Kategorie: Reviews

  • Klassische Gitarre trifft Jazzgitarre

    Ohnehin nicht alltäglich ist ein Musikstudium, in dem die Perfektionierung im klassischen Gitarrenspiel mit dem Kompositionsunterricht parallel läuft. Noch unkonventioneller erscheint es vor allem aus europäischer Sicht, wenn sich ein Studium in Jazzgitarre anschließt, denn bekanntlich können die US-Hochschulen mit einem professionellen Angebot auch in der Popularmusik und ihrem Instrumentarium punkten. Nicht von ungefähr hört…

  • Passages

    1995 und damit ein Jahr bevor Adrienne Elisha beim Warschauer Herbst als Komponistin und Bratschistin in eigener Sache auftrat, feierte ihr Orchesterwerk Passages Geburtstag. Der Titel bezeichnet gewissermaßen das Phänomen Musik als solches, da dieses per se durch ein der Zeitlichkeit unterworfenes Entstehen und Verwehen, seinem etymologischen Gehalt nach aber auch durch das „Leiden“ an dieser Vergänglichkeit charakterisiert sein…

  • An einem Ostermorgen

    Johann Peter Emilius Hartmanns Beitrag zum Karfreitag folgt einem getragenen Moderato-Maß, steht allerdings nicht in Moll, sondern seltsamerweise in der sonst eher versöhnlichen Tonart F-Dur. Das daran anschließende erst besinnliche, danach aber auffahrende Allegretto der nur zweisätzigen Orgelsonate op. 47 widmet sich dann dem Anlass des Ostermorgens. Einer der großen Experten französischer Orgelmusik, Hans Fagius, spielte das ungewöhnliche kleine Meisterstück für das Label Dacapo…

  • De manera mexicana

    Seit sich Carlos Chávez (1899 – 1978) mit seinem Werk, etwa den Cantos de México oder Xochipilli Macuilxóchitl – einer Widmung an den alten Musikgott – für die Vergegenwärtigung aztekischer Musik einsetzte, fällt trotz etlicher kultureller Schnitte sein langer Schatten immer noch voraus bis in die nahe Zukunft. Denn sein zweiter Coup bestand darin, die aktive Besinnung…

  • Shakespeare grüßt nur aus naher Ferne

    Nach diesem Namen wird man in den meisten populären Opernführern umsonst suchen: Über Italien hinaus ist von dem 1883 im oberitalienischen Rovereto geborenen und späteren Mascagni-Schüler Riccardo Zandonai nur in Fußnoten zu lesen. Möglicherweise liegt dies an seiner Zwischenstellung – nach Puccini und noch ohne Bezug auf „neue Schulen“ wie diejenige Arnold Schönbergs -, was eine langanhaltende…

  • Jánczaks hohe Chorkunst

    Es muss nicht immer Warschau oder Krakau sein, wenn es im Nachbarland Polen um den Erwerb exzellenter Voraussetzungen für eine Musikkarriere geht: Piotr Jánczak ist derzeit Dozent an der Akademie von Bydgoszcz, wo er selbst bei Janusz Stanecki Dirigieren und Musikpädagogik studiert und sich in der Chorleitung professionalisiert hatte. Diese Ausbildung brachte es mit sich, dass er heute…

  • Kubanisches Aire nocturno

    Bedeutende spanischsprachige Dichterinnen und Dichter verdanken ihr Vertonungen ihrer Gedichte: allen voran José Martí, Pablo Neruda, Dora Alonso und César Vallejo. Zu den bedeutenden Liedern, die Beatriz del Carmen Corona schrieb, gehören Deseo und Aire nocturno, die beide 1990 entstanden, sowie El nuevo día von 1999. 

  • Salonmusik – Basis für mehr Gehör?

    Ambroise Thomas hielt Cécile Louise Chaminade (1857 – 1944) nicht für eine komponierende Frau, vielmehr sei sie „ein Komponist, der eine Frau ist“, was in den ersten Dezennien des 20. Jahrhunderts noch ebenso viel Verwunderung wie Bewunderung erkennen ließ, zumal sie in den Ohren der Zeitgenossen mit derselben Wucht wie die männlichen Kollegen Klavier spielte. Tatsächlich…

  • Verinnerlichung und Improvisation

    Es bestehen Kongruenzen zwischen der Denkweise, wie ein Architekt einen Hausbau und der Komponist den Grundriss für einen musikalischen Satz plant, den er aus einem knappen Einfall entwickeln kann. Der Nachvollzug, mit welchen technischen und gestalterischen Mitteln ein Präludiums oder eine Fuge in der Barockzeit entworfen wurde, bedeutet, in die innere Substanz eines erdachten oder erst zu…

  • Seltene Pflanze in rauhem Nordland

    Langsam dürfte es sich dank einer Ranking-Studie des britischen Economist herumgesprochen haben, dass Norwegen bereits seit Jahren als das demokratischste Land weltweit gelten darf. Dies war freilich zu Zeiten der dänischen Vorherrschaft noch deutlich anders, auch im kulturellen Bereich. Denn außer den Personen, die ohnehin in Beziehung zur Kirche, zum Hof in Kopenhagen, später auch in Christiania…