Kategorie: Wissenswert

  • Tuning to modernity

    Im Laufe ihrer Karriere als Komponistin „tunte“ sich Radie Britain, deren Tonsatz zunächst von Tonalität geleitet war, mehr und mehr in atonale Strukturen und die Zwölftontechnik hinein, um an den wesentlichen Entwicklungsstadien im 20. Jahrhundert teilzuhaben. Dabei war sie unter den Fachkolleg(inn)en bei weitem nicht die einzige, die anfänglich überwiegend nach der traditionellen Harmonik arbeitete;…

  • Daphnis und Chloe: Traumpaar der Spätantike

    Blick zurück auf den Valentinstag ohne zu versteinern: Die gesamte europäische Hirtendichtung der frühen Neuzeit und darüber hinaus wurde von dem lebendig-bewegten Liebesroman des Longos, der vermutlich im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung entstand und auf der Insel Lesbos situiert ist, evoziert und inspiriert.

  • Chiffren des Inkalkulablen

    Manche Artefakte in der Musik, man denke an vielstimmige Chorwerke der späten niederländischen Polyphonie, Purcells Sonaten oder Schönbergs Sechs kleine Klavierstücke sind trotz des verstehbaren konstruktionstechnischen Hintergrunds so komplex, dass ihre Bauteile hinsichtlich Melos, Stimmenrelationen, Harmonik, Dynamik und Gliederung nur durch mehrere Zeichenparameter, also Ziffern, Klammern, Pfeile, Farbgebungen und andere klar voneinander unterschieden werden können. Durch Analyse kristallisierten sich aus methodischer Perspektive…

  • Enklaven des Karnevals

    Am 5. März ist es wieder soweit: Der Karneval wird mit dem Faschingsdienstag noch einmal hochgejubelt und ausgeläutet, um für ein Jahr in der Mottenkiste zu verschwinden. So selbst im anglikanisch dominierten Süden Großbritanniens, wo es an diesem Tag schon seit dem 16. Jahrhundert, ähnlich wie auf dem Kontinent, die Sitte des Essens von Krapfen…

  • Impulse aus der Hauptstadt

    Wenn es um Aktivitäten und die Entwicklung auf kunstmusikalischem Sektor geht, scheint die Kapitale hinter pulsierenden Kulturzentren wie Sydney und etwas dahinter Melbourne beinahe zu verschwinden. Dabei verfügt Canberra, das mit Deklarationsdatum 5. Mai 1927 als eine der jüngsten Welthauptstädte überhaupt gelten kann, selbst über Konzerthäuser und eine Oper und nicht zuletzt residieren hier namhafte MusikerInnen.

  • Durch alle Tonarten

    Kaum eine Generation später als ihre italienischen „Kolleginnen“ Francesca Caccini und Barbara Strozzi beteiligte sich Anne (oder Marguerite?) Bocquet rege am Musikleben ihrer Zeit, in der die Oper auch in Paris langsam die Bühnen zu erobern begann. Wir wissen nicht viel über ihr Wirken, doch soviel, dass sie zwischen 1653 und 1659 zusammen mit der Literatin…

  • Einfach fagöttlich

    Noch mit dem Kammermusikarrangement der Carmen-Suite von Georges Bizet in den Gehörgängen erinnert sich der Hörer dankbar an den einzigartigen Ton des Fagotts über dem Klavier: klagend, gleichzeitig brummend, ironisch schräg, auch mal der Klezmer-Klarinette ähnlich und klanglich einige Nuancen klarer und geschliffener als die meisten Holzbläserverwandten im Orchester. Längst hat das unnachahmliche Instrument auch über dem…

  • Eine singuläre Stimme: aus Europas Südwesten

    Berta Cándida Alves de Sousa (1906 – 1997) kann als eine der ganz wenigen erfolgreich Kunstmusik komponierenden Frauen Portugals im 20. Jahrhundert gelten. Sie schuf solistische Klavierstücke ebenso wie Kammermusik für zwei oder drei Instrumente, in der Regel für Cello und Klavier, Orchesterwerke, geistliche Vokal- und Chormusik, später ein paar bedeutende Werke für die Bühne, darunter…

  • Travestie unähnlich Parodie

    Die seit der Antike gängige Weigerung von Autoren und Dramaturgen, dem weiblichen Geschlecht Rollen auf der Bühne zuzugestehen, reicht über das Mittelalter hinaus bis weit in die frühe Neuzeit hinein. Männer als Frauen, das war üblich, aber Frauen als Männer? Beiderseitige Travestien sind nicht zuletzt dem im 16. Jahrhundert aufblühenden englischen Theaterwesen zu verdanken, das allerdings…

  • Was (nicht erst) morgen gebraut und gebacken wird

    Unabhängige Wissenschaft bringt, was gelegentlich übersehen wird, nicht nur Blüten der Erkenntnis hervor, sondern trägt wesentlich zur gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Entwicklung bei; wo sie in einem Staat fehlt oder deutlich eingeschränkt ist, darf getrost von geist- und damit menschenfeindlicher Diktatur gesprochen werden. Die Freiheit der Wissenschaft kann freilich nur soweit reichen wie sich unsere Spezies…