• Triumph des Samba

    Es war zunächst die Sängerin Carmen Miranda, die ab 1940 mit dem genuin brasilianischen Samba amerikanische Musikbühnen und Tanzsäle zu erobern begann. Kurz zuvor hatte schon der Jurist, Sportreporter (sic!) und Komponist Ary Evangelista Barroso mit dem Titel Aquarela do Brasil seinen größten Hit gelandet; dieser kam Walt Disney auf einem Brasilien-Besuch zu Ohren, worauf er ihn 1942…

  • Sichtbare Referenzen – unhörbare Zusammenhänge?

    Seit im Rahmen der Digital Humanities auch an die Musikwissenschaft die Frage nach der Kontextualisierung mimetischer Elemente, Formeln, Sequenzierungen, Varianten und Metamorphosen innerhalb eines „geschlossenen“ Werks oder Zyklus gestellt wird, sind konzise Analysen von Zusammenhängen möglich selbst und gerade dann möglich, wenn der akustische Sinn dabei ausgeschaltet wird und eine Maschine „taub“, aber äußerst präzise für uns…

  • Enklaven des Karnevals

    Am 5. März ist es wieder soweit: Der Karneval wird mit dem Faschingsdienstag noch einmal hochgejubelt und ausgeläutet, um für ein Jahr in der Mottenkiste zu verschwinden. So selbst im anglikanisch dominierten Süden Großbritanniens, wo es an diesem Tag schon seit dem 16. Jahrhundert, ähnlich wie auf dem Kontinent, die Sitte des Essens von Krapfen…

  • Nicht nur 2002: Rückschritte im Fortschritt

    Ein vielversprechender Trend, der jedenfalls auf dem europäischen Kontinent noch nicht so ganz Fuß fassen konnte, ist die Verbindung zwischen Kunstvideo und Oper. In den Vereinigten Staaten, in Österreich dank seines Ideenpotenzials, ebenso in Griechenland oder Spanien, vor allem aber in Australien ist die pure Video-Oper schon fast Geschichte: Die dort deutlich fester etablierten experimentellen Szenen…

  • Irish Sheridan, British Wilde: dennoch in Brexit-Zeiten

    Rücken manche großen Würfe des Musiktheaters wegen ihrer Kürze an den Rand des Geschehens? Es mag sein, dass der Einakter mit seinen Wurzeln in den Vaudevilles wandernder Ensembles von seinem gewissermaßen inoffiziellen Charakter einiges zurückbehalten hat.

  • Vorgeschmack?

    Zu den bisher gefundenen 45 gesellen sich nun zwölf weitere, erst kürzlich entdeckte Orgelkompositionen aus Giacomo Puccinis Feder. In gewisser Weise stellen auch sie eine Vorstufe zu Motiven und Melodien in den späteren Opern dar; nicht zufällig schrieb der junge Organist aus Lucca 1876 zunächst ein symphonisches Präludium, das aus seiner Praxis als noch nicht volljähriger…

  • Nachdenklich, engagiert, einfallsreich

    Das vergleichsweise junge Warschau musste über Jahrhunderte gegenüber Krakau, wo die Künste bis heute kein Mauerblümchendasein fristen, zurückstehen. Und dennoch gibt es seit längerem in der wirtschaftlich brummenden Metropole des Landes auch genügend Nachwuchs etwa an Musikschaffenden. Zu den produktiven neueren zählt die avantgardistisch und klassisch ausgerichtete Operndirigentin Klaudia Pasternak, deren Werk quer durch Polen von bedeutenden…

  • Überraschungsei der Hörerlebnisse

    Die Schweiz versetzt einen, schaltet man eidgenössische Radiosender ein, angesichts der ungeahnten Fülle von Symphonien und Kammermusik in Staunen, noch mehr, dass man anders als von allseits medial präsenten Klangkörpern wie dem Orchestre de la Suisse Romande von den Namen der TonschöpferInnen bisher wenig gehört oder gelesen hat. Berücksichtigt man das nicht nur im 18. Jahrhundert (allerdings besonders in…

  • Impulse aus der Hauptstadt

    Wenn es um Aktivitäten und die Entwicklung auf kunstmusikalischem Sektor geht, scheint die Kapitale hinter pulsierenden Kulturzentren wie Sydney und etwas dahinter Melbourne beinahe zu verschwinden. Dabei verfügt Canberra, das mit Deklarationsdatum 5. Mai 1927 als eine der jüngsten Welthauptstädte überhaupt gelten kann, selbst über Konzerthäuser und eine Oper und nicht zuletzt residieren hier namhafte MusikerInnen.

  • Durch alle Tonarten

    Kaum eine Generation später als ihre italienischen „Kolleginnen“ Francesca Caccini und Barbara Strozzi beteiligte sich Anne (oder Marguerite?) Bocquet rege am Musikleben ihrer Zeit, in der die Oper auch in Paris langsam die Bühnen zu erobern begann. Wir wissen nicht viel über ihr Wirken, doch soviel, dass sie zwischen 1653 und 1659 zusammen mit der Literatin…