Kategorie: Reviews

  • Kuriose Kleinstaaterei

    Kuriose Kleinstaaterei

    Blickt man in die europäische Musikgeschichte zurück, so war es nicht gerade unüblich, Frauenrollen durch Männer höherer Stimmlage zu ersetzen. An dieses Rezept hielt man sich in der neuen Inszenierung von Jacques Offenbachs Bouffe La Grande-Duchesse de Gérolstein am Münchner Gärtnerplatztheater unter der Regie von Josef E. Köpplinger, dem Choreographen Adam Cooper und dem Dramaturgen…

  • Wechselbäder: Zwischen früher Moderne und Heute

    Wechselbäder: Zwischen früher Moderne und Heute

    Einer der Schüler von Antonín Dvořák in Prag war Julius Fučik, geboren 1872, der sich wohl bereits auf eine Karriere als Militärmusiker vorbereitet haben mag, da er dort außer Fagott und Violine auch Schlagzeug studierte. Seiner Neigung entsprechend komponierte er im Zuge seiner Engagements in Krems an der Donau, Sarajevo und Budapest für das Orchester…

  • Einhören in die Münchner Klaviertage

    Einhören in die Münchner Klaviertage

    Auftakt nach den mit passablem Frühjahrswetter gesegneten Pfingstfeiertagen: In der Reaktorhalle der Hochschule für Musik München stellten sich am 21. Mai sieben Klavierstudenten aus fünf verschiedenen Klassen einem rangfüllenden Publikum vor, und zwar mit einem angemessen vielfältigen Chopin-Programm, zu dem gewissermaßen die einzige Mozart-Sonate des Abends, nämlich diejenige in B-Dur (KV 570) ein entspanntes Gegengewicht…

  • Entdeckt: Die erste Madrigalsammlung von Maddalena Casulana

    Entdeckt: Die erste Madrigalsammlung von Maddalena Casulana

    Für die Musikgeschichte ein sensationeller Fund: Eine Musikwissenschaftlerin an der Universität Southampton, Prof. Laurie Stras, entdeckte vor wenigen Monaten in Moskau das vierstimmig gesetzte primo libro di madrigali der in der Renaissance weithin bekannten Lautenspielerin und Sängerin Maddalena Casulana de Mezarii aus dem Jahr 1568, gleichzeitig das erste Werk der vermutlich um 1540 in Vicenza…

  • Gegen und gleichzeitig für die Musik?

    Gegen und gleichzeitig für die Musik?

    Mel Bonis‘ Werke für kleinere Besetzung Wie zwei ausgewiesene Expertinnen für die Werke von Mel Bonis im vergangenen Jahr festgestellt haben, sind Leben und Kunst der aus einer kleinbürgerlichen Familie in Paris stammenden späteren Komponistin in sich von zahlreichen „inneren Widersprüchen“ gekennzeichnet gewesen. Möglicherweise als Folge daraus, dass die Eltern der zukünftigen Pianistin gegen ihr…

  • Mysterium der Musikgeschichte

    Mysterium der Musikgeschichte

    Leider fehlt jeder geeignete Anhaltspunkt dafür, aus welchem Anlass heraus der so produktive und geschickte Vermarkter seiner selbst, Antonio Vivaldi, in solchem Maße der von ihm erfundenen Gattung des Fagottkonzerts zuarbeitete. Es liegen aus seiner Hand 39 elaborierte Konzerte vor, die damit noch weit hinter der Zahl derjenigen mit solistischem Violinpart zurückbleiben. Dennoch handelt es…

  • Mademoiselle Duvals Bühne

    Mademoiselle Duvals Bühne

    Erstaufnahme mit Camille Delaforges Ensemble Il Caravaggio Wenn die Eckdaten stimmen, dann komponierte eine mutmaßlich auf den Namen Louise Duval getaufte Cembalistin in Versailles achtzehnjährig das heroische, vierteilige Opernballett Les Génies ou les caractères de l’Amour, zu deutsch Die Genien oder Die Erscheinungsweisen der Liebe. Gemessen am Alter der Novizin ist sowohl die zeitübliche Titulierung…

  • Eins mit der Natur werden

    Eins mit der Natur werden

    Seine einerseits gewagte, gleichzeitig stimmige Verbindung von japanischem Butoh-Tanz und dem Dionysos-Mysterium der antiken europäischen Überlieferung stellte am vergangenen Freitag und Samstag der Nürnberger Performancekünstler und Dramatiker Alexander Wenzlik dem Münchner Publikum im Theater Schwere Reiter vor. Der studierte Tanzpädagoge aus dem Freiburger Dance Vision Institute erlernte schon vor Jahren die hier immer noch als…

  • Produktiv dank Protektion

    Produktiv dank Protektion

    An und für sich war es gerade in Italien und Frankreich zwischen dem Anfang des 17. und dem des 18. Jahrhunderts keineswegs unüblich, dass Komponistinnen unter der Schirmherrschaft einer politisch einflussreichen Fürstin wirken konnten und nicht am Cembalo beim Vortrag verspielter Stückchen und an der Orgel ihr Musikerinnendasein fristen mussten. Allerdings ist es für die…

  • Ruinen, Scharlatane und Revolutionäre

    Ruinen, Scharlatane und Revolutionäre

    Er wird zwar als einer der Begründer eines Nationalstils in der Kunstmusik apostrophiert, doch wird ihm diese Zuschreibung angesichts des breitgefächerten und international anschlussfähigen Werks nicht gerecht: Der hier gesuchte, 1785 geborene Komponist arbeitete eine lange Zeit seines Lebens, siebzehn ganze Jahre nämlich, für ein bedeutendes hauptstädtisches Opernhaus. Die fachlichen Voraussetzungen dafür schuf sich der…