte für…

  • Klavierwunder

    Sicherlich hatte der hochtalentierte Vierjährige zusätzlich Glück mit seiner häuslichen Betreuung, die mit ihm sang und sein längst begonnenes Klavierspiel weiter beförderte. Jedenfalls: Der Moskauer Vorschüler bewährte sich damals sehr rasch und mit ebenso großem Ehrgeiz wie technisch-künstlerischer Begabung; sein Aufstieg als Pianist gleicht dem eines Kometen. Schon mit acht Jahren erreichte er beim britischen Juror…

  • Travestie unähnlich Parodie

    Die seit der Antike gängige Weigerung von Autoren und Dramaturgen, dem weiblichen Geschlecht Rollen auf der Bühne zuzugestehen, reicht über das Mittelalter hinaus bis weit in die frühe Neuzeit hinein. Männer als Frauen, das war üblich, aber Frauen als Männer? Beiderseitige Travestien sind nicht zuletzt dem im 16. Jahrhundert aufblühenden englischen Theaterwesen zu verdanken, das allerdings…

  • Klangdesignerin des Videospiels

    Fürstenhof und Filmbabel weisen in wenigstens einem Punkt Gemeinsamkeiten auf: Künstler, die dort arbeiten, verwirklichen dort weniger sich selbst und ihre persönlichsten Interessen. Wünscht König X eine Suite fürs Ballett, (f)ordert Herzog Y eine Messe, befiehlt Regisseur Z eine synchron pedantisch an sein Filmepos angepasste musikalische Begleitung zur Unterstützung der Dramaturgie. Etwas anders verhält es sich im…