• Vom Paganini zum Urvater australischer Musik

    Wie der Pianist und Violinist William Vincent Wallace war auch der zweitplatzierte „Teufelsgeiger“ John Phillip Deane aus Irland auf den fünften Kontinent eingewandert, blieb aber seiner neuen Heimat länger treu und zog in späteren Jahren noch einmal an seinen früheren Wohnort Hobart zurück. Seine Karriere nahm ihren eigentlichen Anfang aber in Sydney. Dorthin hatte die Familie nach einer…

  • Inspiriert zur Sinnvertonung?

    Storms Lyrik, gerade auch das in seiner Direktheit, Härte und Sparsamkeit kaum knapper formulierbare liedhafte Gedicht, inspirierte zu Lebzeiten und einige Jahrzehnte darüber hinaus namhafte Komponisten zu Vertonungen. In erster Reihe ist hier an Johannes Brahms, Max Reger, Alban Berg, Othmar Schoeck und Franz Schreker zu denken, wobei sich die musikalische Rezeption ästhetisch überwiegend zwischen der so…

  • Wie Dmitri S. zum Walzer kam

    Als das Damoklesschwert der bald eintreffenden deutschen Invasion bedrohlich über der Sowjetunion hing, hatte sich der Querkopf und Schachspieler Dmitri S. bereits den kulturpolitischen Zwängen von Stalins kommunistischer Diktatur ergeben – dem Anschein nach jedenfalls. Denn die unorthodoxe und keinerlei ästhetischem Diktat gehorchende IV. Sinfonie von 1936 mit ihren vielgestaltigen Einflüssen aus nicht nur russischem…

  • Wo Voodoo, Karneval und Chopin zusammentreffen

    An einem Ort weit entfernt von den europäischen Zivilgesellschaften begegneten Kaufleute deutscher Herkunft einst einem Klavier und Klarinette spielenden Wunderkind: Der kleine, in Port-au-Prince, der Hauptstadt Haitis lebende Ludovic Lamothe (1882 – 1953) beherrschte nicht nur die schwierigen Techniken des Instrumentalspiels sondern zeigte ebenso ein ausgeprägtes Talent zu komponieren. Die natürliche Begabung hatte auch mit dem Hang seiner…

  • Was ist original an der Mittelalter-Welle?

    Da aus der Epoche, die wir mit dem Fokus der Aufklärung als (düsteres) Mittelalter bezeichnen, keine mehrstimmige weltliche Musik überliefert ist, glaubten viele eine Zeit lang auch nicht an die Existenz einer solchen. Dies suchen romantikbesessene Spielleute nun auch schon seit mindestens dreißig Jahren nach Kräften zu widerlegen. Auf Stadtfesten, Jahrmärkten und Musikfestivals sind sie allerorts zu…

  • Tastenwunder Cembalo

    Dass das nicht eben laut tönende Cembalo und seine Artverwandten auch als Solisten mit Begleitung eine brillante Rolle spielen können, zeigen demnächst wieder Konzertauftritte vielerorts: Das exzellente polnische Duo Alexandra & Alexander Grychtolik stellt im Rahmen der Bachtage der Stadt Halle in Westfalen zusammen mit dem Ensemble Aperto J.S. Bachs Konzerte für 2 Cembali und…

  • Betörend elegante Stücke für Holzbläser accompagnati

    Der seinerzeit in Mitteleuropa fast gänzlich unbekannte schwedische Glashüttendirektor und spätere Betriebsleiter einer heimischen Sägemühle konnte im Alter von vierundfünfzig Jahren bereits auf eine Karriere als Geschäftsführer eines orthopädischen Instituts zurückblicken. Scheinbar ganz nebenbei machte er für etliche, die ihn zu dieser Zeit kannten, auch noch Musik. Diese war das eigentliche Metier des Stockholmers, denn ab origine beinahe,…

  • Mit einem Faible für Filmmusik und Jazz

    Aus der Sicht der Kenner von Ballettmusik hat er einen festen Platz in den Welttheatern: Graeme Koehne wurde zunächst wegen seiner Tanzmusiken The Selfish Giant (1982) nach Oscar Wilde, The Summer of Our Memories und Voyage Within (1988) populär, dann auch mit den Orchesterwerken Unchained Melody (1991), Powerhouse (1993) und Elevator Music (1997) und Sleep of Reason (2008), die…

  • Wieder aufgerollt: Eine ungewöhnliche Komponistenkarriere

    Mit besonderem Engagement nahm sich vor zwei Jahren Cecilia Bartoli zusammen mit Diego Fasolis der bedeutenden Arien Agostino Steffanis an. Von dem 1654 in Castelfranco bei Venedig geborenen Komponisten, Diplomaten und geistlichen Würdenträger ist vergleichsweise wenig auf modernen Tonträgern veröffentlicht worden, obwohl sein Wirken gerade im deutschsprachigen Raum, vor allem in Hannover, Düsseldorf, Heidelberg und München, nachhaltigen Einfluss…

  • In den Zeiten der ersten europäischen Nationalhymnen

    Der planmäßigen, alle gesellschaftlichen Kräfte lähmenden Aufteilung Polens durch Preußen, Russland und Österreich zwischen 1795 und 1918 ging bekanntlich eine Aufbruchzeit voraus, die auch in den Künsten eine wiedergewonnene Unabhängigkeit spiegelte. Ähnlich früh wie in den anderen europäischen Staaten begünstigte diese Entwicklung im Zuge der zunehmenden Kritik an feudalen Verhältnissen die Ausprägung eines bürgerlichen Selbstverständnisses und…