• Liedkunst in Down Under

    Judith Wrights Sinn für die Fauna, das Buschland und die Kultur der Ureinwohner Australiens veranlasste die Historikerin und Psychologin durch viele Dekaden zu Gedichten, die sich alle durch ihren mythischen Grundton auszeichnen. Im Zyklus Birds beschwört sie aber auch die zerbrechliche Seite der Tierexistenz und den Schaden, den die Natur durch den Menschen erleidet. Ihre Poesie wiederum inspirierte Margaret Sutherland…

  • Ungewohnte Trompetenklänge in neuen Kompositionen

    Die Werke dieser Komponistin wirken eher unkonventionell, vor allem, wenn man bedenkt, dass es ihr darum geht, eine mögliche zeitlineare Erzählprogression von Klängen zu umgehen. Was nicht bedeutet, dass sie sich stattdessen auf eine minimalistische oder auf statischen Hörereignissen beruhende Position zurückziehen würde. Die in London geborene und an der Universität Edinburgh in Violine und Komposition ausgebildete Tonkünstlerin Rebecca Saunders…

  • So fing alles an – mit den Blue Notes

    Mit seinen gut gelaunten expressiv-motorischen Ragtimes kann Scott Joplin (1868 – 1917) als der Vorläufer aller „schwarz“ geprägten Musikstile des 20. Jahrhunderts gelten, nimmt man den Bereich der geistlichen Spirituals und des Gospel einmal aus. Die Bezeichnung für den wesentlich von ihm (mustergültig) geprägten Stil bezieht sich auf die stark synkopierte, also zerdehnte oder „zerrissene“ Spielweise…

  • Kubanische Klaviervirtuosin mit klassischer Ausbildung

    Die karibische Musikpraxis zeichnet sich bekanntlich – nicht zuletzt infolge erzwungener Einwanderung – durch ihre farbenfrohe ethnische Mischung von folkloristischen Elementen untereinander sowie mit der europäischen Kunstmusik aus. Wegen des afrikanischen und teilweise auch indianischen Erbes dominiert Rhythmusvielfalt sowohl im Hinblick auf das nirgendwo so reiche Schlaginstrumentarium als auch auf das Repertoire, das Stammesritual, Karneval und…

  • Spotlights vom Hof Louis XIV.

    Vor allem wegen des reichen Steuertributs seiner armen Untertanen, die in der Regel Analphabeten waren, konnte sich Louis XIV. in Versailles einen höchst aufwändigen Lebensstil leisten, an dem die höfische Musik nicht den größten, aber einen gewissen Anteil hatte. Entsprechend leicht war es, herausragende Musiker und Tonkünstler um sich zu versammeln. Frieder Gauer vermittelte am…

  • Rhythmus schlagen, Klang färben, Melodie vorgeben

    Seinen Platz als frühestes verbliebenes Beispiel für die Verwendung der im 17. Jahrhundert hochmodernen Gitarre als Soloinstrument mit einem größeren Ensemble behauptet das Concerto grosso in D-Dur für 2 Violinen, Gitarre oder Laute und Streicher von Alessandro Stradella (1639 – 1682). Dessen illustres und hochproduktives Leben wie seine Ermordung in Genua auf offener Straße gab im übrigen noch Anlass…

  • Brückenschlag zwischen Lyrik, Lied und Musiktheater

    Von den europäischen Wurzeln der US-amerikanischen Lyrikerin und musikdramatisch bedeutenden Komponistin Mira Josefowitz Spector ist bei einem Blick in ihren Werkkatalog auf den ersten Blick wenig übrig geblieben. Sie studierte an der Mannes School und der Juilliard School of Music und hob in den 1970er Jahren das Ensemble The Aviva Players aus der Taufe, das sich unter ihrer Leitung bis heute der Aufführung von…

  • Französische Eleganz neben preussischer Pickelhaube

    Zeit seines Komponistendaseins widmete sich einer der begabten Schüler des exzentrischen Autodidakten Hector Berlioz eher außergewöhnlichen oder wenigstens exoterischen Themen – bedingt durch eine mehrjährige Behördentätigkeit als junger Mann in Algerien: 1850 brachte der spätere Kritiker des Courrier de Paris Ernest Reyer (1823 – 1909) die orientalische Symphonie Le Sélam für Soli, Chor und Orchester aufs Podium,…

  • Herr Kanto von der See und seine Nachkommen

    Als Frans Ferdinand Kanto aus Jalasjärvi in die finnische Armee eintrat, erhielt er üblicher Praxis gemäß den schwedischen Zweitnamen Mattsson. Nachdem er eine Schiffsreise von Vaasa nach Helsinki unternommen hatte, setzte er vor seinen ursprünglichen finnischen Namen, der mit einer ostbotnischen Region identisch ist, das Wort für die See, „Meri“. Der geänderte Name blieb der Familie…

  • Worauf Orpheus und Apoll gespielt hätten

    Da keine genau nachspielbare notierte Instrumentalmusik aus dem Altertum für uns greifbar ist, müssen wir uns, was die Wiedergabe von Musik betrifft, fast ganz auf literarische Hinweise, Instrumentendarstellungen und deren Einzelfunde stützen. Am besten belegt sind in Griechenland wie im Vorderen Orient die Leier, das Instrument Apollons und des mythischen Sängers Orpheus. Schon in der…