Kategorie: Wissenswert

  • Spanische Farben im Quintett

    Nicht nur die im um 1780 äußerst populäre sinfonia concertante mit ihrer besonderen Kontrastierung von Tutti- und Soloteilen, auch vorklassische Formen der Streicherkammermusik, darunter das in der klassischen Epoche zur hohen Kunstform entwickelte Quartett und das Divertimento waren Steckenpferde des in Lucca 1743 geborenen Cellisten und Komponisten Luigi Boccherini. Erst in den späteren Jahren seiner Karriere als…

  • Bourrée d’Auvergne

    Entgegen einer verbreiteten Annahme war die Bourrée zunächst ein höfischer Tanz des 16. Jahrhunderts im lebhaften 2/2, 2/4- oder 4/4-Takt, der erst später tatsächlich zum Volkstanz wurde. In der Auvergne, von der sie angeblich stammte, fand sie erst im Laufe des 19. Jahrhunderts Eingang. Überliefert sind jedenfalls einige markante Beispiele aus der barocken Musizierpraxis, unter anderem auch von J.S. Bach, der sie in…

  • Balladeske Lieder mit Big Band und Streichereinsatz

    Neben einer ausgeprägten avantgardistischen Musikszene entwickelte sich in den Übergangsbereichen in Polen – mit gewissen Wurzeln im westeuropäischen Orchesterchanson der 1920er Jahre – eine besondere Szene, die sich auch oder gerade im kulturellen Klima der sozialistischen Jahre behaupten konnte. Die Rede ist von balladennahen Liedern mit großem Begleitinstrumentarium, bekannt als „orkiestra popularna“, die insbesondere auf…

  • Launige Mythen und Alltagskomik

    Auf ihrem Weg in den höheren Norden kam die neue, in Italien entstandene Gattung der Oper auch im dänischen Königreich mit Verspätung an. Doch pflegte man hier seit längerem komödiantische Lieder und Singspiele, die durch bürgerliche Einflüsse auch derb, voller Trinksprüche und Zoten oder von Maskeraden, Verwechslungen und Intrigen – ähnlich den Stücken Molières – geprägt waren. Die Möglichkeit einer…

  • Seltene Pflanze der Kammermusik

    Eine in ihrer Besetzung sehr variable und vergleichsweise junge Erscheinung in der Kammermusik stellt das S………….. dar, das darin manchmal sehr an Consort-Formationen des 17. Jahrhunderts erinnert, etwa, wenn Georg Christoph Wagenseil in einem Beispiel mehrerer Violinen mit einer Viola und Generalbass kombiniert, das vielleicht gerade darum auch unter der Bezeichnung Sinfonia überliefert ist. Traditionell fanden sich eher sechs…

  • Mieczyslaw Karłowiczs Violinkonzert A-Dur, op. 8

    1902 entstand das erste und einzige Violinkonzert von Mieczyslaw Karłowicz, eines der (wenigen) Komponisten, die die Stilbewegung des Jungen Polen führend vertraten, sieben Jahre später kam der erst dreiunddreißigjährige Direktor der Warschauer Musikgesellschaft bei einem Skiunfall in der Hohen Tatra nahe Zakopane ums Leben. Zu seinem engeren Künstlerfreundeskreis gehörte neben Karol Szymanowski auch Grzegorz Fitelberg, der Karlowiczs…

  • Eunice Katunda

    Ähnlich wie Dinora de Carvalho oder Chiquinha Gonzaga war auch die aus Rio de Janeiro stammende Eunice Katunda (1915 – 1990) eine äußerst vielseitige Komponistin, die gleichermaßen als Dirigentin, Pianistin und Hochschullehrerin erfolgreich war, da sie sich in einem Metier bewegte, das für brasilianische Verhältnisse Entfaltungsmöglichkeiten in verschiedene Richtungen bot und nicht nur wie in…

  • Halka

    In einer für den polnischen Staat sehr schwierigen Situation – nämlich der Aufteilung des Landes durch Preußen, Russland und Österreich seit 1795 – waren es Literaten und Künstler, die eine kulturelle Identität aufrecht erhielten. Zu ihnen gehörte Wojciech Boguslawski, der die Schaffung einer polnischen Nationaloper vorantrieb. Dafür standen seine Libretti zu Maciej Kamienskis Glück im…

  • Das Oratorium – zwischen Kirchenraum, Konzertsaal und Opernbühne

    Nicht nur in Sachen Oper, auch was das Oratorium betrifft, hinkten die deutschsprachigen Gebiete Italien mit den bedeutenden Leistungen Stradellas, Caldaras und anderer hinterher: Die ersten ernsthaften Gehversuche in der aus südlichen Gefilden stammenden Gattung machten Komponisten jenseits der Alpen nach 1700 mit mehr als 60 Jahren Verspätung, und zwar in der protestantischen Kirchenmusik: Hier waren sie…

  • Egberto Gismonti

    Der 1947 in Carmo im Bundesstaat Rio de Janeiro geborene brasilianische Komponist, Sohn einer Sizilianerin und eines Libanesen erlernte mit fünf Jahren auf Wunsch seiner Eltern das Klavierspiel, spielte bald aber auch Flöte, Klarinette und Gitarre. Besonders lagen ihm die spezifisch brasilianischen Gitarreninstrumente am Herzen: So widmete er sich autodidaktisch dem Erlernen der Violão-Technik, später folgten…