• Flammbares Relikt

    Halb Detektivgeschichte, halb Krimi-Thriller präsentiert sich der Stoff des Romans Der Name der Rose fast vierzig Jahre nach seinem Erscheinen in anderer, so nicht überall erwarteter, aber spektakulärer Form – nämlich als Musical. Dem norwegischen Duo Øystein Wiik und Gisle Kverndokk gelang, wie zur Premiere gestern Abend zu hören und zu sehen war, eine originelle und bewegte…

  • Klassikschätze über dem Marienplatz

    Angesichts bequem verfügbarer digitaler Musikdateien im Internet mögen manch einem Tonträger wie CDs oder gar Vinylplatten zwar etwas antiquiert erscheinen, doch bedeutet dies nicht etwa einen Mangel an Nachfrage, nicht einmal bei der jüngsten und jüngeren Generation. Bei Licht besehen bedeutet eine große Musikbibliothek mit wenigstens vier realen Wänden – abzüglich abzuwägender ökologischer Bedenken – ja…

  • Wenn der zweite Preis zum ersten wird

    Würden heute aktive Orchesterleiterinnen mit der gebetsmühlenartig vorgebrachten Standardfrage behelligt, was ihre Kunst von der männlicher Kollegen unterscheidet, würde wohl Mirga Gražinyte-Tyla neben Joana Mallwitz antworten: „Nichts!“ oder wenigstens „Nicht hinsichtlich der Resultate!“ Diese Unterstellung trifft sicher auf eine gleichfalls litauische Newcomerin am Pult ebenso zu: auf die 1989 in Vilnius geborene Giedrė Šlekytė; beinahe ließe…

  • Ökonomische Aspekte von Musik

    Den Rahmen für eine große Zahl von Musikaktivitäten weltweit gibt deren Finanzierbarkeit, Etablierung und Marktbehauptung vor. Einen überfälligen Abriss der neu entstandenen Musikwirtschaftsforschung, die eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Disziplinen und auch Fakultäten darstellt, lieferten erst 2018 spezialisierte Wissenschaftler aus den Bereichen Kulturbetriebslehre, Eventmanagement und Musikmanagement. Dabei geht es zunächst auch um theoretische Überlegungen zur Ortung und…

  • Wettbewerb der Stahlpfannen

    Einmal abgesehen davon, dass ein fast hypertrophes Angebot an Steel-Pan-Events (nicht nur) jeden Sommer und nahezu an jedem Abend die Insel Barbados, etwa das namhafte Calabash Cafe, beherrscht, bleibt der zentrale Stützpunkt für die jährlichen Wettbewerbe um den besten Auftritt der Steel Drummer doch Trinidad, wo das Instrument in den 1930er Jahren recht eigentlich erfunden wurde.

  • Kuriosum „aus Holbergs Zeit“

    Natürlich gab es Zupfinstrumente wie die Laute lange vor der Ära Purcells und Pachelbels, doch entstanden gerade in der Zeit zwischen 1660 und 1720 etliche kreative, auch verschnörkelte Varianten, zu verdanken nicht zuletzt des weltoffenen Kulturverständnisses dieser Periode. Der erfahrene Instrumentenbauer Dieter Schossig kennt zahlreiche Bauarten der Laute aus früher Neuzeit, die er gerade für Musiker/innen…

  • Gedankenschwer oder -verspielt

    An den Rand Europas wurde im Zweiten Weltkrieg und zur Zeit der sowjetischen Satellitenstaaten auch die Musik Mieczysław Weinbergs verdrängt; die mangelnde Beachtung seines Werks damals, das derzeit eine Renaissance erfährt, hat analog hierzu mit der kulturpolitischen Ausklammerung seiner ästhetischen Ausrichtung zu tun; Negierung und Diktat machten ihm in ähnlicher Weise das künstlerische Dasein schwer wie seinem…

  • Ein Miniaturakkordeon?

    Sie sieht im Vergleich zum voluminösen Akkordeon recht putzig aus und nahm dem Aussehen und Repertoire nach auf den britischen Inseln und in Zentraleuropa unterschiedliche Wege – was aber keineswegs als Plädoyer für einen Brexit herhalten sollte: Anders als ihre große Schwester verfügt die Concertina oder Konzertina auf der Seite der Bässe jedoch nicht über…

  • Verblasste Spuren: Antrieb für die Forschung

    Wie die vieler Tonsetzer verlieren sich die Spuren des Renaissancekomponisten Walentyn Gawara-Gutek nahezu im Dunkel der Geschichte – was freilich immer die Hoffnung impliziert, dass seine Werke wiederentdeckt und mehr Gesichertes über sein künstlerisches Leben zum Vorschein kommt.

  • Griechisch klassisch

    Die nicht gerade kurzlebige Hoheit des Byzantinismus über die Kultur brachte es in Griechenland mit sich, dass die Kunstmusik, wie sie sich in der Sattelzeit zu entwickeln begann (und sich später emanzipierte), zu einem großen Teil auf Kirchenmusik baute, während sie zum anderen Teil auf nicht notierter Folklore fußte. Die frühe Phase der Orientierung an…